Die Münchner Galilei

Eine italienische Künstlerfamilie am Wittelsbacherhof im 17. Jahrhundert
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Bayern im Buch-Rezension
Spannende Familienchronik vor kulturhistorischem Hintergrund.
Wer wusste bis jetzt schon, dass Galileo Galilei (1564-1641), der berühmte italienische Astronom, dessen Forschungen das heliozentrische Weltbild des Nikolaus Kopernikus nachhaltig untermauerten, Familienmitglieder in der damals kurfürstlichen bayerischen Residenzstadt hatte? Keine unbedeutenden Bürger freilich, sondern über drei Generationen hinweg haben sie das Kulturleben in München stark beeinflusst. Der Autor hat sich auf die Spuren der in München tätigen Galilei-Mitglieder begeben, und das Ergebnis seiner Recherchen darf man getrost als Sensation bezeichnen: Zunächst der Komponist Vincenzo Galilei, Galileos Vater, der 1578 nach München kam, um die Funktion der "Geigen-Clavicymbel" zu erkunden, das mit raffinierter Technik eine Mischung aus Tasten- und Saiteninstrumenten darstellte. Eines der wenigen Exemplare dieses musikalischen Wunderwerks befand sich in der Münchner Residenz und war, wie Alois Schmid vermutet, Bestandteil der Hofkapelle unter Orlando di Lasso, der als Komponist und Orchesterleiter München als eines der bedeutendsten Musikzentren Europas erstrahlen ließ. Galileos jüngerer Bruder, Michelangelo, Komponist auch er und Verfasser eines Lehrbuchs für das Lautenspiel, war Mitglied dieser Münchner Hofkapelle und heiratete die Tochter des 1. Trompeters des Orchesters. Vier Kinder aus dieser Ehe starben an der damals wieder wütenden Pest, während der jüngere Sohn Albrecht Cesar die musikalische Tradition als Lauten- und Geigenspieler fortsetzte, während andere Galilei-Sprösslinge ebenfalls musikalisch und künstlerisch tätig waren. Erfreulich an dieser bestens recherchierten Familiendokumentation ist die Tatsache, dass der Autor die Biografien der Münchner Galilei, eingebettet in den zeitgenössischen Hintergrund der damaligen neuen Erkenntnisse der Wissenschaft, in Verbindung gebracht hat mit dem politischen Geschehen des 17. Jh., vor allem mit den Ereignissen des 30jährigen Krieges. Dazu zeigt der Autor die vielseitigen kulturellen Aktivitäten des bayerischen Hofes unter den damaligen Kurfürsten bestens auf. Eine dokumentenreiche und spannend geschriebene Familienchronik mit politischem und kulturellem Hintergrund.
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Artikelbeschreibung

Der Naturforscher Galileo Galilei zählt unbestritten zu den größten Persönlichkeiten der europäischen Kulturgeschichte. Was kaum einer weiß: Eine Nebenlinie seiner Familie war von 1607 bis 1694, über drei Generationen lang, in München ansässig und spielte im Kulturbetrieb der bayerischen Haupt- und Residenzstadt eine wahrlich bemerkenswerte Rolle.Wegbereiter der "Münchner Galilei" war Vincenzo Galilei d. Ä., der 1578 erstmals in die Stadt kam. Sein Sohn Michelangelo - der Bruder Galileos - wurde zum Stammvater der Linie, die von Vincenzo d. J. und Albrecht Cäsar fortgesetzt wurde, ehe sie mit Franz Nestor an ihr Ende gelangte. Sie alle pflegten als Musiker von hohem Rang die Lautenkunst in der wittelsbachischen Hofkapelle des 17. Jahrhunderts.Die vergessene Geschichte des Münchner Zweiges der Familie Galilei erfährt in diesem Buch ihre erste Darstellung auf breiter Quellengrundlage: ein herausragendes Beispiel für den Kulturtransfer von Italien nach Bayern im Zeitalter der Renaissance und des Barock.

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Personeninformation

Prof. Dr. Alois Schmid, geboren 1945, war Professor für bayerische Landesgeschichte an den Universitäten Eichstätt-Ingolstadt, Erlangen-Nürnberg und an der LMU München (1998-2010) und von 1999 bis 2013 Erster Vorsitzender der Kommission für bayerische Landesgeschichte an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften München; zahlreiche Veröffentlichungen zur politischen und Kulturgeschichte Bayerns in Mittelalter und Früher Neuzeit.
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