Europas Hunde, m. 1 Heft

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Buchprofile - Rezension
Verworrene Geschichten mit Gedanken und Visionen zu einem Weißrussland und Europa in Gegenwart und naher Zukunft.
In sechs Abschnitten erzählt Bacharevic absurde Geschichten aus Weißrussland und Europa, die teils an realen, teils an imaginären Orten spielen. Der erste Abschnitt handelt von einem jungen Mann in Minsk, der sich in seinem Land und in seiner Sprache so stark eingeengt fühlt, dass er sich eine neue Sprache, die er Balbuta nennt, ausdenkt. Im zweiten Kapitel fällt dem Knaben Maucun aus Belyje Rossy im Wald eine Fallschirmspringerin vor die Füße. Er versteckt die Frau, die als Spionin gesucht wird, vor den Soldaten der Hundestaffel. Im dritten Teil geht es um die Heilerin Begigna, den Andertaler Wald und den Neandertaler Wald. Begigna ist eine Flüsterin und kann besonders gut auf die Probleme der Menschen eingehen. Im vierten Abschnitt wird ein junger Mann von seiner Mutter beauftragt, jemandem eine Plastiktüte zu überbringen. Auf der Suche nach dem Adressaten irrt er durch die Einkaufszentren von Minsk, kauft sich in einem Secondhandladen ein Jacket und vergisst die Tüte, von deren Inhalt er erst am Ende eines verrückten Tages weiß. Im fünften Kapitel lässt ein Lehrer seine Schüler Botschaften an die Nachwelt schreiben und in einer Zeitkapsel vergraben. Im letzten Abschnitt geht es um einen Toten in einem Berliner Billighotel, dessen rätselhafte Spuren den Ermittler Teresius Skima durch Buchhandlungen in Berlin, Prag, Paris, Vilnius und am Ende nach Minsk führen. - Der weißrussische Autor, dessen Werke in seinem Heimatland teilweise zensiert wurden, erkundet in seinem 760-Seiten-Wälzer mit absurdem Humor, intensiv und visionär die Situation Europas. Wortgewaltig beschreibt der Autor seine verschrobenen Existenzen, einsamen Grenzgänger und hitzigen Träumer sowie den düsteren Zustand derer Lebens- und Arbeitswelt, vergeudet aber auch sprachliche Energie mit allen nur möglichen abstrusen Passagen oder auch seitenlangen Texten in Balbuta-Sprache. Ein Mammutwerk für Leser/innen mit langem Atem und Freude an märchenhaften Bildern und an wilder Fabulierlust.
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Artikelbeschreibung

Verschrobene Gestalten bevölkern diesen "totalen Roman": einsame Sucher, fiebrige Träumer, verkrachte Existenzen, geborene Eskapisten. Da ist Ma_cun, der Junge, der davon träumt mit seiner geliebten Gans gen Westen zu fliegen, bis ihm eine junge Spionin vom Himmel vor die Füße fällt. Der Tote im Berliner Rosengarten, dessen rätselhafte Spuren den Ermittler Teresius Skima durch ein Netzwerk von Buchhandlungen in ganz Europa zu einem abgeschotteten Superstaat führen. Oder Oleg Olegowitsch, ein Misanthrop aus Minsk, der den Sprachen abgeschworen hat und eine neue erfindet: Balbuta. Seine geheime Liebste, die er hegt und pflegt.Sie alle graben, schürfen tief und träumen sich zugleich federleicht, entdecken Geschwister im Geiste, fallen aus der Zeit, überwinden Grenzen. Aber immer lauter bellen die Kettenhunde - in Berlin, Prag, Paris, Vilnius, Minsk ...Alhierd Bacharevics großer europäischer Vorabend-Roman erspürte schon 2017, was uns hier erst allmählich zu dämmern beginnt. In Belarus ist der Roman inzwischen verboten.

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Personeninformation

Alhierd Bacharevic, 1975 in Minsk geboren, wurde in Belarus mit mehreren Literaturpreisen ("Buch des Jahres" u.a.) ausgezeichnet. Er hat zahlreiche Romane und Essaysammlungen publiziert, seine Bücher sind ins Deutsche, Englische, Russische und weitere Sprachen übersetzt. 2017 erschien "______ ______" (Europas Hunde). Inzwischen ist der Roman in Belarus verboten und als extremistisch eingestuft. Das "Belarus Free Theater" inszenierte den Roman in Minsk, London, Paris, Adelaide und Berlin. 2021 wurde Bacharevic mit dem deutschen Erwin-Piscator-Preis geehrt. Bacharevic lebt zusammen mit seiner Frau, der Dichterin Julia Cimafiejeva, im Exil an verschiedenen Orten in Europa. Zuletzt erschienen: "Das letzte Buch von Herrn A." (edition.fotoTAPETA, 2023). Thomas Weiler wurde 1978 im Schwarzwald geboren. Seit seinem Übersetzerstudium in Leipzig, Berlin und St. Petersburg übersetzt und vermittelt er Belletristik und Kinderliteratur aus dem Polnischen, Russischen und Belarussischen. 2017 erhielt er den Deutschen Jugendliteraturpreis, 2019 wurde er mit dem Karl-Dedecius-Preis geehrt. Er lebt mit seiner Familie in Markkleeberg bei Leipzig. Bei Voland & Quist erschienen seine Übersetzungen von Viktor Martinowitsch, Ziemowit Szczerek und Alhierd Bacharevic. 2025 erhielt er den Preis der Leipziger Buchmesse (Übersetzung).Übersetzungsjournal von Thomas Weiler: http://www.fussnoten.eu

Pressestimmen

"Ein atemberaubendes Schauspiel. Märchenhafte Bilder mischen sich mit absurdem Humor in diesem prophetischen Politthriller, in dem Russland und Belarus zu einem diktatorischen Superstaat geworden sind." The Guardian "In einer Region, in der das Dazwischensein zwischen Kulturen und Identitäten zur existenziellen Selbstbestimmung geworden ist. Auch davon handelt dieses Buch auf unterschiedlichen Ebenen - von der Suche nach dem Eigenen." der Standard "'Europas Hunde'" ist von großer Komik - und zugleich zutiefst melancholisch." F.A.Z. "Wie jeder große Roman handelt Europas Hunde auch von der Kraft der Literatur. Er ist mit Anspielungen und literarischen Verweisen gespickt und strotzt vor literarischer Kraft." der Freitag "Ein brilliantes Buch, wie ich es selten gelesen habe aber auch ein Buch, dass mich ungeheuer berührt hat." Deutschlandfunk Kultur
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