Ein russischer Roman

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Buchprofile - Rezension
Liebesleidgeschichten: Emmanuel CarrOres "Russischer Roman" über ein fatales Familiengeheimnis.
Der 1957 geborene Schriftsteller und Regisseur Emmanuel CarrOre gilt als mitreißender Erzähler, der sich ohne falsche Scham und als kaltblütiger Zeuge an die eigenen Glaubens- und Leidenskrisen macht, zuletzt in "Das Reich Gottes" (BP/mp 16/383). "Ein russischer Roman" (im französischen Original schon 2008 erschienen) führt auf die Spuren einer tabuisierten Familiengeschichte, einer Erinnerungsgruft: Sein georgischer Großvater war ab 1944 im Krieg verschollen und wurde wahrscheinlich als Kollaborateur hingerichtet. In einem russischen Provinzort besinnt sich der Ich-Erzähler aber auch auf eigene Lebensspuren und hat mit drei starken Frauen zu kämpfen: seiner Mutter, seiner Geliebten und einer russischen Dolmetscherin. Diese Geschichten erzeugen einen Strudel, in dem der Erzähler manchmal mühsam seinen Kopf über Wasser halten muss. Man nimmt ihm den Versuch einer "Psychoanalyse unter freiem Himmel" ab, doch die dunklen Flecken in der Emigrationsgeschichte der Familie bleiben. Ein packender Roman, vorzüglich übersetzt von Claudia Hamm.(Übers.: Claudia Hamm)
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Artikelbeschreibung

'Mein Leben war verfolgt von Wahnsinn und Horror. Die Bücher, die ich geschrieben hatte, sprachen von nichts anderem. Nach Der Widersacher konnte ich nicht mehr. Ich wollte diesem Zwang entkommen. Und ich dachte, ihm durch die Liebe zu einer Frau und durch Nachforschungen über meine Familie entkommen zu können. Die Nachforschungen drehten sich um meinen Großvater mütterlicherseits, der nach einem tragischen Leben 1944 verschwand und sehr wahrscheinlich als Kollaborateur erschossen wurde. Seine Geschichte ist das Geheimnis meiner Mutter, das Gespenst, das in unserer Familie spukt. Um dieses Gespenst zu bannen, ging ich riskante Wege. Sie führten mich in ein verlorenes russisches Provinzstädtchen, und ich blieb lange dort, auf der Lauer, dass irgendetwas geschehe. Und es geschah etwas: ein grausames Verbrechen. Wahnsinn und Horror holten mich wieder ein. Sie holten mich auch in meinem Privatleben ein. Ich hatte für die Frau, die ich liebte, eine erotische Geschichte geschrieben, die in die Wirklichkeit eingreifen sollte, doch die Wirklichkeit entzog sich meinen Plänen. Sie stürzte uns vielmehr in einen Albtraum, der den grausamsten in meinen Büchern glich und der unser Leben und unsere Liebe zerstörte. Denn darum dreht sich dieses Buch: um die Drehbücher, die wir ausarbeiten, um die Wirklichkeit zu zähmen, und um die fürchterliche Weise, mit der sich die Wirklichkeit dieser bemächtigt, um darauf zu antworten.'

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Pressestimmen

»[...] [E]in ungewöhnliches, provokantes und schmerzhaftes Buch über Erinnerung, Liebe und Begehren - und über die Kraft von Sprache, die in der Lage ist, Verlust und Scheitern zu überwinden.« - Jutta Sommerbauer, Die Presse Jutta Sommerbauer Die Presse 20170716
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