Krisen und Chancen
23.04.2026

Plädoyer fürs Leben: Hoffnung nach Suizidversuch 

Tim Pröses Buch „Doch noch ein neuer Tag“ erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die nach einem Suizidversuch ins Leben zurückfindet.
    

Foto: © antgor – stock.adobe.com

Ein alter journalistischer Grundsatz lautet, dass nicht über Suizid oder Suizidversuche berichtet wird. Denn man fürchtet den sogenannten Werther-Effekt. Der ist benannt nach Johann Wolfgang von Goethes Roman „Die Leiden des jungen Werther“, nach dessen Erscheinen es zu einer Welle von Suiziden junger Männer kam, die sich mit dem Protagonisten identifizierten. 

Papageno-Effekt: Medienberichte
können Leben schützen 

Doch es gibt auch ein Phänomen, das das Gegenteil beschreibt: Beim Papageno-Effekt, der nach einer Figur aus Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ benannt ist, geht man davon aus, dass eine verantwortungsvolle Medienberichterstattung das Suizidrisiko senken kann, wenn sie Hilfsmöglichkeiten aufzeigt und über Alternativen zu einem Suizid berichtet. Genau so ist der Autor Tim Pröse an die Recherche zu seinem neuen Buch „Doch noch ein neuer Tag. Wie Alexandra den Tod wählte und das Leben wiederfand“ herangegangen. 

„Unser Buch soll ein Plädoyer fürs Leben sein. Unbedingt. Alexandra ermutigt mit ihrem ganzen Herzen, mit ihrem ganzen Sein: Bleibt hier, gebt nicht auf. Das Leben ist schön“, sagt Pröse. 

    

Anzeige

Intensive Recherche und persönlicher Kontakt 

Zwei Jahre lang hat der Münchner Autor mit Alexandra gesprochen. Rund 24 Stunden Tonmaterial sind dabei zustande gekommen und die beiden haben sich sehr gut kennengelernt. 

Die heute 27-Jährige hatte sich nach einem Suizidversuch selbst an Pröse gewandt und ihn gefragt, ob er mit ihr zusammen dieses Buch schreiben wolle. Jetzt ist es erschienen.

Eine Krankheit im Mittelpunkt 

Was genau ihre Depression ausgelöst hat, ist schwer zu sagen. „Alexandra war das, was man mal eine Karrierefrau genannt hat“, erläutert der Autor. Vor zwei Jahren versuchte sie, sich zu erhängen. Ihre Eltern kamen früher nach Hause als geplant und konnten sie so noch retten. Es folgten ein zweiwöchiges Koma und ein langer Weg zurück ins Leben. 

Für den Suizidversuch nennt das Buch den einzig wahren Grund: Es war keine bewusste Entscheidung, sondern diese Krankheit, die das Leben in ein tiefes Grau oder sogar Schwarz taucht. 

Tim Pröse sagt, er sei mit einem „Heidenrespekt“ an diese Arbeit herangegangen, „und auch mit einer Umsicht und einer Sorge um Alexandra“. 

Einfach macht es sich dieses Buch nicht. Denn nach dem Suizidversuch war die Krankheit ja nicht besiegt. Pröse beschreibt zusammen mit Alexandra die vielen Schritte und Begegnungen, die nötig waren, damit die junge Frau wieder Mut fassen konnte.

Wenn Sie Suizidgedanken haben oder bei einer anderen Person wahrnehmen: Kostenfreie Hilfe bieten in Deutschland der Notruf 112, die Telefonseelsorge 0800 111 0 111 und das Info-Telefon Depression 0800 33 44 5 33. Weitere Informationen und Adressen gibt es unter www.deutsche-depressionshilfe.de. 

[inne]halten - das Magazin 10/2026

Uralt und wunderschön

Eine einzigartige Lage, eine über tausendjährige Geschichte und eine romanische Kirche voller Schätze: Das ist Kloster Seeon.

Lesen Sie im [inne]halten-Magazin unseren Themenschwerpunkt und weitere Geschichten und Berichte aus dem kirchlichen Leben.


Er hat mir ihrer Zwillingsschwester Katharina gesprochen, die ein Koma-Tagebuch für ihre Schwester geschrieben hat. Nach dem Koma konnten die beiden so die verlorene Zeit aufarbeiten. Alexandra hat einige Situationen wiedererkannt, denn sie erinnert sich an vieles, was um sie herum geschehen ist. 

Auch die Eltern hat er befragt und die Intensiv-Krankenschwester, die da war, als Alex im Koma lag. 

„Dann sind wir zurückgekehrt ins Klinikum, wo sie gerettet wurde. Wir haben den Chefarzt und die Assistenzärztin gesprochen, die sie gerettet haben, und die Feuerwehrleute und Sanitäter ebenfalls. Zu guter Letzt durfte ich bei einer psychotherapeutischen Sitzung dabei sein.“ 

So schält Pröse Schicht um Schicht von der vordergründigen Geschichte, bis er zum wahren Kern kommt. Heute arbeitet Alexandra wieder als Hochschuldozentin. Doch sie weiß, dass Karriere nicht das Wichtigste ist im Leben. Sie kann jetzt ihre Kräfte besser einschätzen. 

Umgang mit Depression: Nähe statt Rückzug 

Angehörigen oder Freunden von an Depressionen erkrankten Menschen rät Pröse, den Kontakt nicht abzubrechen. „Wenn wir ehrlich sind, neigen wir ja dazu, jemanden zu meiden, der krank ist oderleidet.“ Weil wir uns nicht trauen, ihm nahe zu sein, oder glauben, ihn in Ruhe lassen zu müssen. 

Den Betroffenen hingegen rät er, sich Hilfe zu suchen: „So nah ein Mensch euch auch steht, er kann euch nicht professionell aus dem Dunkel heraushelfen. Dafür braucht es die tiefere Psychologie.“ 

20,00 €
Versandkostenfrei in DE
Sofort lieferbar
Brigitte Strauß-Richters
Artikel von Brigitte Strauß-Richters
Redakteurin