Achtsamkeit
19.10.2026

Heilsames Jodeln

Renate Winklmüller aus Bayerischzell verbindet in ihren Kursen Jodeln mit Almwandern – und schafft so ein besonderes Erlebnis aus Natur, Bewegung und Gemeinschaft. Im Interview erzählt sie, warum beim Jodeln niemand perfekt sein muss, und weshalb Jodeln sogar etwas Heilsames haben kann. 
    

Renate Winklmüller. Renate Winklmüller. Foto: © privat

Frau Winklmüller, wie sind Sie zum Jodeln gekommen?  

Die Leidenschaft war schon lange da. Ich habe gesungen, war im Kirchenchor und im Bayerischen Dreigesang. Richtig mit dem Jodelschlag beschäftigt habe ich mich später in einem Kurs bei meiner Jodellehrerin Barbara Lexer. Irgendwann dachte ich: Das möchte ich auch anderen Menschen vermitteln – aber nicht in einem Raum. Ich wollte Freiheit statt eines klassischen Schüler-Lehrer-Verhältnisses. Weil ich selbst gerne wandere und die Berge und Almen liebe, entstand daraus die Verbindung von Jodeln und Almwandern.  

Was macht diese Kombination so besonders?  


Beim Wandern kommen die Menschen aus dem Kopf und in den Körper. Die Natur wird zum Resonanzraum. Wir machen auf dem Weg mehrere Stationen, lernen Übungen und kleine Jodler und probieren sie beim Weitergehen aus. Das schafft Leichtigkeit und vor allem Freude. Es ist ein ganz anderes Lernen als in einem geschlossenen Raum.  

Viele sagen wahrscheinlich erst einmal: „Ich kann doch gar nicht singen.“  

Das höre ich sehr oft. Aber man muss gar nicht singen können. Jodeln ist eine eigene Technik. Entscheidend ist der sogenannte Jodelschlag, also der schnelle Wechsel von Brust- zu Kopfstimme. Den müssen alle erst einmal lernen. Das nimmt den Druck heraus. Beim Jodeln darf man auch einmal danebenliegen. Niemand muss perfekt sein und niemand muss bei mir allein vor der Gruppe vorsingen.
    

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Was geschieht, wenn die Teilnehmer ihre Stimme plötzlich wirklich erklingen lassen?  

Es ist erstaunlich, wie schnell viele Fortschritte machen. Auf der Alm singen wir zum Abschluss oft gemeinsam einen dreistimmigen Jodler. Dann stehen die Menschen da und können kaum glauben, dass sie das geschafft haben. Sie sind berührt und erfüllt. Das sind für mich besonders schöne Momente.  


Renate Winklmüller mit ihrer Jodel-Gruppe auf der Kreuzberg-Alm zwischen Schliersee und Tegernsee. Renate Winklmüller mit ihrer Jodel-Gruppe auf der Kreuzberg-Alm zwischen Schliersee und Tegernsee. Foto: © privat

Sie sprechen auch von einer heilsamen Seite des Jodelns. Was meinen Sie damit?  

Beim Jodeln muss der ganze Körper mitmachen. Man richtet sich auf, steht fest und bringt die Bruststimme kraftvoll heraus. Man geht buchstäblich in seine Kraft. Darin sehe ich durchaus einen therapeutischen Wert. Jodeln kann uns ermutigen, laut zu sein, unsere Stimme zu erheben und uns zu zeigen. Gleichzeitig gehören die kraftvolle Bruststimme und die weichere Kopfstimme zusammen. Beide brauchen einander.  

Warum tut uns das gerade heute gut?  

Wir sind oft sehr darauf bedacht, alles richtig zu machen und keine Fehler zu zeigen. Beim Jodeln darf dieser Anspruch verschwinden. Man darf einfach loslegen. Diese Freiheit kann sehr wohltuend sein. Manchmal beginnt etwas ganz Heilsames, wenn ein Mensch wieder frei atmet und Töne erklingen lässt, ohne perfekt sein zu müssen.  

Und was sollen die Menschen nach einer Jodelwanderung mit ins Tal nehmen?  

Vor allem Freude und eine schöne Erinnerung an die gemeinsame Zeit. Ich wünsche mir, dass sie den Mut mitnehmen, ihre eigene Stimme zu gebrauchen. Dass sie erleben: Ich darf laut sein, ich darf mich zeigen, ich muss nicht perfekt sein. Vielleicht bleibt auch das Gefühl, wie schön es sein kann, gemeinsam aus dem Kopf herauszukommen, Natur zu erleben und etwas in sich selbst zum Klingen zu bringen. Genau das ist für mich das Besondere am Jodeln.

Wissenswert

Weitere Informationen zu Jodeln und Almwandern mit Jodelkurs-Terminen gibt es auf Renate Winklmüllers Homepage jodelkurs-wandern.de.

Paul Hasel
Artikel von Paul Hasel
Redakteur, Channel-Management