Frauen lesen anders

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Buchprofile - Rezension
Neuauflage der 1996 veröffentlichten Essays der Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin (1931- 2020).
Schon in ihrem Vorwort erklärt Klüger, dass es ihr immer wieder schwerfällt, Theaterinszenierungen männlicher Regisseure zu verstehen, denn sie verstünde schon die zugrundeliegenden klassischen Texte völlig anders ... "Frauen lesen eben anders" – aber wie denn? Dieser Frage geht sie in der Folge anhand verschiedener Texte akribisch nach, dreht und wendet sowohl Originaltextstellen als auch dazu geäußerte Interpretationen der i.d.R. männlichen Literaturkritik und stellt oft einseitigen Betrachtungen eine Vielzahl von Blickrichtungen und Auslegungen entgegen. So finden sich Texte zu Stücken von u.a. Kleist, Goethe, Kästner, Schnitzler, Stifter neben einer Laudatio auf Erich Hackl als wahrhaften Chronisten und ein "Liebesangebot über die Jahrhunderte" an Grimmelshausens weibliches Ich für seine Erzbetrügerin und Landstötzerin Courasche. Eine Erwartungshaltung, dass Frauen sich in männliche Literatur, Denk,- Schreibweise einfühlen und eine sehr geringe Rezeption weiblicher Literatur auch an den Universitäten stellt sie ebenso fest wie eine häufig schöngefärbte, unreflektierte, oft sexuelle Gewalt gegen Frauen in der Literatur, auch im Liedgut, z.B. "Röslein auf der Heiden". Wir Frauen lernen lesen, wie Männer lesen. Einprägsam dazu ein Zitat des schwarzen US-Autors Ralph Ellison, der schrieb, "er habe als Junge Mark Twains Roman "Die Abenteuer des Huckleberry Finn" selbstverständlich vom Standpunkt des weißen Ich-Erzählers Huck und nicht etwa vom Standpunkt des entlaufenen Sklaven Nigger Jim rezipiert". So sind oft Männer die Helden und Frauen "schmückendes Beiwerk", gerade in klassischen Texten. Ein interessantes und vielseitiges Buch, mit Witz und Sachverstand geschrieben, seine Klassiker sollte man aber gut kennen!
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Artikelbeschreibung

Herausragende literaturwissenschaftliche Kompetenz in Verbindung mit Verve, Witz und großartiger Formulierungskunst. Ein originelles Vergnügen!»Die meiste Literatur, die ich kenne, ist von Männern. Lese ich sie anders? Ich meine schon. Aber wie denn?« Diese Frage bewegte die Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin Ruth Klüger von Anfang an. Antworten dazu gab sie selbst und veröffentlichte sie im Jahr 1996 erstmals unter dem Titel »Frauen lesen anders«. Wenn Klüger mit diesem Impetus Autoren wie Grimmelshausen, Goethe, Kleist, Stifter, Schnitzler und Kästner gegen den Strich liest, verbindet sie dabei literaturwissenschaftliche Kompetenz mit Verve, Witz und hoher Formulierungskunst. Die Zusammenstellung des Bandes wurde von Klüger selbst 1996 vorgenommen, dem folgt die vorliegende Ausgabe weitgehend. Zusätzlich aufgenommen wurde eine neuere bislang unveröffentlichte Untersuchung aus dem Nachlass: »'Das muss ein Mann mir sagen'. Kleists Frauenbild«.Mit »Frauen lesen anders« werden die Essaybände von Ruth Klüger »Wer rechnet schon mit Lesern?« (2021) und »anders lesen. Frauen und Juden in der deutschen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts« (2023) fortgesetzt.

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Personeninformation

Ruth Klüger (1931-2020) war von 1966 bis 1992 Professorin für Deutsche Philologie an verschiedenen amerikanischen Universitäten, zuletzt an der University of California / Irvine. Von 1978 bis 1986 war sie Herausgeberin der Zeitschrift »The German Quarterly«, von 1980 bis 1985 Vizepräsidentin der Internationalen Vereinigung der Germanisten (IVG). Sie war Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.Mit ihrer in mehrere Sprachen übersetzten Autobiographie »weiter leben« (1992) wurde sie einem breiten Publikum im In- und Ausland bekannt.Für ihre Werke erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter: Roswitha-Preis (2006), Lessing-Preis des Freistaates Sachsen (2007),Bundesverdienstkreuz erster Klasse der Bundesrepublik Deutschland (2008), Ehrendoktorwürde der Universität Wien (2015), Bayerischer Buchpreis - Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten (2016). Gesa Dane ist Professorin am Institut für Deutsche und Niederländische Philologie der FU Berlin.Veröffentlichungen u. a.: Im Dickicht der Texte. Editionswissenschaft als interdisziplinäre Grundlagenforschung (Mithg., 2013); Scharfsinn und Frömmigkeit. Zum Werk von Catharina Regina von Greiffenberg (1633-1694) (Hg., 2013); Zeter und Mordio. Vergewaltigung in Literatur und Recht (2005).

Pressestimmen

»Ein Buch auch mit viel Humor über Goethe, Kleist und Co.« (Thomas Kopietz, HNA, 18.12.2024)
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