Die 11 Fluchten des Madis Jefferson

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Buchprofile - Rezension
Trotz widrigster Umstände gibt der Este Madis seinen Freiheitsdrang ein Leben lang nicht auf.
Gefühlt sind es mehr als elf Fluchtversuche, die der Held der Geschichte von den frühen Kindheitsjahren an bis ins Alter unternimmt. Anfangs handelt es sich um Jugendsünden, im Gestus eines Schelmenromans erzählt. Madis bereist die Welt, zunächst als blinder Passagier, später als Arbeiter an Bord. Dann unterschreibt er bei der Fremdenlegion. Zum Glück gibt es dort estnische Bücher in der Standort-Bibliothek, doch das reicht auf Dauer nicht zum Bleiben. In New York lernt er den estnischen Arbeiterverband, die kommunistische Idee, den Jazz und eine aus Estland stammende Genossin kennen. Nun spielen eine politische und zeitgeschichtliche Dimension zunehmend eine Rolle im Roman. Madis kehrt zurück in die Heimat, die Mutter braucht Hilfe, aber vor allem möchte er dort etwas verändern im Sinne der Arbeiter. Estland ist da bereits von der Sowjetunion besetzt, die kurze Episode der Unabhängigkeit seit 1918 zu Ende. Noch bevor Madis Idealismus aufgebraucht ist, bestimmen der Krieg und das Vorrücken der deutschen Armee sein weiteres Schicksal. Als Genosse wird er nach Sibirien evakuiert, doch seine Verbesserungsvorschläge und sein wacher Geist sind nicht gefragt. Es gelingt ihm nicht, die Grenze in Tadschikistan zu überqueren und für viele lange Jahre wird er das System der sowjetischen Gulags nur für kurze Fluchtversuche verlassen. Später wird er 17 Jahre in der Psychiatrie verbringen. Die letzte Station ist wieder New York. – Erzählerisch gekonnt verwebt Tauno Vahter die Geschichte von Madis Jefferson mit der seiner Heimat Estland im 20. Jh. Natürlich liest sich die Odyssee eines Mannes, der sich den herrschenden Gegebenheiten nicht anpassen möchte, durch sowjetische Lager und psychiatrische Abteilungen nicht mehr ganz so unterhaltsam wie seine jugendlichen Abenteuer, doch umso bereichernder sind die Einblicke ins System und das Verständnis für die Situation der baltischen Staaten heute, die angesichts der russischen Aggression ihre Unabhängigkeit bewahren wollen.
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Artikelbeschreibung

Vahters packendem Schelmenroman liegt die unglaubliche Lebensgeschichte von Johannes Lapmann alias Madis Jefferson zugrunde, der Anfang des 20. Jahrhunderts in einem Dorf an der Küste Estlands geboren wird. Bereits mit acht Jahren wird Madis in Stockholm aufgegriffen und zu seiner entsetzten Mutter heimgebracht: Er hatte sich als blinder Passagier auf einem Schiff nach Schweden versteckt, weil er mehr von der Welt sehen wollte. Das bleibt nicht die letzte Eskapade des Vagabunden, weitere spektakuläre Fluchtversuche werden folgen und Madis bis in die USA führen - ihm allerdings auch Gefangenschaft in sowjetischen Lagern einbringen. Dieses Buch ist ein hinreißender und tragikomischer Roman über Freiheit und die Frage, wie weit Gesellschaften gehen, um die Freiheitsliebenden zu unterdrücken.

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