Baumschatten

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Buchprofile - Rezension
Ein Schulhof ist Schauplatz der Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte und ökologischen Belangen.
Mitten auf dem Schulhof einer Berliner Schule steht eine sogenannte "Hitler-Eiche", um die ein Konflikt entbrennt: Erika, die Enkelin des früheren Schulleiters, möchte die Eiche fällen lassen. Sjonnie und seine Tochter Joss wollen aus ökologischen Gründen das Fällen verhindern, wie auch Kamil, der sich im "antifaschistischen Baumkollektiv" engagiert. Sjonnies alte Tante mischt sich als Umweltaktivistin ebenfalls ins Geschehen ein. All diese Protagonisten sind miteinander bekannt und haben ihre eigenen Geschichten: Sjonnie hat eine Geschlechtsumwandlung hinter sich; er hatte eine kurze Liebesbeziehung mit Kamil, dessen Tante war von den Nationalsozialisten zwangssterilisiert worden. In dieser Graphic Novel werden viele Handlungsstränge gewoben, miteinander verknüpft und nicht zu Ende erzählt. Dass Erika, Sjonnie und Kamil ständig auf Dating-Portalen beschäftigt sind, verkompliziert die Sache. Alle Figuren tragen schwer an ihren brüchigen Biografien und ihren Familiengeschichten. Das ist dramaturgisch nicht immer glücklich gelöst, da etliche Ungereimtheiten stehenbleiben und man Stringenz vermisst. Auch die Bündelung der Themen wirkt etwas gewollt: natürlich haben Öko-Aktivisten auch ein Sexual- und ein Familienleben, aber die Verstrickungen dieser komplizierten Problemlagen tun der Story nicht gut, zumal die Zeichnungen nicht immer eindeutig sind. Trotz aller Kritik: es ist dieser Arbeit anzurechnen, dass aufgezeigt wird, wie weit die Historie noch in unsere Gegenwart reicht und unser Schicksal bestimmt – wie das breite Geäst eines alten Baums.
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Artikelbeschreibung

Kamil und Sjonnie trennten sich, bevor ihre Liebe überhaupt richtig beginnen konnte - ihre Vorstellungen und Bedürfnisse waren zu verschieden. Doch kurz nach der Trennung kreuzen sich ihre Wege erneut: Auf dem Schulhof von Sjonnies Tochter Joss soll eine alte Eiche gefällt werden und Joss kämpft mit aller Kraft für ihren Erhalt. Doch dann taucht Kamil auf und offenbart, dass es sich um eine sogenannte «Nazi-Eiche» (oder «Hitler-Eiche») handelt. Als Afrodeutscher ist seine eigene Familiengeschichte eng mit dieser Eiche verbunden. Und auch Schulleiterin Erika Tröwe wird von der Vergangenheit eingeholt. Sie muss sich mit der NS-Geschichte der Schule und mit der Rolle, die ihr Grossvater und Vater darin gespielt haben, auseinandersetzen. So sehen sich durch die Eiche ganz unterschiedliche Menschen mit gegensätzlichen Überzeugungen miteinander konfrontiert: diejenigen, die den Baum aus ökologischer Überzeugung oder als Mahnmal erhalten wollen, und diejenigen, die den Baum und seine Geschichte auslöschen wollen. Doch zwischen Erinnerung und Verdrängung, Schuld und Verantwortung verschwimmen die Grenzen, und wer weiss - vielleicht findet die ungleiche Gruppe trotzdem irgendwie zusammen?

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Personeninformation

* 1981 in den Niederlanden, lebt und arbeitet als Comiczeichner und Illustrator in Berlin. Er lebte in Bukarest, New York und Oegstgeest, bevor er 2003 sein Studium der Freien Kunst an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam abschloss und anschliessend nach Berlin zog. 2018 veröffentlichte er gemeinsam mit Nettmann die Cartoonsammlung «Familienjuwelen». Sein erster Comicroman «Küsse für Jet» (2020) erzählt die autofiktionale Geschichte von Jet, der in den 1990er-Jahren erwachsen wird und seine Geschlechtsidentität erforscht. Seine Kurzcomics wurden für den Plastieken Plunk (BE, 2021) und den GINCO Award (DE, 2022) nominiert.
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