Zeitlang

Roman | Ein großes Familienepos über Wege und Irrwege mehrerer Generationen
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Bayern im Buch-Rezension
Sehr weit gespannte oberbayerische Familiengeschichte über mehrere Generationen.
In Herzach, ein Ort am See, ist die Fischerfamilie Maurer gut etabliert; sie betreibt nebenbei noch einen Bootsverleih und eine Badeanstalt. Ausgesprochen königstreu - im Garten gibt es eine Büste von Ludwig II - schafft sie es, zum Lieferanten des Hofes aufzusteigen. Die frischen Fische aus dem See sind dem Hofstaat immer sehr willkommen. Trotz diverser Irritationen wegen neidischer Nachbarn und intriganter Gemeinderatsmitglieder gedeiht das Geschäft. Interne Familienstreitigkeiten werden in der Regel kurzfristig ausgeräumt, ausgenommen spätere Erbstreitigkeiten. Und dann bringen Erster Weltkrieg, die Weimarer Zeit und letztlich Naziherrschaft und Zweiter Weltkrieg auch die Welt der Maurers immer wieder in große Schwierigkeiten. Auch gibt es in der sozialdemokratisch geprägten Familie Differenzen, als im Heute der Sohn Benedikt, trotz erfolgreichem Studium der Kommunikationslehre nichts zuwege bringt. Irgendwann gerät er in die Nähe eines reaktionären Lagers, eines populistischen Politikers, wird dessen Kommunikationsberater. Seine Familie, vor allem Mutter, Schwester und seine Partnerin fragen ihn immer wieder, was er mit dieser Tätigkeit eigentlich erreichen will. Die radikale politische Organisation bietet ihm eine gewisse Ordnung; eigentlich widerstreben ihm die radikalen Parolen und Aktionen, aber er bleibt, auch wegen mangelnder Alternativen, dabei. Bei den Diskussionen in seinem heimatlichen Umfeld wird heftig diskutiert, auch und gerade wegen der vielen Flüchtlinge und Migranten. Wohlmeinende weisen darauf hin, dass es noch gar nicht so lange her ist, dass deutsche Flüchtlinge, Landsleute, aus den Ostgebieten als Flüchtlingsgauner tituliert wurden. Die Problematik bleibt ohne rechtes Einverständnis, und natürlich ohne Lösung. - In diesem umfangreichen Roman werden die Zeitläufte über 150 Jahre mit all den Ereignissen mal mehr, mal weniger detailgenau immer aus der Sicht der gerade aktuellen Familie geschildert. Den breitesten Raum nimmt die aktuelle politische Situation ein, am Beispiel von Benedikt und seinen irrlichternden Meinungen, Aktionen im Umfeld der Rechtsradikalen. Analysiert werden die Zeitläufte mit der einfachen Erkenntnis: Es sind eher keine reflektierten, ideologischen Überzeugungen, die Menschen empfänglich machen für Radikalität und Totalitarismus. Es sind eher diffuse Ängste und Minderwertigkeitsgefühle, und es locken Aufstiegschancen, Möglichkeiten in der Hierarchie der Bewegung. Dieser Roman fällt wegen seiner mäandernden Textformen und der ständig wechselnden Zeitebenen auf. Es gibt eine Unzahl an Frontberichten in Form von Briefen des zuletzt gefallenen Sohnes. Auch sind haarklein wiedergegebene Speisekarten bei Familienfeiern vorhanden, soll wohl das Leben jener Zeit verdeutlichen. Eingestreut sind auch diverse Gedichte der jeweiligen Periode; auch die Bayernhymne mit allen Strophen fehlt nicht. Die politische Botschaft bleibt aber ohne klare Aussage. Es ist ein Lektüredickicht; die Orientierung ist ob der vielen Nebenfiguren und zahlreichen Erzählsträngen sehr mühsam. Der Ort Herzach ist unschwer als Herrsching am Ammersee zu verorten. Diese opulente Geschichte über Wege und Irrwege der Fischerfamilie und die deutschen Zeitläufte ist ansonsten gut geschrieben und weckt sicher bei einer größeren Leserschaft Interesse.
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Artikelbeschreibung

»Was geschieht, wenn Lücken des Erinnerns, Ängste und Verleugnung die Gegenwart bestimmen?«

Der Journalist Benedikt bekommt nach dem Studium keinen Fuß in die Tür und wird schließlich Kommunikationsberater eines populistischen Politikers. Diese neue Aufgabe führt ihn so stark in die Nähe eines reaktionären Lagers, dass er sich von den Frauen in seinem Leben, seiner Partnerin Marianne, seiner Schwester Agnes und seiner Mutter Edith, fragen lassen muss, wo er eigentlich steht. Was treibt ausgerechnet ihn, Sohn liberaler und antiautoritärer Erziehung, dorthin, und was hat das mit der unbewältigten Trauer und Verleugnung der Wirklichkeit zu tun, Familienmustern, die seit Jahrzehnten totgeschwiegen werden? 


Die Antwort darauf führt nach Herzach, den Ort im Bayerischen, wo Benedikt die Sommerferien seiner Kindheit verbracht hat, und zu der Fischerei, die seit Generationen in Familienbesitz ist - und wo jetzt alles den Bach hinuntergeht. In welche Fußstapfen wird er treten, wo doch alles wiederkehrt, nur in anderer Gestalt - von Ewigkeit zu Ewigkeit, wie seine Großmutter sagen würde? 

Produktsicherheit

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Anschrift: Friedrichstraße 126
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Kontakt: produktsicherheit@ullstein.de

Personeninformation

Donata Rigg wurde 1976 in Konstanz geboren. Sie studierte Theaterwissenschaft/Kulturelle Kommunikation, Neuere deutsche Literatur und Philosophie und am Deutschen Literaturinstitut. Sie hat u. a. zwei Romane veröffentlicht und lebt in Berlin. 

Claudia Klischat, geboren 1970 in Wolfratshausen, studierte am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Sie veröffentlichte u. a. einen Erzählband und zwei Romane. Sie lebt in München. 

Pressestimmen

»Nun kommt es nicht alle Tage vor, dass Autorinnen ein gemeinsames Romanprojekt veröffentlichen. Rigg und Klischat arbeiteten sechs Jahre lang an ihrem Roman, der äußerst dicht und materialgesättigt ist. Dabei gelang es den Autorinnen, ihre Figuren mit glaubhafter Psychologie und jeweils ganz eigener Sprache zu entwerfen. Dialekte und Soziolekte prägen die unterschiedlichen Charaktere; sie wirken da besonders überzeugend, wo sie sich in eigenen Widersprüchen verheddern. [...] Bemerkenswert ist, dass der ganze Roman wie aus einem Guss wirkt: Nirgendwo wird lesbar, dass der Text aus zwei Federn stammt.« Marlen Hobrack Der Freitag 20240927
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