Der Weitgereiste
Stephan Kappler ist neuer Leiter der Abteilung muttersprachliche Seelsorge in der Erzdiözese München und Freising. Wir stellen Ihnen den Priester und promovierten Psychologen vor.
Liturgischer Tanz beim Gottesdienst der Nationen 2025 im Münchner Dom. Foto: © Kiderle
Spricht man mit Stephan Kappler, ist bei ihm deutlich ein amerikanischer Akzent herauszuhören. Dieser Zungenschlag überrascht, ist der 59-Jährige doch ein gebürtiger Münchner und in Gauting aufgewachsen.
Kappler, der Mitte der 1980er Jahre ins Münchner Priesterseminar eingetreten war, führte sein damaliges Freijahr nach Kalifornien. Dort studierte er an der Graduate Theological Union (GTU) in Berkeley und lernte neben Englisch auch Spanisch. Schließlich gefiel es ihm so gut, dass er sich entschied, ganz in den USA zu bleiben.
Stephan Kappler: Von München
nach Kalifornien und in die Seelsorge
Er wechselte von der Erzdiözese München und Freising in die Diözese Oakland. Nach seiner Priesterweihe 1994 arbeitete Kappler stets in den als sozial schwierig geltenden Innenstadtgemeinden mit ihren großen Anteilen an Latinos und Afroamerikanern.
„Hier lernte ich, was Interkulturalität wirklich bedeutet“, blickt er zurück.
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Ab 2005 studierte Kappler parallel zu seiner Seelsorgearbeit Psychologie und promovierte 2012 in klinischer Psychologie. Als Pfarrer mit Privatpraxis an der Westküste erstellte er jahrelang psychologische Gutachten für Kandidaten, die in ein Priesterseminar oder einen Orden eintreten wollten. Zuletzt leitete er eine kirchliche psychosomatische Klinik für Priester und Ordensleute im kanadischen Toronto.
Die Corona-Pandemie und die gravierenden Veränderungen in den USA – politisch wie kirchlich – weckten in Kappler immer stärker die Sehnsucht nach seiner alten Heimat. 2024 kehrte er in die bayerische Landeshauptstadt zurück.
Stephan Kappler freut sich auf seine neue Aufgabe als Leiter der muttersprachlichen Seelsorge. Foto: © SMB/Ertl
Seitdem leitet er die hiesige englischsprachige Gemeinde. „Es war ein glücklicher Zufall, dass diese Stelle damals gerade frei geworden war. Bis heute bin ich sehr dankbar, dass man mich in Oakland hat gehen lassen und man mich hier wieder aufgenommen hat. Ich bin so glücklich, wieder in München zu sein“, sagt Kappler, der sowohl die deutsche als auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt.
Neuer Leiter der muttersprachlichen Gemeinden im Erzbistum München und Freising
Seit Mitte September ist der weitgereiste Mann nun zum neuen Leiter der muttersprachlichen Gemeinden in der Erzdiözese berufen worden, als Nachfolger von Monsignore Alexander Hoffmann. Kappler ist somit für 26 Gemeinden und kleinere Gottesdienstgemeinschaften mit insgesamt über 265.000 Gläubigen zuständig.
Beim Gottesdienst der Nationen am Sonntag, 27. September, um 18 Uhr mit Kardinal Marx im Münchner Liebfrauendom wird Stephan Kappler erstmals in seiner neuen Aufgabe in Erscheinung treten.
„Ich möchte mich dafür einsetzen, dass der Gedanke einer gelebten interkulturellen Kirche bei uns gefördert wird. Das bedeutet ein Voneinander-Lernen und gegenseitiges Bereichern. Muttersprachliche Seelsorge sollte keine Parallelkirche darstellen, wir sind eine gemeinsame katholische Kirche, das ist die Realität.“
Neben dieser Mammutaufgabe will er zudem weiter Leiter der englischsprachigen Gemeinde bleiben: „Ich könnte mir nichts Schöneres wünschen“, lacht er.



