Bittere Brunnen

Hertha Gordon-Walcher und der Traum von der Revolution - Ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2023
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Buchprofile - Rezension
Lebensgeschichte einer überzeugten Kommunistin im 20. Jh.
Schon früh erkannte die junge Hertha, aufgewachsen in einer armen jüdischen Familie in Königsberg, die Unterschiede zwischen Arm und Reich. Da sie sich in ihrer Heimatstadt eingeengt fühlte, ging sie mit 18 Jahren, wie zuvor ihre ältere Schwester, nach London, wo sie schon bald überzeugte Sozialistinnen wurden und auch den Marxismus kennenlernte, dessen Anhängerin sie Zeit ihres Lebens blieb. Die Autorin, mit der sie in späteren Jahren befreundet war und der sie in vielen Gesprächen zahlreiche Geschichten und Episoden ihres Lebens erzählte, verbindet diese zusammen mit Ergebnissen weiterer Recherchen zu einer lebendigen Lebensgeschichte und letztlich zu einer Geschichte des deutschen Kommunismus. In ihrem Mann Jacob Walcher, einem ebenfalls engagierten Kommunisten, fand Hertha einen Seelenverwandten, den sie in seiner Arbeit unterstützte, immer in der Hoffnung auf eine Revolution, die auch in Deutschland die Gesellschaft verändern würde. Sie mussten vor den Nazis fliehen, untertauchen, gingen zusammen nach Frankreich und in die USA ins Exil und kehrten schließlich nach Ostberlin zurück. Einige ihrer Weggefährten waren Clara Zetkin, Walther Ulbricht und viele Mitarbeiter der Komintern in Moskau, später auch Willy Brandt, dem sie jedoch nicht verziehen, dass er sich für Westdeutschland entschied. - Die mit dem Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse 2023 ausgezeichnete Biografie ist für größere Bestände mit einem entsprechend interessierten Publikum geeignet.
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Artikelbeschreibung

Ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2023: Die Lebensgeschichte einer außergewöhnlichen Frau

Eine Alternative zum Kapitalismus ist möglich, eine Welt ohne Krieg, Armut und Ausbeutung: davon ist die junge Jüdin Hertha Gordon, später Walcher, überzeugt, als sie sich in den 1910er-Jahren den Sozialisten anschließt und in den Kampf stürzt. Hautnah erlebt sie den großen Traum von der Revolution, aber auch das Scheitern und schmerzhafte Ende der Illusionen mit. Die Geschichte ihres Jahrhundertlebens ist das Panorama einer Epoche.

Mitreißend erzählt Regina Scheer von einer außergewöhnlichen Frau in unruhigen Zeitläuften, von existenziellen Auseinandersetzungen unter Gleichgesinnten in der Weimarer Demokratie, vom Widerstand gegen die Nationalsozialisten, von einer dramatischen Flucht über Marseille in die USA, vom Exil in New York und von der Hoffnung auf den Aufbau eines anderen Deutschland nach dem Krieg.

Regina Scheer kannte Hertha Walcher (1894-1990) seit ihrer Kindheit und führte über viele Jahre Gespräche mit ihr. Sie bietet einen außergewöhnlichen, sehr privaten Blick auf eine beeindruckende Frau, die klandestin nach Moskau reiste, um Dokumente zu überbringen, und dort Lenin und Stalin begegnete; die Spezialistin in der Herstellung von Geheimtinte war, deren Weggefährten Rosa Luxemburg, Clara Zetkin, Wilhelm Pieck, Bertolt Brecht, Willy Brandt hießen. Voller Empathie erzählt Scheer von einem entbehrungsreichen Leben im Dienst einer großen Idee, von unzerstörbarer Hoffnung, von Verbundenheit und Hilfsbereitschaft, aber auch von erbittertem Streit unter Menschen, die doch das gleiche Ziel verfolgen.

»Mit "Bittere Brunnen" zeichnet Regina Scheer das außergewöhnliche wie exemplarische Leben von Hertha Gordon-Walcher nach und erzählt damit gleichzeitig eine Chronik der sozialistischen und feministischen Bewegungen im 20. Jahrhundert. "Bittere Brunnen" geht dabei weit über eine gewöhnliche Biographie hinaus: Meisterlich und transparent verwebt die Autorin historische Recherchen mit persönlichen Erinnerungen. Geholfen hat ihr dabei ihr meisterliches Gedächtnis, mit dem sie Stück für Stück eine Sammlung erstellte. Dieses erzählende Sachbuch steht für große Offenheit im Umgang mit Brüchen, Ungereimtheiten und Leerstellen unseres Wissens um Lebensläufe - und ist eine genaue Dokumentation politischer Zusammenhänge, deren Spuren die Gegenwart prägen.« (Begründung der Jury zum Preis der Leipziger Buchmesse 2023)

Ausstattung: mit Bildteil

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Personeninformation

Regina Scheer, 1950 in Berlin geboren, studierte Theater- und Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität. Von 1972 bis 1976 arbeitete sie bei der Wochenzeitschrift «Forum». Danach war sie freie Autorin und Mitarbeiterin der Literaturzeitschrift «Temperamente». Nach 1990 wirkte sie an Ausstellungen, Filmen und Anthologien mit und veröffentlichte mehrere Bücher zur deutsch-jüdischen Geschichte, u.a. «Im Schatten der Sterne» (2004). Ihre ersten beiden Romane, «Machandel» (2014) und «Gott wohnt im Wedding» (2019), waren große Publikumserfolge. Ihr neuestes Buch, «Bittere Brunnen», wurde 2023 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet.

Pressestimmen

»Ein wichtiges Buch, das den großen Erzählungen über das 20. Jahrhundert einen ganz eigenen Erfahrungsschatz zur Seite stellt.« Deutschlandfunk, Andruck
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