"Ziehen, wenn der Funke springt": Erinnerungen des Zeitzeugen Dr. Rudolf Ziesler aus dem Bayerischen Wald

Ein Jahrhundert zwischen Krieg, Familiengeheimnissen und mutigen Entscheidungen
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Bayern im Buch-Rezension
Ein Zeitzeuge berichtet aus seinem fast hundertjährigen Leben.
Geboren ist Rudolf Ziesler in Ränkam nahe Furth i. W. in eine Metzgers- und Gastwirtsfamilie. Noch als Rudi ein Kleinkind ist, zieht man nach Regensburg, wo die Mutter einen kleinen Kolonialwaren eröffnet. Die Familie lebt sich schnell ein, doch schon nach vier Jahren muss man wieder zurück nach Ränkam. Die an die Macht gekommenen Nazis bestimmten, dass Landwirtschaften von ihrem Eigentümer bewirtschaftet werden mussten. Der kleine Rudolf hat eine rasche Auffassungsgabe und darf aufs Gymnasium, doch schon als Elfjähriger lernt er den Krieg kennen. Mit knapp 16 Jahren wird Rudi eingezogen und fungiert als Flakhelfer. Er kommt als Gefangener der Amis zunächst in ein Lager bei Cham, dann nach Langenzenn, Würzburg und zuletzt in eines der berüchtigten Rheinwiesenlager. Bereits ein Vierteljahr später kommt Rudi gottlob frei und ab 1946 beginnt für ihn wieder ein halbwegs „normaler“ Alltag, er kann endlich Abitur machen. Rudolf Ziesler will gleich anschließend studieren, doch zunächst ist auf dem heimatlichen Hof seine Arbeitskraft gefragt. Endlich ergattert er einen Studienplatz der Fakultät Volkswirtschaft in Nürnberg und lernt ein Mädel kennen, Helga, mit ihr – und seiner Isetta – genießt alle Freiheiten und Reisen. Als sich Rudi nicht entscheiden mag, gibt Helga ihm den Laufpass und so geht er für ein Praktikum nach Norwegen. Schließlich schreibt er sich an der Universität in Graz ein, um den „Doktor zu machen“. Mit dem Doktortitel in der Tasche nimmt er wieder Kontakt zu Helga auf, die er nie ganz vergessen hatte... – Eine Lebensgeschichte, wie es sie wohl vieltausende Male so oder so ähnlich gibt. Nur wenige aber fassen den Mut, auch andere daran teilhaben zu lassen. Dabei wäre es ebenso interessant wie wichtig, von Zeitzeugen zu erfahren, was ihr Dasein ausmacht. Ein lesenswerter Beitrag zur Zeit- und Heimatgeschichte, mit vielen Schwarzweiß-Fotos ansprechend gestaltet und durchaus empfehlenswert.
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Artikelbeschreibung

Dr. Rudolf Ziesler, 1928 geboren im bayerischen Ränkam, wächst auf in einer Welt im Wandel. Mit gerade 16 Jahren wird er aus dem Klassenzimmer in den Krieg geschickt - und kehrt geprägt von den Schrecken der Gefangenschaft zurück in ein Land im Wiederaufbau. Mit Disziplin, Bildungshunger und einer gehörigen Portion Entscheidungsfreude arbeitet er sich vom einfachen Bauernsohn zum promovierten Bankdirektor hoch. Er gründet eine Familie, baut sich eine angesehene Existenz auf und kehrt immer wieder zurück zu den Wurzeln in seiner Heimat. Hier blickt er mit 97 Jahren als einer der noch wenigen lebenden Zeitzeugen des Bayerischen Waldes zurück auf eine Epoche, die mehr und mehr in Vergessenheit gerät. Ein Zitat aus seinem Lieblingsbuch "Antonio Adverso" steht dabei gleichsam als sein Lebensmotto: "Ziehen, wenn der Funke springt" - oder übertragen: Es liegt an jedem selbst, an seiner Situation zu verzweifeln, oder das Beste aus seinem Leben zu machen. Autorin Diana Binder erzählt die Geschichte eines entschlossenen und klugen Mannes, der sich detailreich an ein bewegtes Leben erinnert - und dabei auch ein lange gehütetes Familiengeheimnis offenbart. Eine authentische Erzählung voller Zeitgeschichte!

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