Alfred Landecker

Ein deutsch-jüdisches Leben 1884-1942
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Buchprofile - Rezension
Wie ein deutsch-jüdisches Leben im Dritten Reich systematisch zerstört wird und mit Deportation endet.
Der Jude Alfred Landecker ist ein unauffälliger Zeitgenosse, der 1913 seine wirtschaftsschwache Heimat Ostpreußen verlässt, um – 28-jährig – in der aufstrebenden Stadt Mannheim sein Glück zu versuchen. Zunächst wird er 1914 Soldat und kehrt 1918 unversehrt zurück. Die Niederlage Deutschlands wird allerdings bald u.a. dem "bolschewistischen Judentum" zugeschrieben. Es folgen die Eheschließung mit der katholischen Marie Geßner, Hyperinflation 1923, Tod seiner Frau 1928 und die Weltwirtschaftskrise. 1933 bekommt er die Bücherverbrennung und die schrittweise Ausgrenzung von Juden mit, z.B. im Freibad. Seine Kinder, zwar katholisch getauft, erleben eine schwere Zeit in der Schule. Sie dürfen keine BDM-Uniform tragen, nicht am Schwimmunterricht teilnehmen und müssen als Nicht-Arier samstags in den Unterricht, während die HJ Freizeitaktivitäten durchführt. Familienzusammenhalt wird immer wichtiger. Alfred und seine Kinder bekommen die Festnahmen und Überfälle am 10. November 1938 mit. Bald beginnt die Deportation pfälzischer Juden nach Gurs. Er hat Glück, denn hinter seinem Namen auf der Liste steht "Arier" (aus Versehen?). Das Leben in Mannheim wird immer härter (kein Fleisch, Milch, Eier für Juden). Im April 1942 wird er dann doch verhaftet. Sein Sohn Willi muss unter Tränen ansehen, wie sein Vater abgeholt wird. Seine letzte Spur findet sich im Durchgangslager Izbica. In aussichtsloser Lage schreibt er seiner Tochter: "Bleibt gesund und werdet mir ordentliche Menschen! Ihr habt eine Zukunft – verplempert sie nicht." – Die Leser:innen werden vom Schicksal dieses Mannheimer Juden ergriffen sein. Alle, Alte und Junge, besonders Jugendliche und Heranwachsende müssen sich mit diesem Kapitel deutscher Geschichte auseinandersetzen.
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Artikelbeschreibung

Alfred Landeckers Leben veranschaulicht das Schicksal der damals überwiegenden Mehrheit der jüdischen Menschen im Deutschland des 20. JahrhundertsVon der ostpreußischen Provinz in die Industriestadt im Südwesten des Landes: Es war ein weiter Sprung, zu dem sich Alfred Landecker kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs entschloss. Aufgewachsen in einer kinderreichen jüdischen Familie, die im Dorf Nordenburg eine Speditionsfirma betrieb, verlässt der junge Alfred die Region und zieht ins badische Mannheim. Nach Jahren an der Westfront arbeitet er als Prokurist in einer Eisenmaschinenfabrik, lernt seine katholische Frau Maria Geßner kennen und gründet eine Familie. Dann stirbt Maria 1928. Die Verfolgung durch die Nationalsozialisten bringt ihn und auch seine drei »halbjüdischen« Kinder in eine ausweglose Lage. 1942 wird Landecker mit dem Zug »nach dem Osten« deportiert und ermordet. Annette Prosinger zeichnet das Leben eines Mannes nach, der ein in jeder Hinsicht unauffälliges Leben führte: Alfred Landecker war keine berühmte Persönlichkeit des deutschen Judentums, keine Person des öffentlichen Lebens. Was Alfred Landecker während der NS-Zeit in Mannheim widerfuhr, veranschaulicht vielmehr die Ausgrenzung und Verfolgung, der die überwiegende Mehrheit der jüdischen Menschen damals in Deutschland ausgesetzt war.

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Personeninformation

Annette Prosinger, geb. 1959, ist Journalistin und lebt in Berlin. Nach ihrem Studium der Germanistik und Romanistik in in Kiel, Freiburg und Zaragoza arbeitete sie bei verschiedenen Zeitungen als Redakteurin, unter anderem bei der taz, der Badischen und der Basler Zeitung. Zuletzt war sie Textchefin der Welt am Sonntag.
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