Der Schlächter

Roman
24,00 €
(inkl. MwSt.)
Versandkostenfrei in DE
Sofort lieferbar
Buchprofile - Rezension
Ein Arzt stellt Anfang des 19. Jh. grausame Experimente mit Frauen an und geht in die Geschichte ein als Erfinder der Gynäkopsychiatrie.
Der schüchterne und unsichere Arzt Silas Weir ist fasziniert von der Chirurgie, insbesondere im Zusammenhang mit der Gynäkopsychiatrie, nachdem er der Direktor der Heilanstalt für weibliche Geisteskranke geworden ist. Als geisteskrank werden zu der Zeit Frauen angesehen, die sich nicht unterordnen, sondern sich “hysterisch” gebärden. Beim Versuch, Geburtszysten zu heilen, experimentiert Weir mit Insassinnen und Sklavinnen, anfangs ohne Betäubung, wobei er nur ein leises schlechtes Gewissen hat, denn die Patientinnen sind für ihn nur “Material”. Er ist überzeugt, dass seine meist grausamen Operationen mit vielen Todesopfern im Namen des Fortschritts der Wissenschaft gerechtfertigt sind. Er erfindet verschiedene Objekte, die z.T. noch heute bekannt sind, wie den “Ruhestuhl”, auf den die Patientin gefesselt und mit Bandagen vor Augen und Mund wochenlang ruhig gehalten wird, und die Zwangsjacke. Eine weitere Erfindung ist die “Hydrotherapie”, bei der die Patientin festgebunden im lauwarmen Wasser liegt – und manchmal ertrinkt. Sein liebstes Versuchsobjekt ist das Albino-Mädchen Brigit, von der er zunehmend besessen ist. Ihre Geschichte hat sie später aufgezeichnet: “Es ist wahr: Ich verdanke Silas Aloysius Weir mein Leben. Wahr ist auch: Silas Aloysius Weir war ein Schlächter, dem Mädchen & Frauen zum Opfer gefallen sind.” Bei ihr kann er seinen Erfolg in der Heilung der Fistel nachweisen. Doch am Ende gibt es einen Aufstand der Frauen, der in einem Brand und dem Tod des Arztes endet. Das Buch setzt sich zusammen aus Silas Weirs fiktiver "Chronik eines Arztlebens", den Erinnerungen der jungen Brigit, Weirs liebstem Versuchsobjekt, und den Aufzeichnungen von Weirs Sohn Jonathan. Weir ist kein abgrundtiefes Scheusal, sondern ein "unsicherer, autoritätshöriger Mensch", der die frauenverachtenden Praktiken der Zeit nicht hinterfragt. Die bedeutende Literatin Joyce Carol Oates verschmilzt im Buch den amerikanischen Arzt J. Marion Sims und den "Vater der Nervenheilkunde" Silas Weir Mitchell zu einer Figur. Oates schont die Leserschaft nicht, wenn sie auf drastische Weise Amputationen, Gestank, Gewalt und die vielfältigen Formen des psychischen Missbrauchs schildert, denen sich die Frauen in den Anstalten ausgesetzt sahen und denen Oates hier ein Denkmal setzt. – Ein herausragender historischer Roman für anspruchsvolle Leser:innen, jedoch nichts für schwache Nerven.
Weiterlesen

Artikelbeschreibung

Düster wie Bram Stoker, feministisch wie Margaret Atwood: Der neue Roman von einer der bedeutendsten amerikanischen Autorinnen der Gegenwart

Pennsylvania, Anfang des 19. Jahrhunderts. Dr. Silas Weir ist ein junger Arzt aus gutem Hause, doch ohne Charisma und Talent. Beim Anblick von Blut wird er ohnmächtig, Frauenkörper stoßen ihn ab. Um seinen strengen Vater zu beeindrucken, versucht er, auf unorthodoxe Weise als Chirurg voranzukommen, was ihn gesellschaftlich isoliert. Dann wird er durch eine Aneinanderreihung von Zufällen Direktor der Staatlichen Heilanstalt für weibliche Geisteskranke in New Jersey. Hier beginnt Weir, vorgeblich im Dienste des medizinischen Fortschritts, Experimente an den meist schwarzen und irischen Insassinnen durchzuführen. Bald gilt er als führender, wenn auch berüchtigter Experte für Gynäkologie und Psychiatrie. Bis eine junge Dienstmagd zu seiner Obsession, seinem wichtigsten Versuchsobjekt und schließlich zu seinem Verhängnis wird.

»Oates' Anklage gegen die physische und psychische Behandlung von Frauen durch das medizinische Establishment ist eine fesselnde, anspruchsvolle Lektüre.« Publishers Weekly

Produktsicherheit

Hersteller: Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH
Anschrift: Neumarkter Straße 28
DE-81673 München
Kontakt: produktsicherheit@penguinrandomhouse.de

Personeninformation

Joyce Carol Oates wurde 1938 in Lockport, New York geboren. Sie zählt zu den bedeutendsten und vielseitigsten amerikanischen Autorinnen der Gegenwart. Für ihre mehr als 60 Romane und über 300 Erzählungen wurde sie vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem National Book Award. Joyce Carol Oates lebt in Princeton, New Jersey, wo sie Kreatives Schreiben unterrichtet. Sie war mehrfach für den Pulitzer-Preis nominiert und gilt seit Jahren als Anwärterin auf den Nobelpreis für Literatur. Silvia Morawetz, geboren 1954 in Gera, studierte Anglistik, Amerikanistik und Germanistik. Sie hat bisher ca. 150 Werke aus den Gattungen Prosa, Lyrik, Essay und Hörspiel übertragen und ist die Übersetzerin von u. a. Henry Miller, Anne Sexton, Ali Smith, Hilary Mantel und Joyce Carol Oates. Sie erhielt Stipendien des Deutschen Übersetzerfonds, des Landes Baden-Württemberg und des Landes Niedersachsen.

Pressestimmen

»Der Roman, der auf Tatsachen beruht, ist ein, ja, gewaltiger feministischer Schocker.« Focus
Mehr von Oates, Joyce Carol

Bewertungen

Die Bewertungen werden vor ihrer Veröffentlichung nicht auf ihre Echtheit überprüft. Sie können daher auch von Verbrauchern stammen, die die bewerteten Produkte tatsächlich gar nicht erworben/genutzt haben.