Rosner & Seidl

Band 11
Ein Münchner Unternehmen des Textileinzelhandels in der Zeit des Nationalsozialismus
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Bayern im Buch-Rezension
Ein Familienunternehmen im politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext des Nationalsozialismus.
Die von der Ruth-Rosner-Stiftung vorgelegte Publikation thematisiert die Entwicklung des Münchner Wäschehauses Rosner & Seidl während der NS-Zeit. Damit die Gesamtsituation des familiengeführten Geschäfts nachvollziehbar ist, beleuchten die Autoren die Geschichte des Unternehmens von seiner Gründung (1873) bis zur Aufgabe (1988: Einbringung des Vermögens in zwei Stiftungen). So verweisen die Autoren auf die Anfangsjahre des Einzelhandelsgeschäfts unter Friedrich Rosner (1850-1925) und Mathias Seidl (gest. 1901), auf die Familienverhältnisse, die positive wie negative Weiterentwicklung, die Übergabe des Unternehmens an Sohn Edmund (1886-1967) und auf dessen schrittweise Annäherung an den Nationalsozialismus. Seine Heirat mit Anni Obster (1904-1998) wirkt sich vorteilhaft auf das Unternehmen aus, da diese enge Verbindungen zu Hitler und seinen Vertrauten hat. Ob aber, wie Edmund Rosner später betont, die Sorge um einen positiven Geschäftsverlauf oder das Unbehagen wegen seines vermeintlich jüdischen Aussehens die alleinigen Gründe für die Integration in das NS-Regime waren, sei dahingestellt. Des Weiteren zeigt sich am Beispiel von Rosner & Seidl die totale Einbeziehung mittelständischer Betriebe in das politische wie wirtschaftliche Programm des NS-Regimes, vor allem aber wird die profitable Verbindung Edmund Rosners zu den maßgeblichen NS-Repräsentanten (z.B. persönliche Intervention Hitlers bei Anni Rosners Erbstreit) deutlich. Dieses Netzwerk funktioniert auch während des Krieges und ermöglicht geschäftliche Gewinne, auch zeigen persönliche Briefe bis zuletzt Begeisterung für den Krieg und das NS-Gedankengut. Die Nachkriegszeit (Entlassung Rosners als Inhaber, Treuhänderschaft, Entnazifizierung, Einordnung als "Mitläufer", Wiederaufbau) mündet ein in die Jahre des "Wirtschaftswunders" mit großem unternehmerischem Erfolg, ehe 1988 das Vermögens in zwei Stiftungen eingebracht wird. - Regional empfehlenswert!
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Artikelbeschreibung

Das 1873 gegründete Wäschehaus Rosner & Seidl zählte bis zu seiner Schließung 1988 zu den bedeutenden Einzelhandelsgeschäften in München. Das Buch richtet den Blick auf den Kurs des mittelständischen Familienunternehmens in der Zeit des Nationalsozialismus. Im Fokus steht die Geschäftsentwicklung der Firma im Kontext allgemeiner Tendenzen in der Textilbranche. Thematisiert wird aber auch die politische Haltung der bestimmenden Personen sowie die Wirksamkeit politischer und sozialer Netzwerke im NS-Unrechtsregime. Der Geschäftsinhaber Edmund Rosner und seine Ehefrau Anni unterhielten Kontakte zu Vertretern der NS-Machtelite, auch zu Adolf Hitler persönlich. Diese Verbindungen resultierten aus einer früheren Liebesbeziehung von Anni Rosner zu Dietrich Eckart, einem rechtsextremen Münchner Publizisten und maßgeblichen Ideengeber Hitlers. Die NS-Beziehungen wurden auch für Geschäftsinteressen der Firma genutzt.

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