Bambino

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Buchprofile - Rezension
Ein eindringlicher Roman über Identität und Faschismus im Triest der 1920er-Jahre.
Triest nach dem Ersten Weltkrieg. Mattia Gregori erfährt von seiner sterbenden Mutter, dass sie nicht seine leibliche Mutter ist, sein Vater gibt die Identität der anderen Frau jedoch nicht preis. Mattia steigert sich in eine zügellose Wut und abgrundtiefe Menschenverachtung. Richtet sich anfangs seine Wut auch auf die Faschisten, ist er später aktiv in ihren Reihen. Seinen Namen "Bambino" geben ihm die "Schwarzhemden" wegen seines kindlich bartlosen Gesichtes. Als Gruppenführer zieht er in den Krieg Italiens gegen Griechenland und wird in diesem Krieg aller Illusionen beraubt. 1946 herrscht politisches Chaos in Triest. Jugoslawische Truppen sollen die Vormacht in der Stadt übernehmen, in welcher Bambino nach seiner Rückkehr aus dem Krieg überall nur noch Feinde hat. Nur sein Vater hält zu ihm und rät ihm, sich in den Bergen zu verstecken, bis sich die Lage beruhigt hat. – Marco Balzano gelingt es erneut, eine fiktive Biografie eng mit historischen Ereignissen zu verknüpfen. Dieser Roman entfaltet sich rasant und konzentriert. Mattias ungeklärte Herkunft zieht sich wie ein roter Faden durch diese Geschichte. Seine Kränkung darüber entlädt sich in Gewalt, was große Beklemmung beim Lesenden hervorruft und die Figur Bambinos sowohl abstoßend und zugleich auch fesselnd erscheinen lässt. Schuld, Besatzung, Faschismus und Krieg sind allgegenwärtig, roh und unausweichlich. Die Figur Mattias führt den Leser:innen vor Augen, wie schnell Täterrollen entstehen und wie flüchtig jede Form von Macht ist. Es gibt keine Rechtfertigungen für all seine Gräueltaten, vieles bleibt bewusst offen und wirkt verstörend. Am Ende des Romanes steht kein Trost, keine Erlösung, sondern die Erkenntnis, dass Geschichte menschliches Handeln prägt und auch verformt. Es ist beklemmend zu erleben, wie aus Orientierungslosigkeit Überzeugung und wie schnell Gewalt identitätsstiftend wird. Ein Buch, das lange nachwirkt. – Ein Roman für literarisch und historisch interessierte Leser:innen.
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Artikelbeschreibung

Triest, 1920. Mattia ist ein Faschist der ersten Stunde. Sein Gesicht ist noch bartlos, weshalb man ihn Bambino nennt, aber seine Schläge sind so hart, dass die halbe Stadt sich vor ihm fürchtet. Mattia weiß nicht, wer seine Mutter ist. Gar eine von drüben? Eine Slowenin? Sein Vater, der Antifaschist und Uhrmacher, will es ihm nicht verraten. Im Schlamm und Schmutz des Zweiten Weltkriegs verliert Mattia schließlich alle Gewissheiten, und er muss erfahren, dass der Gewinner von heute der Verlierer von morgen sein kann.

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Personeninformation

Marco Balzano, geboren 1978 in Mailand, ist zurzeit einer der erfolgreichsten italienischen Autoren. Er schreibt, seit er denken kann: Gedichte und Essays, Erzählungen und Romane. Mit seinem Roman 'Das Leben wartet nicht' gewann er den Premio Campiello. Mit 'Ich bleibe hier' war er nominiert für den Premio Strega, in Italien und im deutschsprachigen Raum war das Buch ein großer Bestseller. Er lebt mit seiner Familie in Mailand.

Pressestimmen

»Fesselndes Porträt eines Antihelden.«

NDR Kultur NDR Kultur
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