Der Einfall der Geister

Roman | Ein Meisterwerk Schwarzen Erzählens
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Buchprofile - Rezension
Horace versucht durch ein Ritual, sich von seinem bisherigen Leben, seinen Erfordernissen und Erwartungen, zu befreien.
Die Südstaaten der USA, 1980er: Horace Cross ist ein Teenager, der in einer kleinen Baptistengemeinde auf dem Land lebt. Seine Familie und seine Kirchengemeinde knüpfen bestimmte Erwartungen an ihn, einerseits weil er sehr gut in der Schule, andererseits weil er dunkelhäutig ist. Durch ein Ritual versucht er, sich von diesem Druck zu befreien. Der Versuch misslingt und er sieht sich mit seiner Selbsttäuschung konfrontiert, was bei ihm zu Wahnvorstellungen und Halluzinationen führt. Er irrt durch die Nacht, besucht wichtige Stätten seiner Kindheit und Jugend, und die Lesenden werden auf eine Reise durch sein Leben mitgenommen und erfahren, wie es so weit kommen konnte. Ein zweiter Handlungsfaden wird aus der Sicht von James Greene entwickelt, der ein Verwandter von Horace ist und der in seiner Erzählung immer wieder andeutet, wie diese Nacht für Horace ausgegangen ist. Aber eigentlich dreht sich dieser zweite Erzählstrang um das Leben von James und wie er zu dem wurde, was er ist, nämlich ein Prediger. - Randall Kenan zeichnet entlang einer Familiengeschichte und anhand einer vielschichtigen Erzählung das Bild des Lebens von Afroamerikaner:innen in den Südstaaten der 1980er. Dabei geht es ihm, wie es scheint, vor allem darum zu erzählen, welche Erwartungen, Traditionen und alltäglichen Gegebenheiten eine zentrale Rolle in schwarzen Communities gespielt haben. Es wird deutlich, dass Homosexualität, ein zentrales Element des Romans, verpönt war. Sein Schreibstil ist eingängig, auch wenn das Setting seiner Geschichte ungewöhnlich ist, will man doch wissen, wie Horace in eine so verzweifelte Lage geraten ist und so etwas wie einen psychotischen Schub durchlebt.
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Artikelbeschreibung

Die Schuld austreiben, das ist der Plan, als Horace in einer Frühlingsnacht in den Garten seines Großvaters hinaustritt. Ein Ritual soll Horace befreien. Von den Erwartungen, die seine Familie an ihn und seine Begabung stellt, von den rasenden Gedanken, vom Begehren, das ihn Mitte der Achtziger in dieser Schwarzen Baptistengemeinde im Süden alles kosten kann. Doch die Befreiung missglückt, und Horace, getrieben von den erlittenen Ungerechtigkeiten aus Hunderten von Jahren, irrt gefährlich durch die Nacht. Bis ein anderer Mann aus seiner Familie, am Glauben verzweifelt wie er, dem berechtigten Wahnsinn Einhalt gebieten will ...

Entdeckt von Toni Morrison, als sein Jünger mit James Baldwins Nachlass betraut, so stand Randall Kenan 1989 nach Erscheinen seines Romans an der Spitze der nachfolgenden Generation, einsam und zu früh. Mehr als dreißig Jahre mussten vergehen, damit Der Einfall der Geister international gefeiert werden kann, als ein Meisterwerk Schwarzen Erzählens, über die Gefahren der Erlösung, über Wünsche, die an Grenzen stoßen.

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Personeninformation

Randall Kenan, geboren 1963, fand seinen Weg in die Literatur auf Empfehlung Toni Morrisons. Er arbeitete als Lektor im Traditionshaus Alfred A. Knopf, betreute den Nachlass von James Baldwin. Für sein Werk, das sich mit dem amerikanischen Süden aus Sicht der Schwarzen Community auseinandersetzt, wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Randall Kenan verstarb 2020, im Sommer der landesweiten Black-Lives-Matter-Proteste nach der Ermordung George Floyds. Eva Bonné übersetzt Literatur aus dem Englischen, u. a. von Michael Cunningham, Anne Enright, Richard Flanagan und Sara Gran. Sie erhielt den Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Preis 2022.

Pressestimmen

»Mit diesem Buch ... hat das deutsche Publikum die Gelegenheit, einen brillanten amerikanischen Autor der Generation der um 1960 Geborenen zu entdecken.« Verena Lueken Frankfurter Allgemeine Zeitung 20230318
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