Ellen Olestjerne

Band 8
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Bayern im Buch-Rezension
Autobiografisch geprägter Roman der „Schwabinger Ikone“ der 1900er Jahrhundertwende.
Zur Kultfigur der Schwabinger Bohème in den Jahren, von denen Thomas Mann in seiner Novelle „Gladius dei“ schwärmte, wurde Fanny Gräfin zu Reventlow (1871-1918). (Über-)behütet in adeligen Verhältnissen aufgewachsen, soll ihr Theodor Storm im elterlichen Schloss seine Erzählungen vorgelesen haben, was bei ihr dann auch das Interesse für Literatur geweckt hat. Gedichte und kleine Erzählungen waren die Folge, in denen sie sich bereits als junges Mädchen gegen die bürgerlichen und aristokratischen Konventionen ihrer Zeit wandte. Und so beschreibt sie auch hier, in ihrem ersten, 1903 erschienenen Roman, ihre Kindheit im Schloss von Husum und ihre Rebellion gegen die Erziehung zur „höheren Tochter“. Von der sie prägenden modernen Literatur im freigeistigen „Ibsen-Club“ in Lübeck schwärmt sie ebenso, wie sie – mit Liebesbriefen an ihren ersten Jugendfreund und mit Tagebucheinträgen ergänzt – ihre Flucht nach München und die ersten Jahre in „Schwabylon“ mit Emphase beschreibt. Doch die Identität des Vaters ihres Sohnes, genannt„Bubi“, nimmt sie als Geheimnis mit ins Grab. Ein nur leicht verschlüsselter, autobiografisch reichlich durchsetzter Entwicklungsroman der „Schwabinger Fanny aus Husum“ sind diese Aufzeichnungen, die nicht nur einen authentischen Einblick in das Leben und Treiben im Münchner Künstlerviertel um 1900 vermitteln, sondern auch ein engagiert geschriebenes Dokument über das Lebensgefühl einer emanzipierten jungen Frau im Wilhelminischen Deutschland ist, die gegen die damals herrschenden gesellschaftlichen Normen und Zwänge mit Charme, Klugheit und der Forderung nach weiblicher Selbstbestimmung vehement ankämpft. Wo nach kritischen Romanen mit historischem Hintergrund gefragt wird, sollte dieses Taschenbuch unbedingt angeboten werden.
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Artikelbeschreibung

Franziska zu Reventlow, um die Wende zum zwanzigsten Jahrhundert strahlender Mittelpunkt der Münchner Boheme, erzählt in ihrem ersten, 1903 erschienenen Roman, nur leicht verschlüsselt, die Geschichte ihrer Kindheit im Husumer Schloss und ihrer Jugend in Lübeck bis hin zu ihren ersten Münchner Jahren und der Geburt ihres Sohnes. Einen breiten Raum nehmen die Auseinandersetzungen mit der konservativen Mutter ein und ihre Kämpfe mit der Traditionslast des alten Adelsgeschlechts, dem sie entstammt. In das Romangeschehen eingestreut sind, zum Teil fast wörtlich, Briefe an ihren Jugendfreund Emanuel Fehling und Passagen aus ihren Tagebüchern. In einzigartiger Weise gewährt diese "Romanbiografie" Einblicke in das Lebensgefühl und die Denkweise einer rebellierenden Jugend des zu Ende gehenden neunzehnten Jahrhunderts aus weiblicher Sicht.

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