Auf den Gleisen

Roman | Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2024
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Buchprofile - Rezension
Zwei Leben: Inga Machel debütiert mit einem ergreifenden und reifen Vater-Sohn-Roman.
Kann man ein Leben hinter sich lassen und ein völlig neues beginnen? Was verbindet zwei Biographien, zumal wenn es die von Vater und Sohn sind? Welche Rolle spielen Erinnerungsbilder und Hoffnungsbruchstücke dabei? Und wie wirkt sich der Scherenschnitt, der zwei Leben trennt, aus? Der ist in dem ersten Roman der 1986 geborenen Berliner Schriftstellerin Inga Machel ein Augenblick von größter Härte: Der Ich-Erzähler bekommt von seiner Mutter zu hören, der Vater sei tot, überfahren von einem ICE mit 200 Stundenkilometern, nur ein Winterstiefel sei im Gleisbett liegen geblieben. Die Geschichte des Vaters hat zwei Teile. Im ersten erinnert sich der Erzähler an eine gespaltene Kindheit mit beschönigten Fotografien und ruppigen Episoden, mit Tränen, Lachen und fürsorglichen Ratschlägen des Vaters, der später in der Psychiatrie landet. Im zweiten Teil glaubt er, in einem obdachlosen Berliner Junkie seinen Vater wiederzuerkennen. Doch es kommt zu keiner Berührung, außer einmal auf einer Parkbank, meistens stiehlt sich der Sohn davon oder schaut weg. Auch er ist abhängig, vom Alkohol, führt ein unstetes Leben, ohne rechten Plan. Ein Vater-Roman, der ergreift, der im pathosfreien Stil überzeugt und eine stabile Storyline hat. Empfehlenswert.
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Artikelbeschreibung

'Ein so reifes, umwerfendes Debüt gab es lange nicht mehr.' Andreas Wirthensohn, WDR LesestoffEin Sohn verliert seinen Vater, dann sich selbst - und findet beides wieder auf den Straßen Berlins. Radikal und voller Schönheit erzählt Inga Machel in ihrem ersten Roman vom tiefen Verlangen nach Nähe und Beziehung, vom Scheitern, von Schmerz, Wut und Trauer und von der Suche nach einem Weg ins Leben. Vor zehn Jahren verlor Mario, damals Mitte zwanzig, seinen Vater. Ein einzelner Winterstiefel lag auf den Gleisen einer ICE-Strecke, mehr blieb nicht von ihm. Seit fünf Jahren kämpft Mario bereits selbst ums Überleben, als er in einer Zufallsbegegnung mitten in Berlin seinen Vater zu erkennen glaubt. Er nennt den Mann P. und wird von nun an dessen stiller, täglicher Begleiter. P., der heroinabhängig am Rand der Gesellschaft seinen ganz eigenen Lebenskampf austrägt, wird für Mario zum Stellvertreter, um das Trauma der gescheiterten Beziehung zum Vater, die Erinnerungen an die Kindheit in der brandenburgischen Provinz und das Fehlen von bedingungsloser Liebe und Sicherheit endlich verarbeiten zu können. Satz für Satz entwickelt sich ein beinahe märchenartiges Kammerspiel, in dem Raum und Zeit, Vergangenheit und Zukunft, Rationalität und Gefühle ineinanderfließen bei dem Versuch, dem sinnlos Erscheinenden einen Sinn abzutrotzen.Inga Machel ist ein sprachmächtiges, kluges Debüt gelungen über eine kaum in Worte zu fassende Trauer und über die Frage, wie ein Mensch leben will und was er braucht, um es zu können.'Eine Topographie des Traumas und der Trauer. Ein tiefes, ein bewegendes Buch.' Dirk von Lowtzow

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Pressestimmen

"Auf den Gleisen" ist ein sicher gebautes, sehr gut gearbeitetes Buch. Nicht angestrengt oder übermäßig originell, sondern: elegant, fließend, wie aus dem Lehrbuch. Die Möglichkeiten des deutschen Satzbaus werden ausgespannt wie die Flügel, die Vater und Sohn nicht mehr haben. Judith von Sternburg Frankfurter Rundschau 20240319

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