Mobilmachung

Über das Private III
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Buchprofile - Rezension
Autobiografie aus der Sicht eines Babys.
Die 1953 in Linz geborene Schriftstellerin Margit Schreiner fabuliert in ihrer neusten Erzählung über ihre ersten zwei Lebensjahre. Die Ich-Erzählerin berichtet die Ereignisse zunächst als Embryo aus dem Mutterleib und schließlich als Säugling und Kleinkind. Evolutionstheorien über die Entwicklung der Menschheit fließen hier ebenso ein, wie die kritische Betrachtung der Geschlechterverhältnisse einer bürgerlichen Kleinfamilie in den 1950er Jahren. Komik entsteht durch die altkluge Sichtweise, mit der das Baby seine Eltern und die Geschehnisse begutachtet und bewertet. So kann die kleine Margit zum Beispiel nicht verstehen, warum der Vater als "der Ernährer" der Familie bezeichnet wird, wo er doch noch nie auch nur ein Essen gekocht hat. Lustig, aber auch bezeichnend für die Generation werden die unbeholfenen Versuche des Vaters beschrieben, richtig mit seiner Tochter umzugehen. Die Fantasie der Autorin übersteigt die Realität, etwa wenn das wenige Monate alte Baby am Frühstückstisch die Zeitung mitliest. Angehörige der Boomer-Generation werden bei dieser kleinen Zeitreise vieles wiedererkennen und oft schmunzeln müssen. Nostalgie-Faktor garantiert!
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Artikelbeschreibung

»Jedes Neugeborene lebt vor der Erfindung der Zeit. Ich fühlte bereits nach den ersten paar Zellteilungen, dass etwas Großartiges entstanden war, und wanderte in Form einer winzigen Brombeere zur Gebärmutter, in der ich mich einzunisten gedachte. Ich muss gestehen, dass ich ihre neutrale Liebenswürdigkeit, mit der sie mir ein kuscheliges Plätzchen schuf, der späteren, doch sehr von Launen gesteuerten wirklichen Mutter vorzog.«

Nach Vater. Mutter. Kind. Kriegserklärungen (2021) und Mütter. Väter. Männer. Klassenkämpfe (2022) erkundet die große österreichische Erzählerin Margit Schreiner auf ihre unnachahmliche Weise das Private. Ausgehend von ihren allerersten Lebensjahren in einer kleinbürgerlichen Stadt derFünfzigerjahre fabuliert die Autorin überaus humorvoll und mit wie immer kritischem Blick auf Geschlechterverhältnisse vom Erleben als Embyro, Säugling und Kleinkind. Sie betreibt dabei keine reine Nabelschau, sondern reflektiert gleichzeitig klug über Menschwerdung und Menschheitsgeschichte.

Produktsicherheit

Hersteller: Schöffling & Co. Verlagsbuchhandlung GmbH
Anschrift: Kaiserstraße 79
DE-60329 Frankfurt am Mai
Kontakt: info@schoeffling.de

Personeninformation

Margit Schreiner wurde 1953 in Linz geboren. Nach längeren Aufenthalten in Tokio, Paris, Berlin, Italien und dann wieder in Linz lebt sie derzeit in Gmünd, Niederösterreich. Sie erhielt für ihre Bücher zahlreiche Stipendien und Preise, u. a. den Oberösterreichischen Landeskulturpreis und den Österreichischen Würdigungspreis für Literatur. 2015 wurde sie mit dem Johann-Beer-Literaturpreis und dem Heinrich-Gleißner-Preis ausgezeichnet, 2016 erhielt sie den Anton-Wildgans-Preis. Mit Kein Platz mehr war sie 2018 für den Österreichischen Buchpreis nominiert. www.margitschreiner.com

Pressestimmen

»Die Aufmüpfigkeitskönigin der österreichischen Literatur« Anton Thuswaldner / Literatur und Kritik

»Fiktion und Realität, Autorin und Figur verschmelzen hier zu einer ganz besonderen und vergnüglichen monologischen Melange.« Christian Schacherreiter / OÖNachrichten

»Wie die Vorgangerromane ist auch Mobilmachung mehr als "nur" privat, sondern zugleich Portrat seiner Zeit.« Barbara Beer / Kurier

»Eine bedeutende Stimme der österreichischen Gegenwartsliteratur.« 3sat »Kulturzeit«

»Mit ihrem unverwechselbaren Blick auf die Welt erzählt Margit Schreiner die Atmosphäre ihrer Kindheit in den 1950er Jahren mit. Mobilmachung ist ein persönlich gehaltenes Buch der Autorin, das gleichzeitig auch den Ursprung des Menschseins mitverhandelt.« Imogena Doderer / ORF2

»[Der] vordergründig plauderhafte Ton [...] erweist sich als pointenreich, schwarzhumorig und tiefenpsychologisch. [...] Eine Autofiktion der anregend verspielten Art« Frank von Niederhäusern / Kulturtipp

»Gewohnt originell.« 3sat »Kulturzeit«

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