Antisemitismus: Eine deutsche Geschichte

Von der Aufklärung bis heute
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Buchprofile - Rezension
Die Verwurzelung des Antisemitismus in der deutschen Geschichte.
"Sollen wir sie, die Juden, kreisweise zusammentreiben, niederschießen oder totschlagen oder ersäufen - alle, ohne Ausnahme, Männer und Frauen, Greise und Kinder, Kranke und Gesunde?" Diese Frage gehört erstaunlicherweise nicht in das Repertoire der antisemitischen NS-Vernichtungspolitik, sondern in das Jahr 1816, in die Zeit der Debatten um die sog. Judenemanzipation, und zeigt deutlich, dass Ablehnung, Hass und Gewalt gegenüber der jüdischen Bevölkerung schon lange die deutsche Geschichte mitbestimmten. War im Mittelalter und in der frühen Neuzeit der großteils religiös begründete Antijudaismus vorherrschend, so verändert sich dieser im Zuge der Aufklärung, besonders jedoch im aufkommenden Nationalismus, gefördert durch die in der Romantik hochkochende Suche nach der "deutschen Identität" und einem starken Nationalbewusstsein, zum völkischen, rassistischen Antisemitismus. Diese Entwicklung zeichnet der international renommierte Autor äußerst kenntnisreich und detailliert aufgrund zahlreicher Quellen bzw. überzeugender Beispiele nach und macht die unterschiedlichen Ausformungen - von der Betonung der kulturellen wie religiösen Unterschiede über Diskriminierung und Rechtsunsicherheit bis hin zu Anschlägen, Verfolgung und Shoah deutlich. Fundiert und allgemein verständlich erläutert er, dass antisemitisches Gedankengut viele Jahrzehnte vor der NS-Zeit in deutsch-nationalen Verbänden und Vereinen, in Wirtschaft und Justiz, in Universitäten und Parteien, in der Wehrmacht, im Bildungsbürgertum, aber auch in den Kirchen verstärkt zu finden war, die alle zusammen den Boden für die NSDAP bereiteten, um auf breiter Basis eine judenfeindliche Politik durchsetzen zu können. Das Buch endet mit einer Bestandsaufnahme des gegenwärtig in Deutschland wieder aufflammenden Antisemitismus und der Auseinandersetzung mit diesem Ungeist in Politik, Gesellschaft und Bildung. - Für große Büchereien sehr zu empfehlen.
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Artikelbeschreibung

80 Jahre nach dem Holocaust: Ein Buch, das uns die Augen öffnet

Der Anschlag auf die Synagoge in Halle 2019 hat nicht nur gezeigt, wie gefährlich die Lage für Juden in Deutschland geworden ist - die Debatte hat auch offengelegt, dass antijüdische Einstellungen schon lange in der Mitte der Gesellschaft existieren. Peter Longerich, renommierter Historiker und Mitautor des 2012 veröffentlichten ersten Antisemitismusberichts des Deutschen Bundestags, zeigt, dass wir den gegenwärtigen Antisemitismus in Deutschland nicht begreifen können, wenn wir ihn vor allem als Sündenbock-Phänomen verstehen, wie es hierzulande in Schule und Hochschule gelehrt wird. Denn der Blick in die Geschichte offenbart, dass das Verhältnis zum Judentum bis heute vor allem ein Spiegel des deutschen Selbstbildes und der Suche nach nationaler Identität geblieben ist. Ein brisantes Buch, das mitten in die aktuelle Debatte stößt.

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Pressestimmen

»Eine glänzende Studie über die Antisemiten und ihre Erfolgsspur in der deutschen Geschichte...Longerich präsentiert präzise Fakten und bringt diese in Zusammenhänge.« taz - die tageszeitung
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