Die vielen Tode unseres Opas Jurek

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Buchprofile - Rezension
Eine bewegende polnische Familiengeschichte aus dem vergangenen Jahrhundert.
Jurek ist schon in jungen Jahren ein pfiffiger, erfindungsreicher und lebensbejahender Mann. Das verhindert freilich nicht, dass er immer wieder Schicksalsschläge erleiden muss. Im Krieg gerät er in die Fänge der deutschen Besatzer und sein Aufenthalt in der "weltberühmten" Ortschaft Oswiecim als Zwangsarbeiter bescheren ihm erste Tode, glaubt er doch mehrfach, nicht mehr unter den Lebenden zu sein. Durch diverse handwerkliche und sprachliche Fähigkeiten und reichlich Chuzpe überlebt er das Lager und rettet sich durch den Krieg. Danach verschafft ihm der polnische Geheimdienst immer wieder kostenlose Aufenthalte in den Tiefgeschossen des unheimlichen "Grauen Quaders". Auch hier glaubt er immer wieder zu sterben, wundert sich dann doch über sein Überleben. Seine Kinder wollen sich mit den gegebenen Umständen nicht länger abfinden und wandern in das Land jenseits der DDR aus. Jurek und seine Frau Zofia bleiben in der Heimatstadt Opole. - Jureks in Westdeutschland aufgewachsenen Enkel erzählen die Geschichte ihres Opas und der sonstigen Verwandten, und bei Besuchen in Opole (Oppeln) in Oberschlesien verdichten sich die Eindrücke über das frühere Leben unter kommunistischer Herrschaft. Das wird auf eine recht ungewöhnliche Art und Weise erzählt. Eine Geschichte voller Sarkasmus, Ironie, Spott und Melancholie; die Gräuel des Krieges und der Diktaturen erscheinen regelrecht weich gezeichnet und herabgemildert. Manches erscheint richtiggehend surreal. Eine bewegende, eindringliche, einfühlsame Geschichte in einer beeindruckenden Sprache mit dichter Atmosphäre. Ein Buch für anspruchsvolle Leser.
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Artikelbeschreibung

Viele Tode musste Opa Jurek in seinem Leben sterben: im besetzten Warschau, nachts auf der Straße, wo er in der Sperrstunde zwei deutschen Soldaten in die Arme läuft. In der "weltberühmten" Ortschaft O¿wi¿cim, in der er als Zwangsarbeiter den Todeshunger kennenlernt. In Opole, der vom Krieg zerstörten Stadt auf dem Mond, wo er vor den leeren Regalen seines Lebensmittelgeschäfts Nr. 6, noch immer sterbenshungrig, von Delikatessen und mehrgängigen Mittagessen träumt. Und auch, als er schon längst mit Oma Zofia verheiratet ist und ihre Tochter sich in einen schulbekannten Delinquenten und Sohn regimekritischer Eltern verliebt, der sie nach Kanada entführen will ... Denn da steigt Opa Jurek, inzwischen Direktor eines Warenhauses, für kurze Zeit zum erfolgreichsten Delikatessenverkäufer von Opole auf - und findet sich, scheinbar unschuldig, in der Todesdunkelheit einer Zelle wieder.

Matthias Nawrats herzzerreißend traurige, schaurig-komische Familiengeschichte verbindet Alltag und Politik, Straßenwitz und Kriegserfahrung, Autobiographisches und Fiktion zu etwas, das stärker nachwirkt als jede romanhafte Biographie: dem Schelmenroman eines polnischen Großvaters, der - die Gräuel des Krieges und des Totalitarismus herabmildernd und die eigene Heldenrolle auffrisierend - Geschichten erzählt, die gerade im Begriff sind, Geschichte zu werden. Ein lebendiger, an Zwischentönen reicher, aber auch abgründiger Roman über eine Familie vor dem Hintergrund der Geschichte Polens und Europas im 20. Jahrhundert.

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