Lebenslinien

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Buchprofile - Rezension
Dreißig Männer und Frauen erzählen, was für sie Heimat bedeutet.
Die Erfahrung von Abschied und Ankunft, von Fremde und Vertrautheit, von Verlust und Neubeginn haben all die Menschen gemeinsam, deren biografischen Porträts sich diese Graphic Novel widmet. Manche hatten kosmopolitische Eltern, manche mussten aus ihrer Heimat fliehen und konnten nirgendwo mehr Fuß fassen, bei anderen wiederum halten sich der Zwang der äußeren Umstände und forcierte Lebensplanung die Waage. Auch deshalb fallen die Definitionen der Porträtierten von "Heimat" so unterschiedlich aus: für viele ist Heimat die Nähe der Familie und der Freunde; die Dolmetscherin fühlt sich in jeder Sprache zu Hause; die Zen-Nonne ist in sich beheimatet. Ein Lehrer, dessen Kindheit von Fluchterfahrung geprägt war, lehnt den Heimat-Begriff ab; eine Frau mit ähnlichem Schicksal bietet Migranten ihre Hilfe als neue Heimat an. Diese kurzen Einblicke, die die je drei Seiten starken Biografien erlauben, können zwar keine Hintergründe beleuchten, aber die Irrungen und Wirrungen der Lebenslinien nachzeichnen. Dies geschieht im sensiblen und höchst pointierten Zeichenstil, den man an der Autorin schätzt. Ursprünglich waren die einzelnen Porträts im "Tagesspiegel" abgedruckt. Sie jetzt komprimiert in einem Buch zu bündeln, führt stärker noch vor Augen, wie disparat sich die Gefühle von Heimat und Fremde in einen Lebenslauf einprägen, sei es in immerwährendem Heimweh, sei es in der Akzeptanz des Schicksals. Eine Heimat für andere zu sein und in anderen zu finden, ist dabei das verbindende Motiv.
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Artikelbeschreibung

In ihrer Serie Lebenslinien, die im Berliner Tagesspiegel erschienen ist, spürt die preisgekrönte Autorin ganz unterschiedlichen Schicksalen und Lebenswegen nach. Aus flüchtigen Begegnungen sind so persönliche und ehrliche Geschichten entstanden, die dem Leser Einblick in die Biografien von Menschen geben, die auch genauso gut die
eigenen Nachbarn sein könnten.

Jeder könnte (s)eine "Lebenslinie" erzählen!

Im Großen geht es dabei um Identitätsfragen zwischen den Kulturen. Oft genug sind es gebrochene Biografien, in denen die großen und kleinen Ereignisse der Geschichte eingreifen. Und im Kleinen vielleicht auch nur darum, den Mitmenschen zuzuhören und seine Geschichte zu teilen.

Birgit Weyhe bringt mit ihrem unverwechselbaren Stil ein Plädoyer für einen offenen Umgang miteinander zu Papier, für eine Gesellschaft, die sich für ihre Mitmenschen interessiert.

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