Das amerikanische Beben

Erfahrungen und Konsequenzen für die deutsche Demokratie - Das neue Buch der Gewinnerin des Deutschen Sachbuchpreises 2024
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Buchprofile - Rezension
Persönliche Eindrücke und Überlegungen nach einem Jahr als Gastprofessorin in New York.
Die Wissenschaftlerin mit Schwerpunkt Zeitgeschichte zeigt Gefühle und persönliche Ansichten zu aktuellen politischen Entwicklungen, wirkt angefasst von Strömungen, die ihrem inneren Kompass zuwiderlaufen. Christina Morina hat in den letzten Jahren viel erreicht; ihre Bücher haben achtbare Preise gewonnen und sie durfte im Deutschen Bundestag zum 75. Jahrestags des Grundgesetzes sprechen. Mit ihren Einlassungen zu den USA unter Donald Trump und den möglichen Wechselwirkungen auf die Politik Deutschlands legt sie viel von ihrer akademischen Nüchternheit ab. Morina war 2025 für fast ein Jahr Gastprofessorin in New York. Sie schildert anhand ihrer Dozententätigkeit und Alltags Ablehnung, ja Verachtung gegenüber der Person und Politik Donald Trumps. Auch wer ihrer scharfkantiger Trennung von Gut und Böse – ein Drittes ist selten gegeben – nicht folgen mag, bleibt wegen ihres eingängigen, eloquenten Erzählstils dran. Die pejorative Wortwahl für alles von ihr als „rechtspopulistisch“ Etikettierte ist an Unbedingtheit schwer zu übertreffen; ebenso ihre teils recht pausbäckigen Laudationen für die Gegenseite. Gefangene werden nicht gemacht. Elon Musk ist „Antisemit“, J.D. Vance ein „Frauenverachter“, Donald Trump Faschist, Illiberaler und Rassist. Analysen, Erläuterungen für ihre barschen Zuschreibungen sind, falls überhaupt, auf Petitessen oder singuläre Ereignisse beschränkt. Das Buch wirkt wie das Resultat einer Schreibtherapie, ein Trostbuch für die Autorin und Seelenverwandte, dass man trotz allem auf der richtigen Seite steht. Die persönliche, verletzte Seite von Frau Morina weckt Sympathien beim Leser. Kluge Anstöße, Erkenntnisse mit Substanz sind dagegen rar gesät.
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Artikelbeschreibung

Was müssen wir aus Trumps Angriff auf die Demokratie lernen?
Das brandaktuelle Buch der Sachbuchpreisgewinnerin Christina Morina


Die Historikerin Christina Morina lebte mit ihrer Familie 2024/25 für ein Jahr in New York - als Gastprofessorin an der weltbekannten New School For Social Research. Aus nächster Nähe erlebte sie das fatale Comeback von Donald Trump und die verheerenden Folgen für die amerikanische Demokratie, die sich auch im Alltag der Menschen spiegeln. Sie war nach Amerika gekommen, um zur Geschichte der Demokratie zu forschen und zu lehren. Und plötzlich wurde sie Zeugin des großangelegten Versuchs, sie zu zerstören.

In ihrem Buch beschreibt sie auf sehr persönliche Weise, wie Trumps Angriff die Demokratie in ihrem Kern erschüttert hat. Zugleich stellt sie die aktuellen Ereignisse in einen größeren Zusammenhang: Was unterscheidet die deutschen Demokratie-Erfahrungen von denen der Amerikaner? Welche Rolle spielen historische und aktuelle Entwicklungen? Wie kann man eine demokratische Ordnung gegen antidemokratische Angriffe schützen? Und welche Lehren lassen sich aus dem amerikanischen Beben für die Demokratie in Deutschland ziehen?

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Personeninformation

Christina Morina ist Professorin für Zeitgeschichte an der Universität Bielefeld. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Gesellschafts- und Nachgeschichte des Nationalsozialismus, in der politischen Kulturgeschichte des geteilten und vereinigten Deutschlands sowie in dem Verhältnis von Geschichte und Gedächtnis. Christina Morina wurde 1976 in Frankfurt (Oder) geboren und verbrachte ihre Kindheit in der DDR. Sie studierte Geschichte, Politikwissenschaft und Journalistik an der Universität Leipzig und der Ohio University (USA) und wurde 2007 an der University of Maryland (USA) mit einer Arbeit über den Krieg gegen die Sowjetunion in der deutsch-deutschen Erinnerungskultur promoviert. Sie war von 2008 bis 2014 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und 2015 bis 2019 DAAD-Fachlektorin an der Universität Amsterdam. Ihre Habilitation »Die Erfindung des Marxismus. Wie eine Idee die Welt eroberte« erschien 2017 bei Siedler. Für »Tausend Aufbrüche. Die Deutschen und ihre Demokratie seit den 1980er Jahren« erhielt sie 2024 den Deutschen Sachbuchpreis.
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