Rosenstengel

Ein Manuskript aus dem Umfeld Ludwigs II.
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Bayern im Buch-Rezension
Virtueller Briefroman, der die Geschichte der transsexuellen Catharina Linck (1687-1721) und König Ludwigs II. von Bayern (1845-1886) kunstvoll verbindet.
Viel, beinahe allzu viel - und in uns Heutigen kaum mehr geläufigem Deutsch - ist in diesem virtuellen Briefroman der Kölner Literaturwissenschaftlerin, die dafür den Bayerischen Buchpreis 2015 davontrug, zu lernen: über das traurige Schicksal des vor Homoerotik glühenden Märchenkönigs Ludwig II., über eine gut anderthalb Jahrhunderte früher im erz-pietistischen Sachsen aufgetauchte Transsexuelle, die sich, wo es ging, in Männerkleidern zeigte und sogar verehelichte, Anastasius Rosenstengel genannt haben soll und dazu über einen historisch unverbürgten Leibarzt des Ludwig-Bruders Otto namens Franz Carl Müller. Für den engelhaft schönen Wagner-Gegner schwärmt bei Steidele der bauwütige Ludwig vergeblich. Die beiden letzten Lebensjahre erstehen (ohne die Todesumstände zu klären) vor den Augen des einigermaßen geplagten Lesers in Form glühender Brief-Verbalismen. Zwei Lebens-Schicksale aus zwei Jahrhunderten werden, kunstvoll auf der Folie zweifelsfrei hoher historischer Gelehrsamkeit verbunden und durch ihre "conträren" Sexualdispositionen verknüpft. Der zweifarbige Druck lässt den Leser beide tragischen "Geschichten" mühelos unterscheiden. In die von Ludwig darf Cousine "Sisi" mit ihrer witzig-temperamentvoll-poesieehrgeizigen und unverblümten Art erfrischend eingreifen. Weder Irrenärzte (insonderheit Dr. von Gudden) noch Regierende, Kirchenvertreter oder Pietisten rund um August Hermann Francke kommen bei Steidele gut weg. - Für Leser mit langem Atem und Sinn für verschlüsselte historische (Halb-)Wahrheiten ein Vergnügen.
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Artikelbeschreibung

Als der bayerische Märchenkönig Ludwig II. durch den Arzt Franz Carl Müller zufällig von dem delikaten Fall des Anastasius Rosenstengel erfährt, lässt ihn dessen eigentümliches Schicksal nicht mehr los. Er drängt den Mediziner, ihn in seine Recherchen einzuweihen, die Unglaubliches zutage fördern: Rosenstengel zog als Prophet umher, kämpfte als Musketier im Spanischen Erbfolgekrieg und heiratete mit kirchlichem Segen, um schließlich der Maskerade überführt zu werden - einer Maskerade, die alle Grenzen überschreitet. Denn Rosenstengel war in Wahrheit ein Weibsbild mit Namen Catharina Linck. Nachdem man auch noch eine 'lederne Wurst' in ihrer Hose entdeckte, mit der sie die Ehe vollzogen und 'unterschiedliche Wittwen caressiret' hatte, führte man sie 1721 dem Henker vor. Jedes Detail, das sich der faszinierte Monarch während nächtlicher Schlittenfahrten, in der Venusgrotte von Schloss Linderhof oder im tropischen Wintergarten der Münchner Residenz berichten lässt, bringt den jungen Arzt und den einsamen König einander näher, bald geraten beide in einen Strudel tiefer Verwirrung: Wo verläuft die Grenze zwischen wissenschaftlicher Leidenschaft und verbotenem Begehren, Täuschung und Wahrheit, Perversion und Normalität, Mann und Weib, König und Untertan?Die emotionale Verunsicherung steigert sich im Angesicht höfischer Intrigen zur ernsthaften Gefahr, und Müller steht vor der Entscheidung, den König entmündigen zu lassen - oder ihn vor den Verschwörern zu retten.Mal zärtlich, mal deftig entwirft Angela Steidele einen atemberaubenden historischen Briefroman über Trug, Wahn, Leidenschaft und Irrsinn. Und über die Frage, wie viel Liebe das Leben und wie viele Leben die Liebe fassen kann.

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Pressestimmen

"Zwei Lebens-Schicksale aus zwei Jahrhunderten werden, kunstvoll auf der Folie zweifelsfrei hoher historischer Gelehrsamkeit verbunden und durch ihre 'conträren' Sexualdispositionen verknüpft. Der zweifarbige Druck lässt den Leser beide tragischen 'Geschichten' mühelos unterscheiden. Weder Irrenärzte (insbesonderheit Dr. von Gudden) noch Regierende, Kirchenvertreter oder Pietisten rund um August Hermann Francke kommen bei Steidele gut weg. - Für Leser mit langem Atem und Sinn für verschlüsselte historische (Halb-)Wahrheiten ein Vergnügen.« - Hans Gärtner, Bayern im Buch, Mai 2016 Hans Gärtner Bayern im Buch 20160501
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