Camondo

Eine Familiengeschichte in Briefen
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Buchprofile - Rezension
Auf der Spur des Lebens des Moise de Camondo im Paris des frühen 20. Jahrhunderts.
Nach dem Familienroman „Der Hase mit den Bernsteinaugen“ nähert sich Edmund de Waal in diesem Briefroman nicht weniger einfühlsam einem weiteren Mitglied seiner weitverzweigten Familie: Moise de Camondo, einem großen Kunstmäzen. Er hat das Familienpalais in Paris nach seinem Tod dem Verein „Les Arts Décoratifs“ gestiftet, mit der Auflage, es zum Gedenken an seinen im Ersten Weltkrieg gefallenen Sohn Nissim de Camondo zu einem Museum zu machen. De Waal spürt die Geschichte der Familie anhand von Archivfunden, Fotografien, Zeichnungen und Dokumenten nach, die teilweise im Buch abgebildet sind. Das Leben der wohlhabenden Familie in Paris in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist so leicht nachzuvollziehen. Sehr eindrücklich sind die Schilderungen und die Dokumente, die die Besatzungszeit in Paris während des Zweiten Weltkriegs betreffen. Ganze Zweige der Familie wurden damals deportiert und umgebracht. Das Buch macht Lust, sich mit den dort erwähnten Orten, Personen und Kunstschätzen näher auseinanderzusetzen und, nicht zuletzt, das Museum in Paris zu besuchen. Sehr empfehlenswert.
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Artikelbeschreibung

Nach "Der Hase mit den Bernsteinaugen" ein neues Meisterwerk der Erinnerungsliteratur von Edmund de WaalGeschichte ist nicht Vergangenheit, sie hört nie auf und entfaltet sich in unseren Händen. Das schreibt Edmund de Waal in seinem neuen Buch, das ihn zurückführt in die Pariser Rue de Monceau, in der einst sein Vorfahre Charles Ephrussi den berühmten 'Hasen mit den Bernsteinaugen' hütete, wo in unmittelbarer Nachbarschaft Marcel Proust wohnte und wo der Bankier Moïse de Camondo aus Konstantinopel ein Palais errichten ließ, in dem sich heute ein seit 1936 unverändertes Museum befindet. Niemand war zufällig in dieser 'Straße der Anfänge', sagt de Waal und beginnt, imaginäre Briefe an Moïse zu richten, über die vielfältigen Beziehungen ihrer beiden Familien, über Assimilation, Großzügigkeit, privates und öffentliches Leben und immer wieder über die Bedeutung der Erinnerung und dass es keinen 'Schlussstrich' geben kann und darf.

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Pressestimmen

"Wenn De Waal an die Bilder erinnert, die einmal seiner Familie gehört haben, wenn er die Möbel, das Geschirr, die Gläser, Wandschirme, Teppiche und Ziergegenstände beschreibt, die einst der Stolz seiner Verwandten gewesen waren, dann ist es, als ob die Zeit stehen geblieben wäre. Die Dinge fangen an, zu uns zu sprechen." Klara Obermüller, NZZ Bücher am Sonntag, 28.11.21 "Mit seinem Blick sehen wir Dinge, die uns selber gar nicht aufgefallen wären. [...] Camondo ist ein sehr dichtes Buch, es ist ungewöhnlich erzählt und sehr, sehr lesenswert." Barbara Tóth, Falter Bücher Podcast, 25.11.21 "Eine literarische Preziose, ein leises, zartes, ein aus der Zeit gefallenes Buch - mit einem ungeheuren Sog." Jochanan Shelliem, NDR Kultur, 02.11.21 "Man könnte Camondo auch als überaus kunstvollen Museumsführer lesen, aber einen solchen zu verfassen, war nicht die Absicht des Autors. Der wollte vielmehr ein Buch über das Vergessen und Erinnern schreiben, über das Trauern und das Weiterleben. Die Welt Camondos, die de Waal in seinen wunderschön nachdenklichen Briefen auferstehen lässt, wird brutal ausgelöscht." Barbara Tóth, Falter Buchbeilage, 20.10.21 "De Waal versteht es wie kein anderer, Gegenstände erzählend wieder mit Wärme zu erfüllen. (...) Meisterlich vereint De Waal Archivalisches, Literarisches und Betrachtetes mit Imaginiertem und persönlichen Ansprachen." Ursula Scheer, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.10.21 "Wieder verschlägt es einem den Atem, wie de Waal das Aufeinanderprallen einer kunstsinnigen Familie mit dem Nazi-Regime beschreibt." Lisa Zeitz, Weltkunst, Oktober 2021 "Zurück bleiben die Sammlungen, die materiellen Archive, als deren einfühlsamer Deuter de Waal berühmt geworden ist. (...) Es sind die Dinge, die bei ihm Vergangenheit und Gegenwart verbinden, die ein Gespräch mit den Toten ermöglichen und die vor allem: Tradition stiften. Insofern ist der Band nicht nur ein Erinnerungsbuch, sondern auch eine Theorie des Museums und des Sammelns." Christoph Schmälze, SWR2 lesenswert, 27.9.21 "Edmund de Waal rekreiert mit seiner brieflichen Familiengeschichte eine faszinierende, eine andere Vorstellung von Adel zu Zeiten der Belle Époque und zugleich gelingt ihm eine poetische Meditation über so altmodisch scheinende Begrifflichkeiten wie Erinnerung, Erbe und Ehre." Kirstern Böttcher, Bayern 2, 21.09.21
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