Für Dancing Boy

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Buchprofile - Rezension
Dystopie einer Ökodiktatur in der eine Leihmutter Kontakt zu ihrem (vermeintlichen?) Sohn sucht.
Wir befinden uns im Jahr 2050+. Norwegen wird von einer totalitären, links-grünen Partei regiert, die sich massiv in das Privatleben der Bürger einmischt. Lizzy und ihr Mann Boje betreiben das „Pure Pleasure“, eine „Orgasmerie“, in der Menschen per Virtual Reality ihre sexuellen Träume ausleben können. Durch die Arbeit werden sie und ihre Tochter zu Außenseitern. Als Lizzy bei einem ihrer Kunden ein Muttermal entdeckt, das ihr Sohn trug, den sie als Leihmutter ausgetragen hat, bricht sie mit den Regeln, Kunden nicht außerhalb der Orgasmerie zu treffen. Eine Dystopie, die irgendwie so nebenher läuft (gewollt oder nachlässig geschrieben?), eine Handlung, in der geredet und geredet und geredet wird, Protagonisten, die ziemlich flach bleiben – interessant an dem Buch ist der unverkrampft-selbstverständliche Umgang mit der Sexualität und sexuellen Fantasien. Außerdem hat die Figur der Lizzy etwas mehr Tiefe. Trotzdem: Ein Buch, das seltsam leer ist. Dafür ist das Budget zu schade.
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Artikelbeschreibung

Wie bestimmend ist Sexualität und Biologie für unser Leben? Wie gehen wir mit Verlangen, Lust, Fehlbarkeit, Sehnsucht und Liebe um? Davon erzählt Sara Johnsen mit psychologischem Feingefühl in diesem ungewöhnlichen, spannenden, großen Roman. "Pure Pleasure" ist der Name des Instituts zur Befriedigung sexueller Wünsche, das Lizz und ihr Ehemann Boje gegründet haben, und der Name ist Programm: Mithilfe modernster Technik erleben die Kunden körperliche Sensationen, die sie bisher nicht kannten. Das Institut floriert, Lizz und Boje verdienen gut, aber auch wenn sie sich im teuersten Viertel der Stadt ein Haus kaufen, sie bleiben Außenseiter. Ihre Tochter findet keinen Anschluss, die Nachbarn wollen mit ihnen nichts zu tun haben. Lizz leidet darunter und das führt zunehmend zu Konflikten in ihrer Ehe. Eines Tages kommt ein junger Mann in das Institut, der Lizz damit konfrontiert, dass er eine persönliche Betreuung wünscht, was nach den Regeln der Ethikkommission, der das Institut untersteht, strikt verboten ist. Lizz wehrt das ab, aber als sie feststellt, dass der Mann ein Muttermal an der gleichen Stelle hat wie das Kind, das sie vor vielen Jahren als Leihmutter ausgetragen hat, ist es um ihre Professionalität geschehen. Sie wird von Erinnerungen überschwemmt und von der Sehnsucht nach diesem Sohn, die sie seitdem immer begleitet hat. Er wäre heute im gleichen Alter wie dieser junge Mann, der ihr jetzt gegenübersteht. Ist er es?

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Personeninformation

Sara Johnsen, geb. 1970 in Oslo, ist eine der bedeutenden Filmemacherinnen und Drehbuchautorinnen Skandinaviens, ihr Film Vinterkyss war 2005 Norwegens Beitrag für den Auslands-Oscar. Ihre TV-Serie »21. Juli« über die Alltagsheld:innen nach dem Terroranschlag 2011 in Norwegen wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. »Für Dancing Boy« ist nach »White Man« (2009) (deutsch: mare Verlag 2013) der lang erwartete Roman, mit dem sie zur Literatur zurückkehrt.
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