Heimliche Reisen

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Buchprofile - Rezension
Schicksalswendungen und Heimsuchungen: Helga Schütz erzählt von ihren Lebensstationsreisen.
Helga Schütz, die zu den etablierten Autorinnen der DDR zählte, später an der Film- und Fernsehhochschule in Potsdam Professorin war, hat mit "Heimliche Reisen" ein wahrlich schönes Erinnerungsbuch geschrieben. Schön an ihren Erzählungen ist, dass sie ganz unprätentiös den Wegen des Schicksals folgen, das sie aus Schlesien über Dresden und ein Grenzgebietshaus nach Berlin geführt hat. Hier wurzelt ihr Erzählen. Es ist bodenständig und geradlinig, kurzgeschichtenhaft pointiert, nie um Selbstkritik verlegen: da beschleicht sie einmal ein schlechtes Gewissen, weil sie einer jüdischen Professorin Christstollen in die USA geschickt hat, da kommt sie ein andermal über den Kriegs- und Flüchtlingserinnerungen eines jetzt mitte-neunzigjährigen Ehepaars in Schmargendorf ins Grübeln. Gerahmt wird das Buch von zwei S-Bahn-Geschichten, die 30 Jahre auseinanderliegen. Die erste spielt im ersten Nachwendefrühling und handelt von einem 9-jährigen Jungen, der offensichtlich aus dem Waisenhaus ausgerissen ist und den die Erzählerin am Alexanderplatz aus den Augen verliert. In der zweiten Story wird ein ebenso alter Junge vor dem Bahnhof Zoo als Dieb verhaftet. Neugier, Misstrauen und Zuversicht gehen in diesen Erinnerungen eine leichthändige Allianz ein. Helga Schütz erzählt von Heimat in der Erinnerung, leise, gewitzt und überaus lesenswert.
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Artikelbeschreibung

"Diese magische Erinnerin erzählt Weltgeschichte, wie sie der Einzelne erfährt." Christoph Dieckmann, Die Zeit. "Die Erde schwankte sanft wie eine Wiege, wie im Traum summten die alten Geschichten. Wie mein Leben, wie die Nachrichten über mein Leben." Die verwunschenen Wege der Erinnerung führen zur schlesischen Kindheitslandschaft, in ein marodes Grenzgebietshaus, an Schneidetische und in Limonenhaine: Orte für gefühlte Beben, Fluchten, heimliche Reisen und Stationen einer bestrickenden, weisen, gewitzten Lebenserzählung, die Jahrzehnte deutscher Geschichte einschließt. "Manche Geschichten sind zum Wachbleiben und manche zum Einschlafen, es gibt sie, damit die Nacht vergeht oder die Kälte. Es gibt auch noch die Geschichten, die sich Leute in der Wüste erzählen, wenn sich die Karawane ausruht." "Es ist die große Kunst von Helga Schütz, das Politische beiläufig und nebenbei mitzuerzählen." Jörg Magenau, SZ. "Ihre schwebende Prosa trifft ins Herz." Freie Presse.

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Personeninformation

Helga Schütz wurde 1937 in Falkenhain/Schlesien geboren. 1944 Umsiedlung nach Dresden. Nach einer Gärtnerlehre Arbeit als Landschaftsgärtnerin. ABF. Nach dem Studium an der Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg wurde sie freie Autorin und schrieb Drehbücher und Szenarien zu Spiel- und Dokumentarfilmen, später auch Romane und Erzählungen. Em. Professorin an der Hochschule für Film und Fernsehen. Sie lebt in Potsdam. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen.

Zuletzt erschienen: Grenze zum gestrigen Tag (Roman, 2000); Dahlien im Sand. Mein märkischer Garten (2002); Knietief im Paradies (Roman, 2005); Sepia (Roman, 2012); Die Kirschendiebin (Erzählung, 2017);  Von Gartenzimmern und Zaubergärten (2020).

Pressestimmen

»Helga Schütz erzählt in einer unsentimentalen Schreibweise. Eine Schreibweise, die eine für den Leser fruchtbare Distanz zum Erzählten aufrechterhält. Sie ermöglicht ihm, das Gelesene selbst einzuordnen und zu bewerten. Gleichzeitig entsteht durch diese Distanz, mit der sie aus ihrem Leben erzählt, eine ganze eigene Poesie.« Neues Deutschland 20211230
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