Das Phantom

Roman
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Buchprofile - Rezension
Literarisches Experiment als Hommage an Thomas Bernhard.
Der Autor selbst empfahl auf der Leipziger Buchmesse, jeden Tag nur EINEN Satz seines neuen Romans zu lesen. Es handelt sich aber auch um wahre Syntax-Ungetüme, die sich wie die Eiger-Nordwand über mehrere Seiten erstrecken. Man muss schon ein literarischer Extrembergsteiger sein, um an diesen ausufernden Schachtelsätzen Spaß zu haben. Einen Feel-Good-Roman darf man sowieso nicht erwarten. Eine Handlung ist quasi nicht existent, vielmehr wird der Leserschaft ein assoziativ verbundener Gedankenstrom des grüblerischen Sonderlings Thom präsentiert. Der Ich-Erzähler befindet sich vermutlich kurz vor seinem Lebensende und lässt in einer knappen halben Stunde (die Kapitel sind mit minutengenauen Uhrzeiten versehen) Ereignisse aus seiner Vergangenheit Revue passieren. In rhythmisierter und fein abgestimmter Prosa erfahren wir von seiner Kindheit, in der seine Eltern versagt haben, von einem missglückten Annähern an die Kellnerin Gretchen und von dem Versuch, eine Schwarze Mamba als Haustier zu halten. - Fans von Thomas Bernhard dürfte das literarische Experiment gefallen, ansonsten ist es eher etwas für Germanistik-Seminare als für Freizeit-Leser/-innen.
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Artikelbeschreibung

Eine Liebeserklärung an Thomas Bernhard - und zugleich eine Nabelschau desse, warum der Mensch als denkendes, reflektiertes und mitfühlendes Wesen am Abgrund steht.

Thom empfindet sich als Versager, von der Gesellschaft hält er nicht viel, von seinen Eltern noch weniger. Seine Lebensunfähigkeit schiebt er auf seine Sozialisation. Seine Sozialisation bezeichnet er als Verunmöglichung des Lebens. Thom ist hochintelligent, was auch die Umständlichkeit seines Denkens erklärt, er seziert sich und sein Sein, als wäre es die einzige Lebensaufgabe. Er fällt immer wieder mal in Ohnmacht, doch diesmal fühlt sich alles anders an - sein Leben zieht buchstäblich an ihm vorüber. Thom denkt über die Eltern und seine Kindheit nach, die eine Erklärung für seine Persönlichkeit liefern. Thom denkt über seinen Alltag, seine Schulzeit, seine Handlungen und Haltungen nach, die ihm verdeutlichen, dass er um keinen Deut besser ist als die anderen. Thom wünscht sich eine andere Welt, die er nach eigenen Ermessen gestalten kann. Thom möchte glücklich sein, doch die ungeheuerlichen Lasten, die das Leben mit sich bringt, lassen ihn hoffnungslos zurück. Thom lebt nicht mehr - doch tot ist er auch nicht. Und: Thom denkt an das Fräulein Gretchen, mit der er gerne eine Beziehung gehabt hätte. Ab wann lief bloß alles schief? Und lässt sich innerhalb einer halben Stunde eine ganze fatale Lebensbilanz ziehen?

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