Stern 111

Roman | Georg-Büchner-Preis 2023. Ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2020
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Buchprofile - Rezension
Das Leben während der zeithistorisch ereignisreichen Jahre 1989/90 im Berliner Viertel Prenzlauer Berg.
Schauplatz von Lutz Seilers Roman "Stern 111", der dieses Jahr den Preis der Leipziger Buchmesse erhielt, ist der Prenzlauer Berg, genauer gesagt, die Straßenzüge zwischen der Ryke- und Oranienburgerstraße in Ostberlin. Geschildert wird das Leben während der zeithistorisch ereignisreichen Jahre 1989/90 in einem Viertel, das während der letzten Tage der DDR als Zentrum der politisch-intellektuellen Opposition gelten kann und sich nach dem Mauerfall schnell zum Trend- und Szeneviertel entwickelte. In dieses Milieu gerät Carl aus Gera. Er schließt sich einer Gruppe von Hausbesetzern an, verdingt sich in der Kellerbar "Assel" als Kellner, trifft eine alte Freundin wieder, in die er bereits seit Schulzeiten verliebt ist, und entwickelt sich dabei zu einem Lyriker, der die Welt, die er wahrnimmt, immer öfter in Sprache verwandelt. Die zweite Geschichte, die der Roman erzählt, ist die von Carls Eltern, die 1989 in die BRD flüchten, im Großraum Frankfurt erste Erfahrungen mit dem Westen machen und schließlich in die USA auswandern, womit sie sich einen alten Jugendtraum erfüllen. – "Stern 111" ist nicht nur ein zeithistorischer Wende-Roman mit viel Lokalkolorit und Atmosphäre. Er ist auch eine Geschichte von Aufbruch und Ankommen sowie der Erfüllung lebenslanger Sehnsüchte. Er ist ein Künstler- und Entwicklungsroman und nebenbei das liebevolle Porträt einer intensiven Eltern-Sohn-Beziehung.
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Artikelbeschreibung

Zwei Tage nach dem Fall der Mauer verlassen Inge und Walter Bischoff ihr altes Leben - die Wohnung, den Garten, ihre Arbeit und das Land. Ihre Reise führt die beiden Fünfzigjährigen weit hinaus: Über Notaufnahmelager und Durchgangswohnheime folgen sie einem lange gehegten Traum, einem »Lebensgeheimnis«, von dem selbst ihr Sohn Carl nichts weiß. Carl wiederum, der den Auftrag verweigert, das elterliche Erbe zu übernehmen, flieht nach Berlin. Er lebt auf der Straße, bis er in den Kreis des »klugen Rudels« aufgenommen wird, einer Gruppe junger Frauen und Männer, die dunkle Geschäfte, einen Guerillakampf um leerstehende Häuser und die Kellerkneipe Assel betreibt. Im U-Boot der Assel schlingert Carl durch das archaische Chaos der Nachwendezeit, immer in der Hoffnung, Effi wiederzusehen, »die einzige Frau, in die er je verliebt gewesen war«.

Ein Panorama der ersten Nachwendejahre in Ost und West, ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse: Nach dem prämierten Bestseller Kruso führt Lutz Seiler die Geschichte in zwei großen Erzählbögen fort - in einem Roadtrip, der seine Bahn um den halben Erdball zieht, und in einem Berlin-Roman, der uns die ersten Tage einer neuen Welt vor Augen führt. Und ganz nebenbei wird die Geschichte einer Familie erzählt, die der Herbst 89 sprengt und die nun versuchen muss, neu zueinander zu finden.

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Personeninformation

Lutz Seiler (geboren 1963) wuchs in Ostthüringen auf. Sein Heimatdorf Culmitzsch wurde 1968 für den Uranbergbau geschleift. In Gera schloss er eine Lehre als Baufacharbeiter ab und arbeitete als Zimmermann und Maurer. Während seiner Armeezeit begann er sich für Literatur zu interessieren und selbst zu schreiben. Bis Anfang 1990 studierte er Geschichte und Germanistik an der Martin-Luther-Universität in Halle (Saale). 1990 ging Seiler nach Berlin, wo er einige Jahre als Kellner arbeitete. Längere Auslandsaufenthalte in Rom, Los Angeles und Paris. Seit 1997 leitet er das literarische Programm im Peter-Huchel-Haus bei Potsdam. Seiler lebt als freier Schriftsteller mit seiner Frau in Wilhelmshorst und Stockholm.
Von 1993 bis 1998 war Seiler Mitbegründer und Mitherausgeber der Literaturzeitschrift moosbrand. Er schrieb zunächst vor allem Gedichte (fünf Gedichtsammlungen sind erschienen) und Essays, später auch Erzählungen und Romane. Für die Erzählung Turksib wurde Seiler 2007 mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. Für sein Romandebüt Kruso erhielt er 2014 den Deutschen Buchpreis. Der Roman wurde in 25 Sprachen übersetzt, mehrfach für das Theater adaptiert und von der UFA verfilmt. Sein zweiter Roman Stern 111 wurde 2020 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Im August 2021 erschien der Gedichtband schrift für blinde riesen. 2023 wird Lutz Seiler mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.

Pressestimmen

»Lutz Seiler erzählt von einer Stadt und einer Zeit, die schon auserzählt schien. Aber er schafft einen neuen Bann.« Jona Nietfeld Der Tagesspiegel 20210123
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