Sinka Mensch

Roman
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Buchprofile - Rezension
Ein Hauptstadtmärchen aus Georgien.
Aleksi Mensch wächst als Waisenkind in einem Kinderheim auf, wo er vom Erzieher verprügelt wird und wegen eines zertrümmerten Beins zum Krüppel wird. Das hat für Aleksi einen großen Vorteil: er wird nicht in den Krieg eingezogen, und als ein Straßenfeger Aleksi ein Akkordeon schenkt, schlägt sich dieser als Akkordeonspieler durchs Leben. Der verschrobene Typ musiziert immer lächelnd auf Feiern oder Schulfesten, am liebsten aber für junge Frauen. Er liebt die Frauen und die Frauen lieben ihn. Mit einer bunten, unkonventionellen Schar Verwandter und Freunde feiert er die schönen Momente des Lebens mit Alkohol und dem Erzählen von Geschichten, in denen Erfundenes und Wahres untrennbar miteinander verknüpft ist. Eines Tages erhält er Besuch von einer Frau mit ihrer Tochter, die behauptet, er sei ihr Vater und das Mädchen namens Sinka sei seine Enkelin. Aleksi nimmt die Kleine bei sich auf und die beiden leben forthin miteinander in Tiflis, der seiner Ansicht nach "schönsten Stadt der Welt". – Die Autorin, eine der wichtigsten zeitgenössischen Autorinnen Georgiens, gibt einen Eindruck davon, wie das Leben in der Hauptstadt Tiflis Ende des vergangenen Jahrhunderts aussah. Die raffinierte Erzählerin schreibt kraftvoll und scharf zugespitzt, zeichnet ihre Figuren hautnah und schildert deren wundersame Erlebnisse und Träume mit Witz und ironischem Unterton. Wegen fehlender Handlung und Struktur ist der Roman aber nicht leicht konsumierbar und daher nur für Liebhaber literarischer Romane geeignet.
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Artikelbeschreibung

Es war einmal eine Stadt, deren Bewohner schworen, sie sei die schönste der Welt und in ihr würden Dinge passieren, von denen andere Städte nur träumen könnten. Genau in dieser Stadt, am ehemaligen Revolutionärsplatz Nummer eins, wohnt der verkrüppelte, in einem Kinderheim aufgewachsene Musiker Aleksi Adamiani, dessen Nachname schlicht "Mensch" bedeutet. Auch wenn das Schicksal ihm ein sehr schweres Leben beschieden hatte, lächelte es ihm auch zu und schenkte ihm das treue Akkordeon "Raviata", seine zwei engsten Freunde Kotiko und Data, die heimlich in ihn verliebte Tamriko und ein vermeintliches Enkelkind: Sinka Adamiani - Sinka Mensch. Verschrobene, warmherzige, eigentümliche und vom Leben gezeichnete Charaktere - es ist ihre bittersüße Geschichte, die Anna Kordsaia-Samadaschwili in ihrem neuen Roman erzählt. Sie alle nehmen ihr zumeist sehr hartes Schicksal an, und viele von ihnen werden an ihm scheitern, aber nicht, ohne ihm zuvor ihren Anteil am Glück abzutrotzen und die hellen Momente des Lebens zu feiern. In den wundersamen, auf den ersten Blick unglaublichen Begebenheiten, die Kordsaia-Samadaschwili zu einem Märchen verwebt,
sind Erdachtes und Wahres untrennbar miteinander verknüpft. In ihnen spiegeln sich die Geschichten der Stadt Tbilissi in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, das alltägliche Leben genauso wie die großen Tragödien, glückliche Fügungen und schwarze Tage, alles, was das Menschsein ausmacht.

"Anna Kordsaia schüttelt Anekdoten aus den Ärmeln ihrer weit geschnittenen Kleidung wie nichts. Tbilissi ist der Stoff, aus dem ihre Bücher gemacht sind. Dabei schreibt sie nicht nostalgisch, sondern schnell und pointiert, nah dran an den Menschen. Das flirrende Milieu ihrer Texte ist die Bohème, deren Liebling Tbilissi seit über hundert Jahren ist." (JUDITH LEISTER, NZZ)

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Personeninformation

Kordsaia-Samadaschwili, Anna
Anna Kordsaia-Samadaschwili, geboren 1968, zählt zu den wichtigsten zeitgenössischen georgischen Autorinnen. Sie lebt und arbeitet als Autorin, Übersetzerin und Kulturjournalistin in Tbilissi und erhielt zahlreiche georgische Literaturpreise. Als Übersetzerin aus dem Deutschen ins Georgische, z. B. Ingeborg Bachmann, Rainald Goetz, Erich Maria Remarque, Bertolt Brecht u. a., wurde sie für ihre Übersetzung von Elfriede Jelineks Liebhaberinnen vom Goethe-Institut Tbilissi ausgezeichnet. Anna Kordsaia-Samadaschwili lehrt an der Ilia State University in Tbilissi Literatur und Kreatives Schreiben. Zuletzt auf Deutsch erschienen ihre Romane »Kinder von Schuschanik« (2018) und »Wer hat die Tschaika getötet?« (2016). Heinze, Sybilla
Sybilla Heinze übersetzte u. a. Werke von Rati Amaglobeli, Beka Adamaschwili und die Romane von Anna Kordsaia-Samadaschwili. Auf der Frankfurter Buchmesse 2017 wurde sie mit dem SABA-Preis für die beste Übertragung aus dem Georgischen ausgezeichnet.

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