Welttag der Freundlichkeit: Wie kleine Gesten die Welt ein Stück besser machen
Wie wir Freundlichkeit trainieren können und warum sie bereits bei Kindern gefördert werden sollte.
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Die Welt wird zunehmend als dunkler Ort wahrgenommen. Spaltung, Konflikte, Kriege und Gewalt prägen das Bild. Wie lässt sich das ändern und eine bessere Welt - zumindest im Kleinen - schaffen? Eine Antwort lautet: mit Freundlichkeit. Tatsächlich gibt es sogar einen Welttag der Freundlichkeit (World Kindness Day), der jedes Jahr am 13. November stattfindet.
Der Aktionstag wurde 1998 von der internationalen World Kindness Movement ins Leben gerufen, um das Bewusstsein für freundliches Handeln weltweit zu stärken. Die Bewegung hat ihre Wurzeln in Japan und setzt sich dafür ein, Empathie und Mitgefühl als zentrale gesellschaftliche Werte zu etablieren.
Negativität überwinden: Freundlichkeit
verändert unsere Wahrnehmung
Es ist wissenschaftlich gut belegt, dass negative Erlebnisse und Nachrichten häufig stärker im Gedächtnis haften bleiben als positive. In der Beziehungs- und Arbeitsforschung wird davon ausgegangen, dass es etwa drei bis fünf positive Erlebnisse oder Rückmeldungen braucht, um die Wirkung einer negativen aufzuwiegen. Doch diesen sogenannten Negativity Bias (Negativitätseffekt) kann man durchbrechen - auch dabei kann Freundlichkeit helfen.
Denn Freundlichkeit ist keine unveränderliche Charaktereigenschaft. Sie lässt sich vielmehr wie ein Muskel trainieren. Wer regelmäßig Gutes tut und anderen freundlich begegnet, kann entsprechende Verhaltensmuster stärken. In der Hirnforschung wird die Fähigkeit des Gehirns, sich durch Erfahrungen und Übung zu verändern, als Neuroplastizität bezeichnet.
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Freundlichkeit wie einen Muskel trainieren
Wie lässt sich dieser Muskel im Alltag trainieren? Aus der Forschung lässt sich die Drei-Gesten-Regel mitnehmen: Man nimmt sich vor, jeden Tag drei kleine freundliche Handlungen zu vollbringen. Gelegenheiten gibt es genug: im Supermarkt freundlich zur Kassiererin sein, jemandem unaufgefordert helfen oder dem Gegenüber einfach ein Lächeln schenken.
Davon profitieren nicht nur die anderen. Freundliches Verhalten kann auch das eigene Wohlbefinden stärken. Zudem entsteht mitunter ein Welleneffekt: Wer freundlich behandelt wird, gibt die positive Erfahrung eher an andere weiter.
Hilfreich kann auch ein Perspektivwechsel sein - ebenfalls ein Ergebnis der Forschungen. Wer sich darüber ärgert, dass jemand unfreundlich oder aggressiv reagiert hat, kann sich fragen: Was könnte dahinterstecken? Vielleicht hat der andere gerade selbst einen schwierigen Tag.
Ebenso kann es helfen, am Abend bewusst darüber nachzudenken, was an diesem Tag gut gelaufen ist oder wer einem besonders freundlich begegnet ist. So richtet sich der Blick stärker auf die positiven Erfahrungen.
Solche kleinen Übungen können den Alltag angenehmer machen. Doch Freundlichkeit lässt sich auch nachhaltiger fördern - und damit sollte möglichst früh begonnen werden. Die Leipziger Entwicklungspsychologin Tina Malti beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage, wie sich Freundlichkeit entwickelt. In einem Fachaufsatz betont sie, wie wichtig es ist, bereits bei Kindern die Voraussetzungen dafür zu stärken.
Kinder lernen Freundlichkeit durch Beziehungen
Entscheidend für die Entwicklung von Freundlichkeit sind nach Malti fürsorgliche Beziehungen. Kinder brauchen nach ihren Erkenntnissen ein Umfeld, in dem sie selbst Aufmerksamkeit, Unterstützung und Respekt erfahren. So könnten sie lernen, auch die Bedürfnisse anderer wahrzunehmen und ihnen mit Verständnis zu begegnen.
Eltern und andere Bezugspersonen haben demnach eine Vorbildfunktion: Sie können Fürsorge vorleben und Kindern zeigen, wie ein respektvoller Umgang miteinander aussieht.
Neben der Familie sieht Malti vor allem Schulen als wichtige Orte, an denen Freundlichkeit gefördert werden kann. Sie sollten nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch eine Kultur der Fürsorge und des respektvollen Miteinanders stärken.
Freundlichkeit zeigt sich dabei nicht nur in Hilfsbereitschaft und Rücksichtnahme. Sie kann auch bedeuten, Mut zu zeigen und sich für andere einzusetzen, wenn diese ungerecht behandelt oder ausgegrenzt werden. Wer etwa einem gemobbten Mitschüler beisteht, handelt nach Malti ebenfalls freundlich - und tritt damit für Fairness und Gerechtigkeit ein.
Selbstmitgefühl: Warum Freundlichkeit
auch bei uns selbst beginnt
Die Psychologin Tina Malti betont zugleich, dass Freundlichkeit nicht bedeuten darf, die eigenen Bedürfnisse aus dem Blick zu verlieren. Auch Kinder müssen lernen, mit sich selbst mitfühlend umzugehen und gesunde Grenzen zu setzen. Selbstmitgefühl gehört für Malti ebenso zur Entwicklung von Freundlichkeit wie die Fähigkeit, die Gefühle und Bedürfnisse anderer wahrzunehmen.
Für die Leipziger Wissenschaftlerin ist Freundlichkeit ein wichtiger Schlüssel zu einem besseren Zusammenleben. Sie könne dazu beitragen, „dass Menschen ihr Potenzial entfalten, friedlich zusammenleben und Gesellschaften sich positiv entwickeln“.



