„Valentinstag“ für Singles: Zwischen Freiheit und der Sehnsucht nach Gemeinschaft
Rosen und Romantik dominieren den Valentinstag am 14. Februar – für viele Alleinlebende ein ambivalenter Moment. Der Internationale Ehrentag der Singles am Tag danach setzt bewusst einen Kontrapunkt und lädt dazu ein, Einsamkeit neu zu betrachten und Gemeinschaft aktiv zu gestalten.
Foto: © simona – stock.adobe.com
Rosen, Pralinen, ein schönes Abendessen zu zweit - am Valentinstag feiern Paare ihre Liebe. Und in den Tagen zuvor wird für entsprechende Produkte kräftig die Werbetrommel gerührt. Manche der rund 17 Millionen Alleinstehenden hierzulande dürften den Tag mit gemischten Gefühlen sehen - Verwitwete, Geschiedene, Getrenntlebende oder auch jene, die auf der Suche nach dem oder der Richtigen sind. An sie richtet sich der Internationale Ehrentag der Singles, nur einen Tag später.
Der Ehrentag der Singles:
Gemeinschaft statt Rückzug
Wie aber soll man diesen Tag feiern, wenn kein passendes Gegenüber da ist? Das Netzwerk Solo&Co ruft Alleinlebende dazu auf, sich am 15. Februar mit anderen Singles zu einem Abendessen zu verabreden und die Gemeinschaft zu genießen. Gerade in Kleingruppen und Begegnungen liege eine große Chance, „die zunehmende Einsamkeit zu überwinden und Leben miteinander zu teilen", erklärt das Netzwerk für christliche Singles.
Einsamkeit in einer individualisierten Gesellschaft
Mit Blick auf den Trend zur Individualisierung ist solch ein Abendessen für manchen nicht selbstverständlich, weiß Walter Lutz, Sprecher der Initiative. „Man fügt sich nicht mehr so gerne ein", beobachtet er. Dadurch isolierten sich Menschen stärker, würden einsamer und zunehmend beziehungsunfähig. Zudem werde heute viel online kommuniziert und bestellt: „Früher musstest Du zum Bäcker gehen, heute kannst Du Dir alles liefern lassen". So würden manche Menschen Stück für Stück einsamer, erklärt Lutz. Manch einen ziehe es auch weg vom Land, wo es noch eine Einbindung in die Dorfgemeinschaft gab, hin in die Stadt – „da bist Du erstmal alleine".
[inne]halten - das Magazin 03/2026
Das ist mir heilig
Leserinnen und Leser erzählen von ganz besonderen Gegenständen
Lesen Sie im [inne]halten-Magazin unseren Themenschwerpunkt und weitere Geschichten und Berichte aus dem kirchlichen Leben.
Warum es heute mehr Singles gibt
Einen Grund für die hohe Zahl alleinlebender Menschen sieht die Entwicklungspsychologin Pasqualina Perrig-Chiello in der „Freiheit, sein Leben so zu gestalten, wie man es gerne hätte". Heute gebe es keine gesellschaftlichen Vorgaben mehr bezüglich Familie und Kindern. Geschiedene und ledige Menschen sowie Kinderlose seien nicht mehr geächtet, sagt die Berner Wissenschaftlerin. Zudem seien Frauen heute gebildeter, berufsorientierter und dadurch finanziell unabhängiger. Eine Ehe sei für sie deshalb keine zwingende Option mehr.
Sehnsucht nach Nähe
Ohnehin stellen laut der Wissenschaftlerin vor allem Frauen höhere Ansprüche an eine Partnerschaft. Auch gebe es durch die gestiegene Lebenserwartung mehr verwitwete und geschiedene Menschen, so die Buchautorin.
Dennoch sehnen sich viele nach einer engen, intimen Beziehung - ob jung oder alt. Partnerschaften tragen laut der Therapeutin zur körperlichen und psychischen Gesundheit bei - bei Männern mehr als bei Frauen. Eine feste Beziehung gebe einen „sense of belonging", ein Zugehörigkeitsgefühl, verbunden mit gegenseitiger Unterstützung.
Online-Dating zwischen
Hoffnung und Ernüchterung
Kein Wunder also, dass sich Dating-Plattformen großer Beliebtheit erfreuen und viele dort auch ihr Glück finden, sagt Perrig-Chiello. Zugleich sorgen sie für Frust und emotionale Erschöpfung, wie eine Forsa-Umfrage im April 2025 zeigte. Knapp jeder Dritte fühlte sich demnach bei Online-Kontaktbörsen, Dating-Portalen und -Apps eher wie eine Ware. Fast die Hälfte der Befragten empfand die Profile anderer Nutzer als unehrlich oder geschönt.
Frust entsteht laut der Therapeutin auch durch hohe Ansprüche an das Gegenüber. „Vor allem bei älteren Frauen driften Ansprüche und Möglichkeiten auseinander." Aber auch manch jüngerer Mensch gibt die Partnersuche (vorerst) auf - und zelebriert in den Sozialen Medien das selbstbestimmte Singledasein. Dabei senkt eine fehlende Partnerschaft offenbar das Wohlbefinden und die Lebenszufriedenheit junger Menschen, wie eine Studie der Universität Zürich zeigt.
Die Kehrseite der Freiheit: Einsamkeit im Alter
Auf lange Sicht könnte das Single-Leben also nach hinten losgehen. „Die neuen Freiheiten haben ihren Preis", sagt Perrig-Chiello. Single und alleinlebend zu sein, biete zwar Freiheit in der Lebensgestaltung, sei aber zugleich mit dem Risiko von Einsamkeit verbunden, vor allem bei Krankheit oder im höheren Alter. „Da kann es schon zu einem Bedauern kommen, keinen Partner oder keine Partnerin zu haben."
Das beobachtet auch Walter Lutz. Gerade wenn durch die Verrentung alle beruflichen Kontakte wegbrechen, wenn liebe Menschen um einen herum sterben oder auch körperliche Herausforderungen einen Umzug nötig machen, werde dies als belastend erlebt.
Gemeinschaft frühzeitig leben – nicht erst im Alter
Sollte man also schon in jüngeren Jahren aktiv werden und sich unabhängig von einer Partnerschaft einen Freundeskreis aufbauen? Auf jeden Fall, meint Lutz. „Wenn Sie über 60 sind und 40 Jahre alleine vor sich hingelebt haben, dann wird es immer schwerer, sich mit anderen zusammenzutun." Das Netzwerk Alleinlebender, dem sich rund 2.000 Menschen aus ganz Deutschland zugehörig fühlen, möchte dafür sensibilisieren, sich „rechtzeitig auf den Weg" zu machen: „Man sollte nicht warten, bis man 70 ist."
Neue Formen von Gemeinschaft
und Wahlverwandtschaft
Lutz gibt zu bedenken: Partnerschaft bedeute nicht nur Ehe. Deshalb möchte das Netzwerk auch Lust machen auf gemeinsames Wohnen, auf Lebensgemeinschaft in einem Haus oder Stadtteil und auf ehrenamtliches Engagement. Echte Gemeinschaft mit wenigen Menschen sei sehr viel erfüllender als hunderte Social-Media-Kontakte.
Auch die Schweizer Therapeutin beobachtet, dass solche Wahlverwandtschaften zunehmend wichtiger werden. „Freunde treten an die Stelle von Verwandten" - was sich auch im Bestreben zeige, Nichtverwandte juristisch als Angehörige anzuerkennen. „Ein solider Freundeskreis kann durchaus tragfähig sein", sagt Perrig-Chiello. Dieser müsse aber gepflegt werden, sei keine Garantie für Hilfe und Unterstützung – „und er kann auch keine Liebesbeziehung ersetzen".



