Brandung

Roman | Ein rätselhafter Todesfall an der französischen Atlantikküste und eine Frau, die von ihrer verdrängten Vergangenheit überwältigt wird
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Buchprofile - Rezension
Ein ungeklärter Todesfall zwingt eine Frau zur Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit.
Eine namenlose Synchronsprecherin, die mit ihrem Mann in Paris lebt, erhält einen Anruf von der Polizei. In Le Havre sei am Strand eine nicht identifizierte männliche Leiche gefunden worden. Man wolle sie dazu befragen. Am nächsten Tag reist die Ich-Erzählerin mit dem Zug an die Küste. Le Havre ist ihre Heimatstadt, seit Jahren ist sie nicht mehr dort gewesen. Der Tote hat eine Kinokarte in der Hosentasche, auf der ihre Telefonnummer notiert ist. Was wie ein Kriminalfall beginnt, entzieht sich schnell den Genreerwartungen. Die Frau erinnert sich an ihre Kindheit und Jugend. Vor dem Abitur hat sie mit einer Freundin für eine Projektarbeit eine Überlebende des Luftangriffs der Alliierten im Zweiten Weltkrieg interviewt. Beide Mädchen hat die Begegnung nachhaltig erschüttert. Nahezu die gesamte Stadt wurde durch Phosphorbomben zerstört. Die neue Stadt ist auf den Trümmern der alten aufgebaut. Parallel zu den Schuttschichten der Stadt beginnt die Frau nach ihrer Vergangenheit zu graben. Sie erinnert sich an ihre Jugendliebe Craven, in den sie sich mit 16 Jahren verliebt hat. Während er zur See fährt, wartet sie den ganzen Sommer vergeblich auf Nachricht von ihm. – Maylis de Kerangal erzählt von trügerischer Erinnerung, die den Blick auf die Gegenwart beeinflusst. Das Tosen des Meeres bildet die Hintergrundmusik dieses psychologischen Romans.
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Artikelbeschreibung

Am Hafen von Le Havre wird ein Mann tot aufgefunden. In der Jackentasche ein Kinoticket und auf dessen Rückseite ihre Telefonnummer. Sie erhält einen Anruf des ermittelnden Polizisten. Nur: Was soll sie - Synchronsprecherin in Paris, Mutter und Ehefrau - mit diesem ermordeten Mann in der 200 Kilometer entfernten Stadt zu tun haben?
Sie reist sofort nach Le Havre. Verlangt, die Leiche zu sehen. Angelangt in der Stadt ihrer Kindheit, begegnet sie unwillkürlich den Bildern ihrer Vergangenheit. Der Hafenkai, das Lichtspielhaus, jeder Ort trägt Spuren vergessener Episoden. Und immer mehr drängt sich ihr die Erinnerung an ihre erste verlorene Liebe auf. Was, wenn der Tote diese Jugendliebe ist, die damals von heute auf morgen wie vom Erdboden verschwunden war?

Ein mysteriöser Tod, eine Spurensuche an den Orten der Jugend und eine Hafenstadt, in der Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschwimmen. In ihrem literarischen psychologischen Thriller Brandung verwandelt Maylis de Kerangal einen Kriminalfall in einen Schauplatz innerlichen Aufruhrs und biografischer Erkundungen.

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Personeninformation

Maylis de Kerangal, geboren 1967 in Toulon, zählt zu den einflussreichsten Gegenwartsautorinnen Frankreichs. Sie hat zahlreiche Romane, Essays und Erzählungsbände veröffentlicht. Für ihren 2010 erschienenen Roman Die Brücke von Coca wurde sie mit dem Prix Médicis ausgezeichnet, Die Lebenden reparieren gewann zahlreiche Preise und wurde 2016 verfilmt. Kerangal lebt mit ihrer Familie in Paris.

Andrea Spingler, geboren 1949 in Stuttgart, ist seit 1980 als freie Übersetzerin tätig. Sie hat unter anderem Werke von Marguerite Duras, Alain Robbe-Grillet, Patrick Modiano, Jean-Paul Sartre, André Gide ins Deutsche übertragen. 2007 wurde sie mit dem Eugen-Helmlé-Preis für herausragende deutsch-französische Übersetzungen ausgezeichnet, 2012 mit dem Prix lémanique de la traduction und 2021 mit dem Paul-Celan-Preis für ihr Gesamtwerk an Übersetzungen. Sie lebt in Oldenburg und Südfrankreich.

Pressestimmen

»Der vermeintliche Kriminalroman entpuppt sich als Odyssee durch das eigene Leben, deren Sog sich die Protagonistin nicht entziehen kann. Und der Leser auch nicht.« Reimo Geisser NZZ am Sonntag 20260628
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