Mission Pflaumenbaum

Roman. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2020 (Longlist)
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Buchprofile - Rezension
Der Wochenendbesuch bei seiner Tochter wird für einen alternden Bibliothekar zu einer Art Lebensrückblick.
Um seine Tochter zu besuchen, fährt der etwa 60-jährige Bibliothekar Kramer mit dem Bus für ein Wochenende aufs Land. Noch bevor er das Haus seiner Tochter Tine und ihres Mannes Hans-Günther erreicht hat, spricht ihn ein alter Mann an, der sich als Paul Rottmann vorstellt und ganz erpicht darauf ist, Kramer alles von der Geschichte des Dorfes zu erzählen, was Kramer eigentlich nicht interessiert. Wann immer Kramer das Haus seiner Tochter verlässt, taucht Rottmann jedoch wieder auf und erzählt weiter aus seinen Erinnerungen. Kramer ist davon einerseits genervt, andererseits aber auch zunehmend angezogen, denn in der Geschichte der einst so prägenden, inzwischen aber aufgegebenen und abgerissenen Weberei, in der Rottmann sein Leben lang gearbeitet hatte, spiegelt sich praktisch die gesamte (ost-)deutsche Geschichte vom Zweiten Weltkrieg über die DDR und die Nachwendezeit bis zur aktuellen Situation. Außerdem sind die Streifzüge durch das Dorf für Kramer eine willkommene Unterbrechung der immer etwas angespannten Gespräche mit Tine, die sich zum einen über den Besuch des Vaters freut, dem sie aber zum anderen nach wie vor vorwirft, dass es zur Trennung zwischen ihm und ihrer Mutter gekommen ist, was Kramer dazu bringt, ziemlich ernüchtert auf sein Leben zurückzublicken; zugleich sieht er auch die Frustration seiner Tochter über ihr momentanes Leben. Als Kramer abreist, scheinen alle irgendwie erleichtert, in ihre Alltagsroutine zurückkehren und dort ihre Unzufriedenheiten verdrängen zu können, aber auch ein wenig erwartungsvoll, was seinen nächsten Besuch betrifft, weil der Blick auf die Zukunft immer auch irgendeine Hoffnung vermittelt. - Eine ruhig und klar erzählte Geschichte, die in sehr gelungener Weise das Schicksal des Einzelnen mit dem Lauf der Geschichte verquickt, und große Lebensfragen wie politische Ratlosigkeiten unaufgeregt und absolut lebensnah zur Sprache bringt. In jedem Fall sehr lesenswert.
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Artikelbeschreibung

Ein Dorf, irgendwo im ehemaligen Osten, dreißig Jahre nach der Wende. Kramer, ein Bibliothekar Mitte fünfzig, ist soeben angekommen, um seine Tochter Justine zu besuchen. Seit Jahren ist das Verhältnis zwischen ihnen nicht das beste. Mit ihrem Mann hat Justine ein altes Haus gekauft, einen wunderschönen Obstgarten inklusive, wäre da nicht der abgestorbene Pflaumenbaum.Auf dem Weg zum Haus, dort, wo einmal die Bandweberei gestanden hat, lässt sich Kramer von einem alten Kauz, Rottmann, in ein Gespräch verwickeln, das ihn sogleich tief in die Dorfgeschichte hineinzieht. Rottmann klagt über alles und jeden, auch bei ihren weiteren Begegnungen, nicht selten mit Argumenten, die Kramer von den Pegida Demonstrationen zu kennen glaubt. Dennoch beginnt er sich für das Leben des Alten und das Dorf zu interessieren. Beim Zuhören merkt er, wie wenig er von seiner Tochter und sie von ihm weiß. Durch Rottmann angeregt, fängt auch er an zu erzählen ..."Mission Pflaumenbaum" ist Jens Wonnebergers bisher politischstes Buch. Es wäre freilich nicht Wonneberger, wenn die Worte nicht kostbar gewebt und von großer Poesie wären. Eine Dorfgeschichte der subtilsten Art!

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Personeninformation

Wonneberger, JensJens Wonneberger, geboren 1960, lebt in Dresden. Er studierte zunächst Bauingenieurwesen und arbeitete anschließend als Reinigungskraft und Verkäufer.Seit 1992 ist er freiberuflicher Autor und Redakteur. Diverse Stipendien, 2010 Sächsischer Literaturpreis, 2017 Werkstipendium des Deutschen Literaturfonds, 2019Londonstipendium des Deutschen Literaturfonds. Zahlreiche Romane, Erzählungen und Sachbücher. Zuletzt erschienen im Müry Salzmann Verlag "Goetheallee" (2014), "Himmelreich" (2015) und "Sprich oder stirb" (2017).
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