Was macht ein Namenspatron aus?
Korbinian, Benedikt oder Johannes? Das sind klassische Namen, die vor allem im süddeutschen Raum immer noch gerne an Neugeborene vergeben werden. Ein Vorname mit christlichem Bezug soll dem Kind Schutz und Orientierung mit auf den Weg geben. Ein Vater, eine junge Frau und eine Ordensschwester erzählen.
Der Name Leo wird immer beliebter. Ob das an Papst Leo XIV. liegt? Foto: © StockAdobe/kehinde
Es ist einer der bedeutsamsten Momente in der Schwangerschaft: Mit der Hand auf dem Bauch dem Kind seinen Namen zuzuflüstern und zu wissen: „So sollst du heißen.“ Der Vorname bietet einem Neugeborenen Identität und Zugehörigkeit. Namen mit einem christlichen Bezug gehen darüber noch hinaus: Sie geben dem Kind einen Namenspatron und eine bedeutsame Geschichte mit auf den Lebensweg. Bei der Namenswahl werden für heutige Eltern andere Kriterien immer wichtiger – schon 2014 gaben bei einer Studie der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) nur 17 Prozent der werdenden Eltern an, dass ein religiöser Bezug für sie wichtig sei.
Dabei haben christliche Namen eine lange Tradition. Ab dem vierten Jahrhundert rief Johannes Chrysostomos, Bischof von Konstantinopel, Gläubige dazu auf, ihre Kinder nach Aposteln und Märtyrern zu benennen. Ab dem späten Mittelalter werden in Deutschland vor allem Heiligennamen vergeben. Auch heute werden gerne biblische Namen und Namen von Heiligen vergeben. Die Statistik der beliebtesten Jungennamen der GfdS wird noch 2025 von Noah angeführt.
Leo steigt momentan rasant durch die Ränge – im vergangenen Jahr schaffte er es erstmals in die Top 10. Wie der Aufstieg mit dem Amtsantritt von Papst Leo XIV. zusammenhängt, lässt sich nicht klären. Christopher Slotta – zuständig für generationenübergreifende Grunddienste und das Sakramentenpastoral der Erzdiözese München und Freising – freut sich dennoch darüber: „Ich glaube, dass Papst Leo in unserer turbulenten Zeit ein Zeichen der Ruhe und des Friedens sendet. Es ist schön, wenn da für werdende Eltern eine positive Konnotation entsteht.“
Katholische Vornamen: Tradition und Bedeutung
Ein schöner Klang und eine passende Bedeutung – danach suchen werdende Eltern. Laut Christopher Slotta ist immer noch der Hintergrund des Namens ausschlaggebend. „Eltern lesen sich dann die Geschichte des Heiligen durch und entscheiden, ob sie zu ihnen passt und sie berührt. Auf diese Weise möchten sie ihrem Kind den Namen eines Heiligen geben, der es begleitet.“ So habe er ein Gespräch mit Eltern geführt, die einen katholischen Namen suchten und über ihre Liebe zu den Bergen auf den Namen Elia stießen. In der Geschichte der Verklärung ist es unter anderem der Prophet Elia, der Jesus auf dem Berg Tabor erscheint. „So ergibt sich die Namensgebung aus der Biografie der Eltern“, meint Slotta.
Barmherzigkeit Gottes – der Name einer Stammesmutter Israels, der geliebten Ehefrau Jakobs, der 14 Jahre lang um sie kämpfte. Als Slotta und seine Frau während ihrer ersten Schwangerschaft den Namen Rahel hörten, dachten sie sofort: „Wow, das passt!“. Erst danach entdeckten sie die Bedeutung und die Geschichte hinter dem Namen. „Es war uns ein Anliegen, unseren Kindern mit dem Namen eine Bedeutung, einen Patron mitzugeben“, sagt er. Die Geschichte der alttestamentarischen Figur überzeugte sie. „So konnten wir unsere Tochter guten Gewissens Rahel nennen.“
Über seinen eigenen Namen habe er ebenfalls erst im Namengebungsprozess für sein erstes Kind nachgedacht. Die Lebensgeschichte des Heiligen Christophorus habe ihn währenddessen begleitet. Mittlerweile identifiziere er sich mit seinem Namen und Schutzpatron auf eine neue Weise. Der Heilige Christophorus ist der Legende nach auf der Suche nach dem mächtigsten Herrscher der Welt, als er von Christus überrascht wird. Ein Kind bittet ihn, es auf seinen Schultern über den Fluss zu tragen. Im Wasser spürt der Mann eine immense Schwere – obwohl die Aufgabe für ihn ein Leichtes sein sollte. Das Jesuskind muss ihn vor dem Ertrinken retten. „Diese Umkehrung: Er sucht nach dem Größten und findet es im Kleinsten. Wow, was für eine geniale Story!“
[inne]halten - das Magazin 20/2026
Franz von Assisi
Auch 800 Jahre nach seinem Tod hat der Heilige noch viel zu sagen
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Magdalena: Eine Heilige als Vorbild
Eine kleine Figur von der Heiligen Maria Magdalena stand seit der Erstkommunion im Kinderzimmer von Magdalena Franke. Die Theologiestudentin wurde von ihren Eltern bewusst nach der Heiligen benannt. Die Idee dazu bekam ihre Mutter, als sie ein Buch zu Maria Magdalenas Geschichte und ihrer Rolle in Jesu Leben las. „Meine Eltern haben immer versucht, den Namen für mich als etwas Besonderes darzustellen und mir die Heilige näherzubringen. Mir war von Anfang an bewusst, dass sie eine wichtige Rolle in der Bibel hatte, und ich war immer ganz stolz auf meinen Namen.“
„Der Name hat mich motiviert, in der Kirche aktiv zu sein. Maria Magdalena war da immer ein Vorbild dafür, dass ich auch als Frau da meinen Platz habe und gewollt bin.“ Auch in ihrem Studium der katholischen Theologie sei die Heilige für sie Stütze. Franke stellt sich ihre Namenspatronin als stärke Frau vor: „Die Bibel sagt ja nicht allzu viel zu ihrem Charakter, aber ich stelle mir vor, dass sie sich ihren Platz im Jüngerkreis einfordern musste und sich da nicht von Gegenstimmen hat unterkriegen lassen.“
Auch für ihre Kinder würde Franke sich einen Namen mit Bezug zu einem Heiligen wünschen: „Ich finde es schön, einen Heiligennamen auszusuchen, der auch einen Bezug zum Bistum hat – so kann man dann auch die Orte besuchen, wo die Heiligen besonders verehrt werden. Korbinian kann ich mir gut vorstellen.“
Scholastica: Der Ordensname als Lebensmotto
Keinen Namen für ein Baby, sondern ihren eigenen hat sich Sr. Scholastica Rübenach aus der Abtei Venio in München ausgesucht. Zumindest ein Mitspracherecht hatte die Benediktinerin, die Entscheidung traf vor 20 Jahren die Priorin der Gemeinschaft. Vorher durfte sich Rübenach bis zu drei Namen wünschen: Ihre Wahl traf zunächst auf Laeticia – „die Freude“. Der Name Scholastica erschien ihr zunächst eine Nummer zu groß, schließlich ist die Heilige als Schwester des Heiligen Benedikts die Patronin der Benediktinerinnen. „Ich dachte, das kann ich nicht machen – aber dann haben mir drei Mitschwestern zugesprochen, dass der Name zu mir passt. Da musste ich mich doch trauen.“
Die Geschichte der Heiligen Scholastica inspiriere sie immer wieder in ihrem eigenen Handeln. Nach der Erzählung von Papst Gregor I. (ca. 540–604) trafen sich die Zwillinge Benedikt und Scholastica einmal im Jahr zu geistigen Gesprächen. Eines Abends bat Scholastica ihren Bruder, noch nicht zu gehen; er beharrte jedoch auf seiner eigenen Regel. Als sie weinend zu Gott betete, zog ein Ungewitter auf – Benedikt war gezwungen zu bleiben. „Papst Gregor deutet daraus, dass die Regel wichtig ist, aber die Liebe mehr zählt. Scholastica vermochte mehr, weil sie mehr liebte“, erzählt Rübenach.
Der Name übe heute zwar keinen Druck auf sie aus, dennoch sei er eine Aufgabe: „Es ist wichtig, dass wir uns an Regeln halten, aber niemals darf die Regel mehr zählen als die Liebe.“ Als Magistra und Priorin ist Rübenach auch für die jungen Schwestern zuständig: „In dem Kontext muss die Liebe zur Anderen immer mehr zählen als eine frühere Abmachung.“ – Der Name sei so für sie zum Lebensprogramm geworden.



