Was vom Glauben bleibt

Wege aus der atheistischen Apokalypse
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Buchprofile - Rezension
Analyse zu den christlichen und gnostischen Wurzeln der gesellschaftlichen Fehlentwicklungen unserer Zeit und Ausblick auf das Potential christlicher Religion zur Überwindung dieser Krisen.
Als Ungläubiger, der katholisch ist, bezeichnet sich der Dramaturg, Kultursoziologe und politische Vordenker Bernd Stegemann (zul. "Die Öffentlichkeit und ihre Feinde", BP/mp 21/767). Diesem Unglauben nachspürend analysiert er Denkweisen und Einstellungen, die im Christentum und gnostischen Strömungen wurzeln und zu fatalen Fehlentwicklungen in unseren sogenannten aufgeklärten Gesellschaften geführt haben: vom Kapitalismus und seinen Folgen für Mensch und Umwelt über die unheilvollen Ideologien des 20. Jahrhunderts bis hin zur heute immer weiter zunehmenden Polarisierung, Zersplitterung der Gesellschaft und Cancel-Culture, zu radikalem Klimaaktivismus und Identitätspolitik, die mit einer apokalyptischen Stimmungslage, der jede Erlösungshoffnung fehlt, einhergehen. Diesen Fehlentwicklungen stellt er das eigentlich Wesentliche des Christentums gegenüber. Stegemann kritisiert die Selbstsäkularisierung der Kirche, die ihre Bedeutung heute in Mitgliederzahlen statt in Heilsvermittlung misst. Statt vermeintlich zeitgemäßer Sprache und Inhalte fordert er für die Feier der Gottesdienste und Riten eine sakramentale Sprache und innere Haltung, die über das Sicht- und Begreifbare hinausweist und eine verbindende und verändernde Wirkung auf die Beteiligten entfalten kann. Rationalität und Glaube müssten sich zum Wohl der Menschen ergänzen. Statt individueller Selbstüberhöhung und aussichtslosem Streben nach innerweltlicher Selbsterlösung empfiehlt er Demut gegenüber dem, was die menschliche Begrenztheit übersteigt. Stegemann verbindet hier Religionsphilosophie, Geistesgeschichte und Sozialpsychologie zu einem aufschlussreichen, intellektuell anspruchsvollen Diskussionsbeitrag, der einen Platz in ausgebauten Re- oder So-Beständen finden sollte.
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Artikelbeschreibung

Der moderne Mensch führt Glaubenskriege, ohne an Gott zu glauben

Menschen treten scharenweise aus der Kirche aus. Religion spielt im Leben vieler keine Rolle. Man könnte meinen, wir lebten in der gottlosesten Welt, die es jemals gab. Aber stimmt das überhaupt? Hat der Glaube nicht längst einen anderen Ort in unserer Welt gefunden? Bernd Stegemann legt eine hochaktuelle Bestandsaufnahme der Welt vor, in der das Individuum den Platz Gottes eingenommen hat.

Ohne Gott sind wir frei. Doch wohin führt uns die Freiheit? Die Weltkriege und totalitären Herrschaften des 20. Jahrhunderts, Klimakatastrophen und massenhafter Konsum sollten uns zu denken geben. Stattdessen wird schrill die Apokalypse verkündet. Während die Bindung der Religion in tausend Teile zersprungen ist, hat ausgerechnet der hochmütige Glaube an absolute Wahrheiten überlebt. Ideologische Übertreibungen, Populismus, Fanatismus und Fundamentalismus sind allgegenwärtig. Wohl keine Zeit war so orientierungslos und zugleich so erregt. Dabei wäre eine Umkehr nötig. Nur wenn wir anerkennen, dass unsere Ansprüche kein göttlicher Wille sind, wenn wir die Demut dem Bescheidwissen vorziehen, können wir die Welt bewahren oder sogar besser machen.

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Personeninformation

Bernd Stegemann, geboren 1967, studierte Philosophie und Germanistik an der FU Berlin und der Universität Hamburg sowie Schauspieltheater-Regie an der Hamburger Theaterakademie. Seit 1999 arbeitet er als Dramaturg/Chefdramaturg an verschiedenen Theatern, zuletzt am Berliner Ensemble. Seit 2005 ist er Professor für Dramaturgie und Kultursoziologie an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch«.

Pressestimmen

»In seinem lesenswerten und enorm anregenden Buch seziert Stegemann akribisch die seelischen, gesellschaftlichen und politischen Verwerfungen, die der säkulare Glaube ohne Religion zur Folge hat.« Alexander Grau, Die Weltwoche, 17. Oktober 2024 Alexander Grau Die Weltwoche 20241017
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