Notizen an Tobias

Gedanken eines Vaters zum Suizid seines Sohnes
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Buchprofile - Rezension
Ein Vater schreibt nach dem Suizid seines Sohnes über das erste Jahr der Trauer und die möglichen Gründe für seinen Suizid.
Tobias Marboe ist ein vielseitiger, aber erfolgloser junger Künstler. Er ist depressiv, hat finanzielle Sorgen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag 2018 stürzt er sich aus dem 4. Stock der elterlichen Wohnung, ein sorgfältig geplanter Suizid. Er hinterlässt einen liebevollen Abschiedsbrief an seine Familie, einen Brief, den er schon zigmal vorher in Gedanken formuliert haben muss. "Notizen an Tobias" ist das Zwiegespräch des Vaters mit seinem toten Sohn. Der Vater Golli Marboe (* 1965), Journalist und selbständiger Medienberater in Wien, setzt sich offensiv und ohne Tabus mit dem Tod seines Sohnes auseinander. Der Verlust seines Kindes ist für ihn keine Privatsache. Er analysiert ehrlich, wenn nicht sogar schonungslos, was er als Vater, die Familie, was die Gesellschaft seinem Sohn nicht geben konnten, ihm verweigert haben. Er reflektiert die wichtigen Ereignisse im Leben seines Sohnes und setzt sich noch einmal mit dem künstlerischen Werk von Tobias auseinander, sucht nach Vorzeichen, die das furchtbare Ereignis hätten ankündigen können. Die oft prekäre finanzielle Situation im Elternhaus und die daraus resultierende Unsicherheit für seine vier Kinder verschweigt er nicht. Er stellt die Frage, wann er hätte aufhören müssen, die Intimsphäre seines Sohnes zu respektieren und wann er sich hätte einmischen müssen, was er und seine Umgebung hätten tun können, um diesen Schritt zu verhindern. Schritt für Schritt findet die Familie in so etwas wie einen Alltag zurück. Marboe beginnt sich für die Suizidprävention zu engagieren. Das Buch ist Teil dieses Engagements. Marboes Gedanken zum Thema Suizid sind sehr gut recherchiert und sprachlich beeindruckend verarbeitet.
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Artikelbeschreibung

Es klingelt an der Tür der Familie Marboe im 4. Stock. "Da ist was mit Tobias!" "Ja, er ist nebenan. Wir richten gerade das Gästezimmer für ihn her." "Nein, es ist was mit ihm unten auf der Straße!" Seit diesem Nachmittag des 26. 12. 2018 ist das Leben der Familie Marboe nicht mehr, wie es war.Golli Marboe ist das Schlimmste passiert, was einem Vater passieren kann. Das eigene Kind hat sich das Leben genommen - ein Tabuthema für die Öffentlichkeit. In "Notizen an Tobias" schreibt Marboe über das erste Jahr der Trauer und den Versuch, das Unfassbare zu begreifen. Es ist ein sehr offenes und berührendes Buch.

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