Ida

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Buchprofile - Rezension
Roman über Ida Adler, einer Vorfahrin der Autorin, die nach sexuellem Missbrauch von Siegmund Freud behandelt wurde.
Als Ida Adler als junges Mädchen von ihrem 30 Jahre älteren Nachbarn sexuell missbraucht wird, reagiert sie mit Husten und Sprachlosigkeit. Ihr Vater, der mit der Frau dieses Nachbarn ein Verhältnis hat, schickt Ida zur Behandlung zu Siegmund Freud. Freud diagnostiziert Hysterie bei Ida und redet ihr ein, das Erlebte sei eine eingebildete Wunschvorstellung, weil sie in den Nachbarn verliebt sei. Von der vom Vater betrogenen und deshalb depressiven Mutter erhält Ida ebenso wenig Hilfe wie von ihrem Bruder, der sich als Sozialdemokrat hauptsächlich mit Politik beschäftigt. Der sexuelle Missbrauch begleitet Ida ihr ganzes Leben lang. Nach einer unglücklichen Ehe verlässt sie auf der Flucht vor den Nazis Deutschland, um bei ihrem Sohn in den USA zu leben. - Katharina Adler ist Urenkelin von Ida Adler. Sie schildert glaubwürdig Ida Adlers Lebensgeschichte, die als "Dora", wie Freud sie in einer Veröffentlichung nannte - in die Geschichte der Psychologie einging. Die überwiegend historischen Figuren in Adlers Roman geben einen guten Einblick in die sozialen Strukturen der Wende vom 19. zum 20. Jh. und zeigen an Idas Beispiel deutlich den heuchlerischen Umgang jener Zeit mit Fragen der Sexualmoral. Ab mittleren Beständen für Leser/innen anspruchsvoller Frauen- oder Familienromane empfohlen.
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Artikelbeschreibung

Sie ist eine der bekanntesten Patientinnen des 20. Jahrhunderts: Dora, das jüdische Mädchen mit der 'petite hystérie' und einer äußerst verschlungenen Familiengeschichte. Dora, die kaum achtzehn war, als sie es wagte, ihre Kur bei Sigmund Freud vorzeitig zu beenden, und ihn, wie er es fasste, "um die Befriedigung [brachte], sie weit gründlicher von ihrem Leiden zu befreien." Für Katharina Adler war die widerständige Patientin lange nicht mehr als eine Familien-Anekdote: ihre Urgroßmutter, die - nicht unter ihrem wirklichen Namen und auch nicht für eine besondere Leistung - zu Nachruhm kam, und dabei mal zum Opfer, mal zur Heldin stilisiert wurde. "Nach und nach wuchs in mir der Wunsch, dieses Bild von ihr zu ergänzen, ihm aber auch etwas entgegenzusetzen. Ich wollte eine Frau zeigen, die man nicht als lebenslängliche Hysterikerin abtun oder pauschal als Heldin instrumentalisieren kann. Eine Frau mit vielen Stärken und auch einigen Schwächen, die trotz aller Widrigkeiten bis zuletzt um ein selbstbestimmtes Leben ringt." Von ihr, von 'Ida', handelt dieser mitreißende Roman. Mit großem gestalterischem Weitblick und scharfem Auge für jedes Detail erzählt Katharina Adler die Geschichte einer Frau zwischen Welt- und Nervenkriegen, Exil und Erinnerung. Eine Geschichte, in die sich ein halbes Jahrhundert mit seinen Verwerfungen eingeschrieben hat. 'Ida' ist ein Plädoyer für die Wahrheit der Empfindung und die Vielfalt ihrer Versionen. Der Roman eines weitreichenden Lebens, das - mit Freuds Praxistür im Rücken - erst seinen Anfang nahm.

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