I Love Dick

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Buchprofile - Rezension
Eine Künstlerin sucht in den USA der 1990er Jahre Anerkennung.
Die "experimentelle Filmemacherin" Chris, verheiratet mit dem fast 20 Jahre älteren Wissenschaftler und Poststrukturalisten SylvOre, verliebt sich in einen Kollegen ihres Mannes, den Literaturwissenschaftler Dick, und schreibt ihm Briefe, in denen sie von ihrer Liebe schreibt sowie über Kunst und über die Probleme von Frauen, sich in der Kunst zu behaupten. Diese Briefe erklärt sie zur Kunst. SylvOre bedankt sich sogar bei Dick für "seine wiedergefundene Sexualität". Dick selbst taucht erst in der zweiten Hälfte nach einem kurzen Treffen auf; er fühlt sich gestalkt. Der autobiografische Briefroman, der auch eine Art Tagebuch ist, wechselt zwischen emotionalen Ergüssen über Liebe und Erfolglosigkeit als Künstlerin, Anklagen gegen die Männer und theoretischen Abhandlungen über die Postmoderne und Performance-Kunst. Chris' obsessive Versuche, sich zu verwirklichen und Anerkennung zu erlangen, misslingen. Sie fühlt sich als ein Niemand, als Anhängsel von Männern. - Kraus' Buch erschien vor 20 Jahren, hat aber erst jetzt Erfolg und wird als feministisches Manifest hochgelobt. Doch dürfte die obsessive und humorlose Pseudo-Intellektualität einen großen Teil der Leser/innen eher nerven. Die Probleme der Künstlerin und der feministische Diskurs der neunziger Jahre sind passé. Der Kritik des "Guardian", es sei das wichtigste Buch des 20. Jahrhunderts über Männer und Frauen, kann die Rezensentin nicht zustimmen. Für an feministischen Thesen Interessierte könnte es dennoch interessant sein. Außerdem startet im Mai eine Amazon-Serie zu diesem Buch. (Übers.: Kevin Vennemann)
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Artikelbeschreibung

'Besseres kriegt man zurzeit nicht zu lesen.' Hannah Pilarczyk, Spiegel Online
Chris Kraus, eine gescheiterte Künstlerin, die unaufhaltsam auf die 40 zugeht, lernt durch ihren Ehemann den akademischen Cowboy Dick kennen. Dick wird zu ihrer Obsession. Völlig überwältigt von ihren Gefühlen schreibt sie zunächst eine Erzählung über ihr erstes Treffen, dann verfasst sie Briefe, die sie nicht abschickt, und auch Sylvère, ihr Mann, wird Teil dieses Konzept-Dreiers. Mal schreiben beide Dick gemeinsam, mal einzeln, doch während Sylvère irgendwann sein Interesse wieder verliert, verstrickt sich Chris immer mehr in die Abgründe ihrer eigenen Begierde. Chris Kraus hebt in ihrem mittlerweile in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzten und als Amazon-Serie verfilmten Roman die Grenzen zwischen Fiktion, Essay und Tagebuch auf und schuf damit gegen Ende des 20. Jahrhunderts ein völlig neues Genre. Was die Autorin selbst als 'Bekenntnis- Literatur' und 'Phänomenologie der einsamen Mädchen' bezeichnet, ist weit mehr als das: Es ist der letzte große feministische Roman des 20. und der erste große Liebesroman des 21. Jahrhunderts.

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