Die Dämmerung der Steppengötter

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Buchprofile - Rezension
Zeitgeschichtlich interessanter Roman über die Manipulierbarkeit der Intellektuellen in einem totalitären kommunistischen Regime.
Der mehrfach ausgezeichnete albanische Schriftsteller erzählt in seinem erstmals in den 70er Jahren erschienenen autobiografischen Roman von seinem Studienaufenthalt an dem berühmten Moskauer Maxim-Gorki-Literaturinstitut. Schriftsteller aus Russland und den "sozialistischen Bruderstaaten" sollten hier ideologisch aufgerüstet und in die Verfahrensweisen des sozialistischen Realismus eingeführt werden. Der schmale Roman handelt zum einen von einer zum Scheitern verurteilten Liebe zwischen dem Ich-Erzähler und einem russischen Mädchen, aber vor allem karikiert und kritisiert er sehr detailreich und oft voll beißender Ironie das von einem Klima der Angst beherrschte literarische Leben in der Sowjetunion unter Chruschtschow. Unterwürfigkeit und speichelleckerische Anpassung vor den "kleingewachsenen Göttern des sozialistischen Lagers" (S. 203) attestiert der desillusionierte Autor den meisten Vertretern seiner Zunft. Ein aus Indien eingeschleppter Pockenfall und Enver Hoxhas separatistische Albanienpolitik offenbaren die Parolen von der Freundschaft der sozialistischen Bruderstaaten als hohle Phrasen. - Ein zeitgeschichtlich interessanter Roman also, der die Manipulierbarkeit der Intellektuellen in einem totalitären Regime vor Augen führt. (Übers.: Joachim Röhm)
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Artikelbeschreibung

Ismail Kadare, Albaniens berühmtester Autor und seit Jahren Anwärter auf den Literatur-Nobelpreis, war Ende der 50er Jahre Student am berühmten Maxim-Gorki-Literaturinstitut in Moskau. In dieser Zeit wurde er Zeuge der beispiellosen Hetzkampagne in allen Medien gegen Boris Pasternak, der den Nobelpreis nicht entgegennehmen durfte.
Illusionslos zeichnet Ismail Kadare ein Bild der Schriftsteller aus allen Teilen des großen Sowjetreichs, denen er im Rahmen seines Studienaufenthaltes am Maxim-Gorki-Institut begegnete. Zu seiner bodenlosen Enttäuschung trifft er überwiegend auf Konformisten, ultraloyale Schmeichler, frustrierte Sozialisten und korrupte Informanten. Die eigenartige Stimmung aus Beklemmung, Misstrauen und gegenseitger Bespitzelung unter den Studenten fängt er in zum Teil surreal anmutenden Szenen ein. Gesteigert wird die klaustrophobische Atmosphäre noch durch den Ausbruch einer Epidemie, die zu einer vollständigen Quarantäne führt. Ein Sinnbild der politischen Isolation, in der sich die Sowjetunion nach der Tauwetterperiode unter Chruschtschow befindet, und ein ahnungsvoller Vorgriff auf die Isolation Albaniens nach der Loslösung vom 'Großen Bruder'.

'Ismail Kadare hat mehr über das 20. Jahrhundert und seine Dunkelheit zu erzählen als jeder andere zeitgenössische Autor.' Daniel Kehlmann

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