Was gute Führung ausmacht
Der Philosoph Johannes Wallacher über Trump, Tugenden, KI und die Frage, was gute Führung heute braucht.
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Donald Trump als Vorbild für gute Führung? Für Professor Johannes Wallacher ist die Sache komplizierter. Im Gespräch macht der Präsident der Hochschule für Philosophie München deutlich: Führung darf weder autoritär noch beliebig sein. Gerade in Zeiten von Unsicherheit, Transformation und gesellschaftlicher Polarisierung brauche es Menschen, die Orientierung geben – ohne andere zu überfahren.
„Das Thema Führung ist kein Wohlfühlthema“, sagt Wallacher. Wer Verantwortung trägt, müsse nicht nur Entscheidungen treffen, sondern sie auch begründen, Menschen mitnehmen und sich selbst kritisch hinterfragen. Gute Führung beginne nicht bei Methoden oder Managementmodellen, sondern bei der Persönlichkeit der Führungskraft.
Gute Führung beginnt bei der Führungskraft
Bevor es um Teams, Strategien und Ziele geht, müsse eine Führungskraft zunächst sich selbst führen können. Wallacher spricht von der Fähigkeit, mit Emotionen, Unsicherheit und Druck umzugehen. Nur wer die eigenen Reaktionen reflektiert und nicht von ihnen beherrscht wird, könne andere glaubwürdig hinter einem gemeinsamen Ziel versammeln.
Dabei stellt sich für ihn auch die Frage, worauf Führung überhaupt ausgerichtet ist. Wirtschaftlicher Erfolg sei notwendig, aber kein Selbstzweck. Unternehmen brauchten Ziele, die darüber hinausgehen. Arbeit sei schließlich nicht bloß Mittel zum Geldverdienen, sondern ein wesentlicher Teil des Lebens. Sie könne Sinn stiften, Entwicklung ermöglichen und zum gelingenden Leben beitragen.
Orientierung findet Wallacher ausgerechnet in einem Konzept, das auf den ersten Blick altmodisch klingt: den klassischen Kardinaltugenden. Klugheit, Gerechtigkeit, Mut und Maß seien keineswegs verstaubte Begriffe, sondern hochaktuelle Fähigkeiten für Führungskräfte.
Mut bedeute etwa, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen. Klugheit helfe dabei, die richtigen Mittel und Wege zu wählen. Gerechtigkeit frage danach, wie Entscheidungen unterschiedliche Menschen betreffen. Und Maß bedeute, Extreme zu vermeiden.
Gerade darin sieht Wallacher eine Antwort auf eine zunehmend polarisierte Gesellschaft. Führung dürfe nicht aus Wut, Angst oder Überreaktion entstehen. Sie brauche Besonnenheit und die Fähigkeit, in komplexen Situationen eine angemessene Mitte zu finden.
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KI verändert Führung – nicht Verantwortung
Besonders deutlich wird dieser Anspruch beim Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Führungskräfte müssten verstehen, was KI leisten kann und wo ihre Grenzen liegen. Digitale Kompetenz sei heute unverzichtbar.
KI könne Arbeitsprozesse erleichtern, Informationen verarbeiten und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von bestimmten Aufgaben entlasten. Doch für Wallacher bleibt eine Grenze entscheidend: „Sie kann keine Urteile fällen, sie kann keine Verantwortung übernehmen.“
Deshalb werde menschliche Urteilskraft sogar wichtiger. Führungskräfte müssten Ergebnisse von KI-Systemen kritisch prüfen, die richtigen Fragen stellen und einschätzen können, wo Fehler, Verzerrungen oder unplausible Aussagen entstehen. Auch Transparenz über den Einsatz solcher Systeme spiele eine zentrale Rolle.
Prof. Johannes Wallacher. Foto: © AdobeStock/pictworks
Auch in wirtschaftlich schwierigen Situationen zeigt sich für Wallacher, was gute Führung ausmacht. Wenn Veränderungen notwendig werden, dürfe man den Mitarbeitenden nichts vormachen. Transparenz sei eine zentrale Führungseigenschaft. Wer offenlegt, wie ernst eine Lage ist, und Beschäftigte in Veränderungsprozesse einbindet, schafft eher Verständnis für schwierige Entscheidungen.
Ein Patentrezept für gute Führung gibt es für Wallacher nicht. Aber einen klaren Maßstab: Führung braucht Haltung. Sie braucht Mut, Klugheit, Gerechtigkeit und die Bereitschaft, Verantwortung tatsächlich zu übernehmen. Genau darin unterscheidet sich gute Führung von bloßer Machtausübung.



