Vaterland

Roman einer Familie
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Buchprofile - Rezension
Private und politische Höhen und Tiefen einer Familie von der Weimarer Republik bis zur Nachkriegszeit.
Karl steigt in der Zeit der Weimarer Republik und des Dritten Reiches schnell die Karriereleiter hinauf, wird stolzer SS-Mann, dient zunächst in Berlin in der Ehrenkompanie und hält Wache vor der Reichskanzlei und der Führerwohnung. Er erzählt seinem Sohn Michael aber auch vom brutalen Kriegsgeschehen, wo er 1942 schwer verwundet wird. Halbseitig gelähmt kommt er nach Hause zurück. Wegen seiner positiven Einstellung zum Nationalsozialismus hasst Michael seinen Vater. Andererseits träumt er in den 60er-Jahren nun selbst seine eigene Zeit und Ideologie und schwärmt vom Kommunismus (in seinem löchrigen Parka und mit seinen schulterlangen Haaren). – Dieter Bongartz schildert die Auswirkungen von Gewalt und Totalitarismus. Besonders muss auf seinen ungewöhnlichen sprachlichen Erzählstil hingewiesen werden, denn nach seinen eigenen Worten schreibt er im persönlichen „Zeilenfall und eigener, freier Zeichensetzung und Interpunktion.“ Bis zu seinem Tod leitete der Lyriker, Drehbuchautor und Filmemacher Bongartz die „Kölner Schreibschule für Jugendliche.“
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Artikelbeschreibung

Nach einer Krebsdiagnose begibt sich der Erzähler auf eine Reise durch Zeit und Raum. Weit über das eigene Erinnern hinaus spürt er seiner Familiengeschichte nach bis in die feuchten, verwinkelten Gassen Quedlinburgs zur Zeit der Weimarer Republik, wo die Mutter unwissend einer glücklichen Zukunft entgegen hofft, und in die weiten Landschaften des Niederrheins, in denen der Vater früh angesteckt vom Nazivirus den Krieg spielt, der ihn später zum Krüppel machen wird. Bongartz' Roman verwebt persönliche Schicksale mit der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts und zeigt die Auswirkungen von Gewalt und Totalitarismus auf eine Familie über mehrere Generationen hinweg. In einem poetischen Sog erleben wir eine große Erzählung von Träumen und Hoffnungen, von Verlust, Scham und Verdrängung. Im Spiel mit Dialekten, Binsen und Schüttelreimen schafft Bongartz ein sprachliches Monument, in dem Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft zugleich aufgehoben sind.

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Personeninformation

Dieter Bongartz, geboren 1951 in Dülken, war Schriftsteller, Drehbuchautor und Filmemacher. Themen wie Kindheit, Jugend und gesellschaftliche Konflikte standen im Zentrum seines Werks. Neben seinen mehrfach ausgezeichneten sozialkritischen Dokumentationen und TV-Produktionen veröffentlichte er Lyrikbände und Jugendromane. Die Verfilmung seines Romans 'Der zehnte Sommer des Kalli Spielplatz' lief auf internationalen Festivals. Bis zu seinem Tod im Jahr 2015 leitete er die 'Kölner Schreibschule für Jugendliche'.

Pressestimmen

»Mit beklemmender Ehrlichkeit erzählt Bongartz von der Verachtung der Nachkriegsgeneration gegenüber den Eltern - und der späten Erkenntnis, auch selbst nicht der eigenen Zeit zu entkommen.« Laetitia Lenel
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