Das Schwarz an den Händen meines Vaters

Roman | Longlist Deutscher Buchpreis 2025
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Buchprofile - Rezension
Eine Familie leidet unter der Suchterkrankung des Vaters.
Mottes Vater ist Alkoholiker. Die Ich-Erzählerin blickt zurück auf ihre Kindheit. Der Vater, der die Arbeit verliert, die Mutter, die sich aufreibt und wie die Kinder auch versucht, den Schein einer "normalen" Familie aufrecht zu halten. Nach der Arbeit verlieren sie ihr Haus, in der Schule und in der Nachbarschaft sind die Kinder Außenseiter. Deutlich wird auch, dass der Alkoholismus Familiengeschichte ist: Der Großvater war ein Trinker ebenso wie der zweite Mann der Oma. Schwester und Bruder schaffen es, den Kreislauf zu durchbrechen, lösen sich aber nicht von der Familie, sondern übernehmen Verantwortung. Die Protagonistin selbst wird ebenfalls alkoholabhängig. Sie leidet unter Panikattacken und kann, wie ihr Bruder auch, keine Beziehungen eingehen. Der Vater stirbt schließlich an einer Krebserkrankung. Die Sucht drückt weiter schwer auf der Familie, aber es gibt Hoffnung auf ein erwachsenes, nüchternes Leben. – Eindringliche und manchmal beklemmende Skizze einer ganz normalen Familie, die deutlich macht, dass eine Suchterkrankung und ihre Auswirkungen sich über Generationen erstreckt. Sehr gut lesbar. (Nominiert für den Deutschen Buchpreis)
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Susanne Steufmehl empfiehlt:

„Wir denken nicht nach in dieser Familie, über die Reihenfolge der Dinge oder darüber, wer wen aufhebt.“ Dieses Zitat ist die Quintessenz des beeindruckenden Familienromans von Lena Schätte. Denn es ist die junge Ich-Erzählerin, die schon in früher Kindheit für ihren alkoholkranken Vater einstehen muss. Der Vater ist ein herzensguter und lieber Mensch, aber seine Trunksucht wirft ihn immer wieder aus der Bahn. Zuerst periodisch, dann dauerhaft, begleitet von Spielsucht und dem körperlichen Verfall. Das hat drastische Auswirkungen auf die Familie, in der die Mutter lange versucht, das Verhalten ihres Mannes auszubügeln. Selbst kurzfristige Trennungen und dann die endgültige entlassen sie nicht aus der Verantwortung, immer wieder kümmert sie sich um ihren strauchelnden Ex-Mann. Kinder können sich nicht trennen, ihr Vater bleibt immer ihr Vater, den sie lieben und dessen Unzulänglichkeiten auch sie immer wieder zu kaschieren versuchen. Und wie es leider häufig passiert, rutscht auch die junge Ich-Erzählerin in die Sucht ab, führt zweifelhafte Beziehungen, arbeitet in mies bezahlten Jobs und kann sich doch vor dem endgültigen Absturz retten. Trotz der tristen und hoffnungsarmen Story hat mich dieses Buch unendlich tief berührt und ich empfehle es innigst. Es ist eine herzzerreißende Liebeserklärung an einen Menschen mit all seinen Fehlern, den die Ich-Erzählerin niemals aufgibt. Ein famoses Buch auf wenigen Seiten eindrucksvoll erzählt – ein Buch, das Lena Schätte ihrem Vater gewidmet hat.

Susanne Steufmehl, Buchberaterin Belletristik und Sachbuch

Artikelbeschreibung

»Motte« wird die Ich-Erzählerin von ihrem Vater genannt. Der Vater ist Arbeiter, Spieler, Trinker. Eigentlich hat Motte sogar zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann, beim Spielen alle Verstecke kennt und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Und den anderen, der von der Werkshalle ins Büro versetzt wird, damit er sich nicht volltrunken die Hand absägt. Und das mit dem Alkohol, sagt die Mutter, war eigentlich bei allen Männern in der Familie so.
Auch Motte trinkt längst mehr, als ihr gut tut. Schon als Kind hat sie beim Schützenfest Kellnerin gespielt und die Reste getrunken, bis ihr warm wurde. Jetzt, als junge Frau, schläft sie manchmal im Hausflur, weil sie mit dem Schlüssel nicht mehr das Schloss trifft. Ihr Freund stützt sie, aber der kann meistens selbst nicht mehr richtig stehen. Nur ihr Bruder, der Erzieher geworden ist, schaut jeden Tag nach ihr. Als bei ihrem Vater Krebs im Endstadium diagnostiziert wird, sucht Motte nach einem Weg, sich zu verabschieden - vom Vater und vom Alkohol.
»Das Schwarz an den Händen meines Vaters« von Lena Schätte ist ein bewegender Roman über das Aufwachsen in einer Familie, die in den sogenannten einfachen Verhältnissen lebt und die zugleich, wenn es darauf ankommt, zusammenhält. Es ist ein harter, zarter Roman über die Liebe zu einem schwierigen Vater und den Weg ins Leben.

»Die Wucht des sich behutsam entfaltenden Textes trifft unmittelbar.« Aus der Begründung zur Verleihung des W.-G.-Sebald-Preises

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Personeninformation

Lena Schätte, geboren 1993 in Lüdenscheid, debütierte 2014 mit dem Roman »Ruhrpottliebe«. In den Folgejahren arbeitete sie als Psychiatriekrankenschwester im Ruhrgebiet, bis sie 2020 ein Studium des Literarischen Schreibens am Deutschen Literaturinstitut Leipzig aufnahm. Heute betreut sie suchtkranke Menschen in Lüdenscheid - und schreibt. Für ihren Roman »Das Schwarz an den Händen meines Vaters« wurde Lena Schätte mit dem W.-G.-Sebald-Literaturpreis und dem Förderpreis Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet; der Roman stand zudem auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2025.

Pressestimmen

[...] ein Dorfroman, ein Familienroman, ein Suchtroman. [...] voller Empathie und Liebe, der uns zeigt, es ist eben nicht jedes Leben golden. [...] Ein ganz, ganz großartiges Buch. Elke Heidenreich WDR 4 Buchtipp 20250504
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