Von Vieh und Vögeln

Roman
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Buchprofile - Rezension
Die Künstlerin Coro versucht, den Tod ihrer Schwester zu verarbeiten.
Coro setzt sich ins Auto und fährt in die Dunkelheit hinaus – ohne zu wissen, dass sie sich Batania nähert. Ein abgelegenes Haus, mitten im Nirgendwo. Sie bittet um Hilfe und wird eingelassen. Hier leben ausschließlich Frauen. Sie kleiden sich gleich, feiern seltsame Feste und gehen ihren eigenen Bräuchen nach. Überall sind Hunde, wachsam, beinahe wie Hüter dieses abgeschlossenen Kosmos. Die Natur ringsum wirkt ungezähmt. Ein gewaltiger Felsen verschlingt das Licht. Ein See zieht sich wie eine unsichtbare Grenze durch die Landschaft, über der unaufhörlich Vögel kreisen. Trotz ihres anfänglichen Fluchtinstinktes bleibt Coro in dieser Gemeinschaft. Es ist, als halte sie nicht nur dieser Ort fest, sondern auch etwas in ihr selbst. Ihr Widerstand nimmt ab, ihre Zerrissenheit glättet sich, nicht abrupt, eher gedämpft. Und während sie bleibt, ohne zu wissen warum, beginnt sie etwas zu finden, was sie nicht gesucht hat: eine verstörende Form von Zugehörigkeit. Pilar Adon, vielfach in Spanien ausgezeichnete Autorin, entfaltet hier eine leise, unaufdringliche Kunst des Erzählens. Der Text vermittelt eine melancholische Ruhe. Eine Sprache, die nichts erklärt, sondern sanft umkreist, nichts festhält, sondern verwandelt. Coro nähert sich langsam den eigenen Gefühlen des Verlustes an. Die Autorin erzählt darüber, was die Trauer mit uns macht, wenn wir einen geliebten Menschen verloren haben. Der Titel des Romans "Von Vieh und Vögeln" deutet auf diese Gegensätzlichkeit der inneren Prozesse hin: oben und unten, Erde und Wasser, disziplinierte Menschen gegen die Natur. Für eine literarisch, erfahrene Leserschaft gerne empfohlen.
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Artikelbeschreibung

»Wenn ich den Namen Pilar Adón höre, denke ich sofort an fesselnde Geschichten mit vielschichtigen Charakteren, großartige Prosa und außergewöhnliche Bücher.« - Fernando AramburuEs ist Abend, als sich die Künstlerin Coro ins Auto setzt und ohne bestimmtes Ziel und ohne ihr Handy in die Dunkelheit hinausfährt, ohne zu wissen, dass sie sich Betania nähert, einem abgelegenen Haus, Mitten im Nirgendwo, fast jenseits der Welt. Dort in der Nähe geht ihr das Benzin aus, und sie bittet um Hilfe, wird aber vertröstet, sie solle erst einmal die Nacht im Haus verbringen. Sie ahnt noch nicht, dass sie ein Haus betreten wird, in dem nur Frauen wohnen, die sich gleich kleiden und seltsame Feste feiern und Bräuche haben. Ein Ort, der bevölkert wird von unzähligen Hunden, an dem sich die wilde Natur zeigt. Wo ein riesiger Felsen das Sonnenlicht verbirgt und die Landschaft dominiert, wo im Hintergrund ein See die Grenze markiert, über den ständig Vögel fliegen. Und Coro, die noch immer um ihre ertrunkene Schwester trauert, will gehen, geht aber nicht und scheint dort etwas gefunden zu haben, was sie gar nicht gesucht hat - so wie die Frauen in Betania sie bereits seit ihrer Ankunft zu kennen scheinen. Und so verwächst sie mit dem Anwesen, mit der Natur. Pilar Adón erzählt eine eindringliche Geschichte, in der viele Geheimnisse lauern, darüber, was es heißt, Teil von etwas zu sein, von einer Gemeinschaft, aber auch darüber, was die Trauer mit uns macht, wenn wir einen geliebten Menschen verloren haben.

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Personeninformation

Pilar Adón wurde 1971 in Madrid geboren. 2022 veröffentlichte sie den Roman »De bestias y aves«, der unter anderem mit dem Premio Nacional de la Narrativa, dem Premio de la Critica sowie dem Premio Francisco Umbral für das Buch des Jahres ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Ihr Schaffen umfasst zwei weitere Romane sowie drei Erzählbände. Susanne Lange, geboren in Berlin, lebt als Übersetzerin (u. a. García Lorca, Juan Rulfo, Pablo Neruda, Alejandro Zambra, Juan Gabriel Vásquez und Javier Marías) in Berlin und bei Barcelona. Bereits mit anderen Preisen ausgezeichnet, erhielt sie für ihre Neuübersetzung von Cervantes` »Don Quijote« den Johann-Heinrich-Voß-Preis. Sie ist Mitherausgeberin einer vierbändigen Anthologie spanischsprachiger Lyrik.

Pressestimmen

»Den dunklen, beunruhigenden Dualismus, mit dem die spanische Schriftstellerin Pilar Adón in ihrem neuen Buch spielt, deutet bereits der Titel 'Von Vieh und Vögeln' an, also unten und oben, Erde und Wasser, disziplinierter Mensch gegen Natur und Gelassenheit.« (Maria Leitner, Buchkultur, 01/2026)
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