Schermanns Augen

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Buchprofile - Rezension
Roman über das Leben eines polnischen Graphologen und eines deutschen Kommunisten in einem russischen Gulag.
Steffen Mensching erzählt in diesem Roman die Geschichte des jüdischen Graphologen Rafael Schermann, der in einem fiktiven Gulag im stalinistischen Russland inhaftiert ist. Die Geschichte beginnt, als Schermann als alter totkranker Gefangener in ein Lagerlazarett eingeliefert und von einem Mitgefangenen durchsucht wird. Nach und nach erfährt man von seinem bewegten Leben und seinen hellseherischen Fähigkeiten, die ihm in den 20er-Jahren Zugang zu Wiener Salons wie auch zur illustren Welt von Paris und New York ermöglichten. Ein Lageroffizier jedoch vermutet in ihm einen Spion und Sympathisanten Leo Trotzkis und verhört ihn immer wieder. Um ihn auch sonst zu kontrollieren, beauftragt er den Mitgefangenen Otto Haferkorn, der als Dolmetscher fungiert, den Graphologen zu bespitzeln. Haferkorn verbüßt eine Strafe als Volksfeind, weil er als deutscher Kommunist vor den Nazis aus Berlin in die Sowjetunion geflohen ist und dort als Abtrünniger verhaftet wurde. Der Leser erfährt nicht nur vielfältige Details über den Alltag eines Lagerlebens mit den Grabenkämpfen zwischen den politischen Gefangenen und den "Banditen", sondern auch von den zahlreichen und bewegten Lebensstationen Schermanns und Haferkorns. - In seinem opulenten Werk erzählt der Autor sehr detailliert und episodenreich, immer wieder auch in Rückblicken über das Duo Schermann/Haferkorn und deren Leben vor und während ihres Aufenthalts im Lager. Kleine Geschehnisse aus ihrer Welt werden sehr authentisch und mit häufigen spontanen Perspektivenwechseln beschrieben und ziehen den Leser in den Bann. Die langen Textblöcke ohne Abschnitte und ohne wörtliche Rede machen das Lesen nicht immer einfach. Für große Büchereien mit literarisch interessierten Lesern sehr zu empfehlen.
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Artikelbeschreibung

Ein Gulag-Roman mit deutschen und österreichischen Protagonisten. Eine Rückschau ins Wien der zwanziger Jahre. Ein Roman, der ins Zentrum des 20. Jahrhunderts führt.Eben noch war Rafael Schermann in der Wiener Caféhaus-Szene ein bunter Hund, bekannt mit Gott und der Welt von Adolf Loos, Oskar Kokoschka, Magnus Hirschfeld bis zu Else Lasker-Schüler, Herwarth Walden, Ehrenstein, Döblin, Bruckner, Eisenstein, Stanislawski, Piscator... Selbst der scharfzüngige Karl Kraus erhoffte sich von Schermanns graphologischer Begabung beim Deuten von Briefhandschriften entscheidende Hilfe in seinem Liebeswerben um Sidonie Nádherný...Und jetzt landet dieser schillernde Mann völlig abgerissen und todkrank als Gefangener am Ende der Welt, hundertfünfzig Kilometer östlich von Kotlas an der Bahntrasse nach Workuta im Lager Artek. Sofort zieht einer, der aus Handschriften Vorhersagen ableiten kann, außerordentliches Interesse auf sich, ob nun das des Lagerkommandanten (selbst der kann nicht sicher sein, ob er morgen Chef eines größeren Lagers sein oder man ihn erschießen wird) oder das seiner Mitgefangenen, 'achthundert Männer, zweihundert Frauen. Eine echte sowjetische Großfamilie... jeder weiß alles vom anderen und wünscht ihm die Krätze an den Hals.' Und dann behauptet Schermann noch, kein Russisch zu können, und beansprucht einen Übersetzer. Steffen Mensching stellt ihm den jungen deutschen Kommunisten Otto Haferkorn an die Seite. Das ungleiche Paar, mal Herr und Knecht, mal Don Quijote und Sancho Pansa, kämpft ums Überleben unter brutalen, absurden Verhältnissen im mörderischen Räderwerk des zwanzigsten Jahrhunderts.Zwölf Jahre hat Steffen Mensching an seinem opus magnum gearbeitet, es ist ein großer Wurf geworden.

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