Mattanza

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Buchprofile - Rezension
Eine kleine Insel im Süden Italiens muss sich den Herausforderungen der politischen Umwälzungen in der Welt stellen.
Die kleine Insel Katria lebt von der Tonnara, dem jährlichen Großereignis, bei dem bis zu 1000 Thunfische gefangen werden und das Leben der Bevölkerung sichern. Traditionell wird die Tonnara vom Raís geleitet, der immer ein Nachkomme einer bestimmten Familie sein muss. Doch der aktuelle Raís hat keine männlichen Nachkommen, und so beschließt er kurzerhand, seine Enkelin Nora als Nachfolgerin auszubilden. Es ist ein hartes Los, das auf sie wartet, denn die Arbeit ist schwer und durch ihre wichtige Position ist sie vom Umgang mit anderen Menschen abgeschnitten, selbst zu ihren Schwestern und Eltern hat sie kaum Kontakt. Doch Nora fügt sich in ihr Schicksal, weil es die Tradition so verlangt. Die Tradition ist jedoch zunehmend gefährdet – zum einen durch industriellen Thunfischfang fremder Nationen, und schließlich durch die Ankunft von Flüchtlingen, die auf der Insel stranden und Zuflucht suchen, was die Bewohner, die selbst gerade so ihr Auskommen erwirtschaften, zunehmend belastet. Lesenswert!
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Traditionell stellen die Grecos den Anführer der Fischer auf Katria, doch seit zwei Generationen bleibt ein männlicher Erbe aus.

„Niemand hat gesagt, dass es keine Frau sein darf.“ Aus der Not heraus und ausgesprochen pragmatisch bestimmt der alte Raìs Nicola Greco seine jüngste Enkelin Nora zu seiner Nachfolgerin und lebt gerade noch lange genug, um dem Mädchen alles beizubringen, was sie als Anführerin der Tonnarotti wissen muss. Dazu gehören neben den technischen Fähigkeiten und dem Willen, die brutale Mattanza – das Abschlachten der gefangenen Thunfische – durchzuführen auch Durchsetzungsvermögen und Autorität, denn dem Wort des Raìs ist widerspruchslos zu folgen. Nora erfüllt alle Voraussetzungen und ist bei den Fischern hochgeschätzt, doch ihre Aufgaben machen sie auch zu einem einsamen Menschen. Sie führt die Fischer durch schwierige Zeiten, in denen asiatische Fangflotten die Existenz der Tonnarotti bedrohen. Als in den späten 1990er Jahren die ersten Flüchtlinge anlanden, kommen auf die Bewohner der Sizilien vorgelagerten Insel gänzlich unerwartete Probleme zu, für die sich Nora ebenfalls verantwortlich fühlt. Die sizilianische Autorin schreibt einen authentischen Roman über eine Frau, die sich in einer ungewohnten Rolle zurechtfinden muss, über archaische Fischerei-Traditionen und die Flüchtlingsproblematik.

Susanne Steufmehl, Medienberaterin Belletristik und Sachbuch

Artikelbeschreibung

Seit jeher bestimmen das Meer, der Wind und vor allem der Thunfisch das Leben auf der kleinen süditalienischen Insel Katria. Angeführt vom Raìs, gibt die Mattanza, der Höhepunkt des traditionellen Thunfischfangs, den Rhythmus der Insulaner vor. Doch nachdem der Enkel und letzte legitime Erbe des Raìs gegen alle Erwartungen als Mädchen geboren wird, muss Nora beweisen, dass sie auch als Frau die Traditionen ihrer Gemeinde wahren und ihrem Großvater nachfolgen kann.Während sich die Welt um Katria immer schneller dreht, erreichen die ersten Wellen des Tourismus die Insel und schließlich auch der Strom an Menschen, für die dieses Stück Land das erste Stückchen Europa bedeutet. Der Wandel scheint unaufhaltsam und stellt Nora vor die Frage, wie weit sie zu gehen bereit ist, um ihre Traditionen zu schützen.

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Personeninformation

Germana Fabiano, geboren 1971 in Palermo, lebt heute auf Sizilien und in Tübingen, wo sie ihre Arbeit als Autorin mit einer Dozentur für Menschenrechte an der Universität verbindet. 2009 veröffentlichte sie ihren Debütroman »Balarm« und wurde für eine ihrer Kurzgeschichten mit dem Colonna d'Eroma ausgezeichnet. Nach weiteren Publikationen ist »Mattanza« ihr erstes Buch, das auf Deutsch erscheint.

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