Die Seine fließt ins Schwarze Meer

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Buchprofile - Rezension
Autobiografischer Roman mit starken Bezügen zum Leben des Dichters Paul Celan.
Boris Schumatsky lebt, da seit langen Jahren Kritiker an der russischen Politik, im deutschen Exil. Seine von ihm geliebte Mutter jedoch in Moskau. In seinem eindrucksvollen Roman verbindet er die Erinnerung an seine russische Kindheit und Heimat und sein Leiden an der Situation mit der Lebensgeschichte des Lyrikers Paul Celan, aus der Sicht Natalias, einer Freundin Celans, aber auch von Schumatskys Mutter. Mit außerordentlichem literarischem Geschick weiß er beide Geschichten miteinander zu verweben. In dem eindrucksvollen Roman weiß der Autor mit viel Empathie, aber auch literarischer Verve zu erzählen: von seiner Nostalgie beim Gedanken an zu Hause und die Kindheit, seiner Liebe zur nun unerreichbaren Mutter, aber auch mit einem analytischen Blick auf die gesellschaftspolitische Entwicklung in Putins Russland. Und mit genauso viel literarischer Meisterschaft erzählt er vom Leben des anderen Exilanten, Paul Celan, in Paris, von den Begegnungen des Künstlers mit den Menschen, die sein Parser Leben bis zu seinem Tod prägten, mit dessen Leiden am eigenen Schicksal. Aber es ist nicht nur ein Roman über zwei Biografien. Es ist gleichzeitig ein Buch, in dem der Autor hinter den beiden Schicksalen tiefgründig über das Leben reflektiert, über Politik und Kultur, Gewalt und Heimat(verlust), Sehnsucht und Liebe, ein Buch, das kein Leser vor dem Ende aus der Hand legen wird und das ihm lange im Gedächtnis bleiben wird. Sicher von der literarischen Qualität her eines der besten Bücher, die in diesem Jahr in Deutschland erschienen sind. Unbedingt lesenswert und allen Büchereien zu empfehlen.
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Artikelbeschreibung

Der russisch-jüdische Erzähler lebt in Berlin, seine kranke Mutter kann er nicht mehr in Moskau besuchen, da ihm dort die Verhaftung droht. So bleiben ihm nur Telefonate mit ihrer immer leiser werdenden Stimme, Erinnerungen an ein Aufwachsen in einer gewaltvollen Diktatur und die unzähligen Geheimnisse, die am Küchentisch der Eltern erzählt wurden. Vor allem von der umtriebigen Natalia, die in Paris einst Concierge in dem Hotel war, in dem Paul Celan wohnte, und die über Celans Leben und Lieben mehr zu berichten hat, als die Forschung weiß. Überzeugend verbindet Schumatsky seine politische Verzweiflung über Russlands Krieg gegen die Ukraine und den Antisemitismus vor seiner Haustür mit Kindheitsbildern und einer persönlichen Lesart von Celans Leben, Schreiben und Tod.

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Personeninformation

Boris Schumatsky, geboren 1965 in Moskau, lebt seit Mitte der 1990er-Jahre als freier Autor in Berlin und München. Schumatskys Essays zum politischen Geschehen erscheinen u. a. in "taz", "ZEIT", "NZZ" und "SZ". 2025 las er auf Einladung von Philipp Tingler einen Auszug aus "Die Seine fließt ins Schwarze Meer" in Klagenfurt beim Bachmann-Wettbewerb, wo er den Deutschlandfunk-Preis gewann. Boris Schumatsky stand auf der Shortlist für den "Wortmeldungen-Literaturpreis für kritische Texte 2026". Im Residenz Verlag erschien 2016 sein politischer Essay "Der neue Untertan" und 2026 sein Roman "Die Seine fließt ins Schwarze Meer".

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