Die daheim blieben

Roman
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Buchprofile - Rezension
Das bis vor kurzem vergessene Buch beschreibt aus jüdischer Perspektive die Verhältnisse in und um Nazi-Deutschland ab 1933.
Georg Herrmann ist ein jüdischer Schriftsteller, der Deutschland verlassen musste, in Holland noch einige bemerkenswerte Romane schrieb, 1943 aber nach Auschwitz deportiert wurde und wenig später dort auch starb. Dieses bisher unveröffentlichte Werk gibt einen erschütternden Einblick in die Zeit der Judenverfolgung durch die Nationalsozialisten, aber auch in die Zerrissenheit des deutschen Judentums. Heinrich Simon ist Unternehmer und feiert 1933 das 75-jährige Firmenjubiläum seines Papiergroßhandels. Während die weitverzweigte Familie in seiner Villa bei exquisiten Speisen feiert, marschieren draußen auf der Straße die Nazi-Kolonnen. Einige sehen das Unheil bereits heraufdämmern, andere halten die Zeitumstände für vorübergehend. Sie gehen davon aus, dass die Nazis die jüdischen Kulturschaffenden, Wissenschaftler, Ärzte, Firmen- und Kaufhausinhaber auch weiterhin benötigen würden. Man wiegt sich in falscher Sicherheit, glaubt den Wahnsinn aussitzen zu können und denkt nicht ans Weggehen. Aber die Schikanen werden immer unerträglicher und bald ist es zu spät für eine eigene Entscheidung. In einem zweiten Teil kommen, Selbstgesprächen gleich, Erinnerungen an frühere Zeiten, v.a. aber das Grauen der Entrechtung, Ausgrenzung und Verfolgung zur Sprache. Der letzte Teil, nur noch in Fragmenten vorhanden, ist einerseits eine Hommage an die Kultur, die Landschaft und die Menschen Italiens, andererseits beschreibt er aber auch die für die Exilanten schwierigen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Diese Seiten sind zudem eine verzweifelte, sehr realistische Analyse der sich immer mehr aufschaukelnden, auf einen Krieg zusteuernden Verhältnisse in Europa. - Ein vergessenes Werk, das hier ans Licht geholt wurde und auf erschreckende Weise dazu mahnt, den Anfängen menschenverachtenden Redens und Handels entschieden zu begegnen. Auch wenn Diktion und Rechtschreibung ein wenig altertümlich wirken, ist dieses Buch sehr zu empfehlen!
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Artikelbeschreibung

Georg Hermanns letzter Roman schildert das Schicksal einer deutsch-jüdischen Familie unter dem Nationalsozialismus.Berlin Anfang 1933, wenige Tage nach dem Reichstagsbrand: im Hause des jüdischen Papiergroßhändlers Heinrich Simon kommt die ganze großbürgerliche Familie zusammen, um das 75-jährige Firmenjubiläum zu begehen. Doch während vorne in den Salons die Gäste feiern, diskutiert man im Hinterzimmer die Dringlichkeit der Emigration. Denn die Lage im Land wird immer bedrohlicher, die ersten Großkunden ziehen sich zurück, auf der Straße marschieren SA-Trupps und Gerüchte über Verhaftungswellen machen die Runde: 'Ahnten die wirklich noch nicht, was hier gespielt werden sollte?' Und dann muss es plötzlich ganz schnell gehen ...In seinem letzten Roman fängt Georg Hermann humorvoll, empathisch und mit klarem Blick die Verunsicherungen in einer deutsch-jüdischen Familie vor dem Hintergrund des beginnenden nationalsozialistischen Terrors ein. Ursprünglich vierteilig angelegt, konnte Hermann nur zwei Teile des Romans beenden, die zu Lebzeiten unveröffentlicht blieben und hier erstmals publiziert werden.

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Pressestimmen

»Dass der unvollendete, doch umfangreiche, komplex konzipierte und brillant erzählte Roman jetzt in Buchform vorliegt, ist schon eine Sensation und verdankt sich seinen Nachfahren sowie der Herausgeberin Godela Weiss-Sussex (...). Gegend und Milieu schildert Hermann gewohnt atmosphärisch, zum Tragen kommt auch der typisch liebevoll-ironische Hermann-Sound.« (Tobias Schwartz, Tagesspiegel, 13.11.2023) »So ernst das Thema, so viel Witz und prächtiges Zeitkolorit steckt doch in 'Die daheim blieben'. (...) Das kaum 200-seitige Stück ist (...) so frisch und lebendig, seine Fragen sind so aktuell, dass es auch gerade erst geschrieben sein könnte.« (Tobias Lehmkuhl, DLF Büchermarkt, 04.12.2023) »'Die daheim blieben', Hermanns letzter Roman, kann es in Sachen Witz mit Tucholsky durchaus aufnehmen.« (Tobias Lehmkuhl, DLF Büchermarkt, 04.12.2023) »Es ist ein unbestreitbarer Verlust, den Roman als unvollendet hinnehmen zu müssen« (Sax, 2024) »(Eine) wertvolle Bereicherung der Exilliteratur« (Rudolf Muhs, Fontane Blätter, 118/2024) »this is a major work of exile literature, without a doubt.« (Peter Davies, Modern Language Review, Januar 2025)
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