Über vier Leben

Roman. »Ein beeindruckendes Debüt. Tröstlich und schön.« - Leipziger Volkszeitung
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Buchprofile - Rezension
Roman über die Frauen aus vier Generationen einer Familie, deren Leben jeweils auf die nächste Generation weiterwirkt.
Mirabell, 25, verbringt ihr Leben nach ihrem Studienabschluss in Leipzig allein zwischen Angst und Depressionen, ohne Anschluss zu finden, und kann „nicht mehr die Pandemie dafür verantwortlich machen“. Seit einem Jahr macht sie eine wenig erfolgreiche Therapie, bis sie beginnt, ihrer lückenhaften Familiengeschichte nachzuspüren. Anhand von wenigen Fakten (amtliche Dokumente, Geburts-, Heirats- und Sterbeanzeigen, Adressen), Fotos und Erzählungen füllt sie die Lücken zu fiktiven Lebensläufen der verstorbenen Urgroßmutter Hannchen und Großmutter Lisa sowie ihrer Mutter Sabine, weil man mit einer Fiktion, „in der Dinge einen Sinn ergeben, womöglich besser zurechtkommen kann, als mit einer Realität, in der sie manchmal unklar bleiben und offen“. Ein klischeehaft erträumtes glückliches Leben mit Mann und Kindern findet keine der Frauen; das harmlose Hannchen brutal vergewaltigt, schwanger von der Familie verstoßen und ihres Kindes beraubt, „ging dann in den Osten“. Ihre Tochter Lisa, von der verhärteten Tante Erna an Kindes statt angenommen, erfährt erst mit ihrer Volljährigkeit, dass sie adoptiert ist, zeitlebens bemüht, ihrem liebevollen Mann eine gute Ehefrau und Mutter zu sein, wird von Depressionen heimgesucht und endet durch Suizid. Das Kind Sabine, gerade drei Jahre jung, lernt, sich zurückzunehmen, den Vater nicht in seiner Trauer zu stören, wie später auch den egomanen Ehemann nicht zu stören und geht dabei unter... Wieviel Eigenes Mirabell in die Frauen hineininterpretiert, bleibt offen, für sie selbst hat sich damit ein neuer Anfang eröffnet. – Faszinierend, wie die Autorin akribisch Situationen und Gefühle der Protagonistinnen beschreibt und detaillierte Ausschnitte aus deren Lebenswelten in der jeweiligen Zeit,1930,1968,1994,2023, zwischen denen sie im gesamten Buch immer wieder hin- und herspringt. Für selbst zu Depressionen neigende Leserinnen ist möglicherweise eine Triggerwarnung sinnvoll.
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Artikelbeschreibung

»Ein feinfühliger Roman über vier Frauen und die Frage, was uns prägt« WOMAN»Etwas ist falsch. Bloß habe ich keine Ahnung, was.«Auf der Suche nach dem Ursprung ihres diffusen Gefühls, nirgends dazuzugehören, blickt Mirabell in ihre Familiengeschichte. Doch statt Antworten findet sie nur ein Geflecht aus Leerstellen und Halbwahrheiten, weitergegeben wie in einem endlosen Stille-Post-Spiel: Eine Urgroßmutter, die verschwand. Eine Großmutter, die nicht mehr leben wollte. Eine Mutter, die schweigt. Wie nähert man sich einer so lückenhaften Vergangenheit an? Je mehr Brüche Mirabell aufspürt, umso deutlicher ahnt sie, dass das Ungesagte bis heute fortwirkt - und dass sie ihre eigene Geschichte selbst schreiben muss.Ein kluger, lange nachhallender Roman über vier Frauen, deren Leben über Jahrzehnte miteinander verwoben sind - und über die Frage, ob wir Wahrheit wirklich erinnern oder vielleicht erfinden müssen, um leben zu können.

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Personeninformation

Pauline Hatscher, geboren 1998, studierte Kulturwissenschaften und Bildungswissenschaft in Lüneburg und Leipzig und promoviert dort in der qualitativen Sozialforschung. 2022 war sie Finalistin beim 30. Open Mike - Wettbewerb für junge Literatur. Zuletzt erschien ihr Text MARIECHEN in der Literaturzeitschrift Krachkultur. ÜBER VIER LEBEN ist ihr Romandebüt.

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